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26.5.2002 | Von:
Rainer Durth

Globalisierung und Wirtschaftswachstum

Welche Wechselwirkungen bestehen zwischen der langfristigen wirtschaftlichen Entwicklung einzelner Volkswirtschaften und ihrer Verflechtung mit anderen Volkswirtschaften? Im Beitrag wird dabei unterschieden zwischen statischen und dynamischen Wirkungen.

Einleitung

Die zunehmende Globalisierung erscheint vielen Nichtökonomen als eine starke, kalte und gefährliche Entwicklung, die zur Verarmung großer Bevölkerungsteile führt und politische Handlungsmöglichkeiten gerade auch in westlichen Demokratien untergräbt [1] . Die meisten Ökonomen hingegen begrüßen die Globalisierung und verweisen darauf, dass außenwirtschaftliche Beziehungen effizienzsteigernd wirken, so dass es allen besser gehen kann [2] . Worauf beruhen diese Verbesserungen? Wann wirken sie dauerhaft? Welche Verteilungswirkungen zwischen und innerhalb von Ländern sind mit ihnen verbunden? Und welche Rolle spielt die internationale Diffusion von neuem Wissen für die Wachstumsmöglichkeiten der einzelnen Volkswirtschaften? Die Außenhandelstheorie beschäftigt sich mit diesen Fragen, und einige ihrer Antworten sind auch für Nichtökonomen interessant, die sich dem Phänomen der Globalisierung zuwenden wollen.


Ausgangspunkt der Überlegungen ist die grundsätzliche Frage, warum Länder überhaupt Handel miteinander treiben. Im Wesentlichen gibt es hierauf zwei Arten von Antworten: erstens, weil die Länder unterschiedlich sind, und zweitens, weil größere Märkte die Realisierung größerer Stückzahlen erlauben. Unterschiede zwischen Ländern stehen im Mittelpunkt der traditionellen Außenhandelstheorie: Bereits David Ricardo hat festgestellt, dass Handel für zwei Länder immer dann vorteilhaft ist, wenn sich die Preise in zwei Länder voneinander unterscheiden [3] . Die neue Außenhandelstheorie hingegen betont die Wechselwirkung zwischen Außenhandel und Größenvorteilen: Größenvorteile spielen vor allem dann eine Rolle, wenn die Herstellung eines Gutes hohe Anfangsinvestitionen erfordert und die durchschnittlichen Produktionskosten mit wachsender Stückzahl sinken (Skaleneffekte) [4] . Hiervon sind insbesondere technologisch hochwertige und neue Produkte betroffen.

Fußnoten

1.
Vgl. exemplarisch Hans Peter Martin/Harald Schumann, Die Globalisierungsfalle. Der Angriff auf Demokratie und Wohlstand, Reinbek bei Hamburg 1996.
2.
Ebenfalls exemplarisch Carl Christian von Weizsäcker, Logik der Globalisierung, Göttingen 1999. Anmerkung der Redaktion: Siehe hierzu auch die Beitrag von Stephan Leibfried und Elmar Rieger sowie von Harald Trabold in diesem Heft.
3.
Vgl. David Ricardo, Über die Grundsätze der Politischen Ökonomie und der Besteuerung (1817), Marburg 1994.
4.
Vgl. Gene Grossman/Elhanan Helpman, Innovation and Growth in the Global Economy, Cambridge 1991.