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26.5.2002 | Von:
Sigrid Leitner
Ilona Ostner

Frauen und Globalisierung

Vernachlässigte Seiten der neuen Arbeitsteilung

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Globalisierung und wohlfahrtsstaatlichem Wandel? Und welche Sonderrolle nehmen dabei Frauen ein?

I. Frauen und Globalisierung - eine Begegnung, die noch aussteht

Wenn, wie so oft in den letzten Jahren, von "Globalisierung" gesprochen wird, ist von Frauen - oder allgemeiner: von den Geschlechterverhältnissen - kaum die Rede [1] . Dies überrascht, da es angesichts der Weite des Begriffs kaum ein Thema gibt, das sich nicht unter seinem Dach abhandeln ließe. Schließlich haben selbst so unspektakuläre Themen wie die unbezahlte Betreuung von Kindern und älteren Familienmitgliedern die öffentliche (auch männliche) Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Das Interesse geht inzwischen bis zur Erwägung, Mindestsicherungsansprüche denjenigen vorübergehend zu gewähren, die diese Sorgearbeit unentgeltlich leisten.


Solche Überlegungen sind globaler geworden: Sie haben sogar Brasilien erreicht. Dort plant die Regierung, durch eine Mindestsicherung armen Familien und insbesondere Müttern zu ermöglichen, ihre Kinder zu Hause zu betreuen. Bedingung ist, dass das jeweilige Kind bis zum Alter von vierzehn Jahren zur Schule geht [2] . Man will viele Fliegen mit dieser einen Klappe schlagen: die Ausbeutung durch Kinderarbeit hinauszögern; die Qualifikation des Nachwuchses verbessern; die aus der Existenzgefährdung erwachsende Kriminalität senken; die Auswüchse der Schattenwirtschaft bekämpfen, da der Mindestsicherungsanspruch u. a. mit der Kontrolle der Erfüllung der Voraussetzungen einhergeht; die Wettbewerbsfähigkeit allmählich erhöhen usw.


Das brasilianische Beispiel scheint denjenigen zu widersprechen, die "Globalisierung" mit einer allmählichen Anpassung der hohen sozialen Standards der reichen westlichen Länder an das Niveau der ärmeren oder mit der weiteren Informalisierung (Abgleiten in die Schattenwirtschaft) der Erwerbsarbeit assoziieren. Der globale Wettbewerb ist keine Einbahnstraße. Die Erfahrung aus der Europäischen Integration lehrt, dass sich Hoch-Standard- und Niedrig-Standard-Länder zwar aufeinander zu bewegen, aber in einer gegenläufigen Bewegung: Sie treffen sich nicht "unten", beim niedrigsten Standard, sondern nähern sich der Mitte [3] .

"Globalisierung" betrifft soziale Standards. Diese regulieren Lebensverhältnisse durch Recht, Geld, soziale Dienste und Teilhabechancen, z. B. durch die Einschränkung der Kinderarbeit und die - wie die Geschichte zeigt, nicht zwangsläufig daraus folgende - Kompensation des Einkommensausfalls, wenn die Kinder statt Geld zu verdienen wieder zur Schule gehen, oder wenn es Frauen wie Männern ermöglicht wird, sich vom Erwerbsarbeitsmarkt (befristet) abzuwenden, um sich um ihre Kinder oder pflegebedürftigen Angehörigen zu kümmern, wenn die individuelle Arbeitskraft nicht um jeden Preis feilgeboten werden muss. Fehlen solche Standards, bedrohen sie nicht nur die Existenzmöglichkeiten, sondern auch die Würde der Betroffenen, insbesondere der Schwächsten - der sozial Verwundbarsten - der Gesellschaft.

"Sozial verwundbar" sind diejenigen, die sich in einer Situation ausbeutbarer Abhängigkeit - des "Friss oder stirb" - befinden, der sie nicht aus eigener Kraft entkommen können. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie sich in diese Situation durch eigenes Zutun gebracht haben. Sozialstandards oder allgemeiner: die Wohlfahrtsstaaten mit ihrer Arbeitsmarkt- und Sozial(versicherungs)politik haben bislang dafür Sorge getragen, dass Menschen über das Minimum an sozialer Sicherheit und damit Unabhängigkeit verfügen, das ihnen erlaubt, eine Situation zu bejahen oder zu verneinen [4] . Veränderungen im Sicherungsniveau und in den Voraussetzungen zum Zugang zur sozialen Sicherung betreffen daher unmittelbar die Würde dieser Verwundbaren.

Frauen und Männer erleben "Globalisierung", sobald dieses Phänomen soziale Standards zu beeinträchtigen vermag. Diese Beeinträchtigungen folgen durchaus einer geschlechtsspezifischen Strukturlogik; dennoch zählen nicht alle Frauen zu den Verliererinnen und nicht alle Männer zu den Gewinnern des Globalisierungsprozesses. Deshalb kommt es zunächst darauf an, die Widersprüche und Polarisierungen zwischen Frauen zu betonen. Anstelle einer langwierigen Klärung des Globalisierungsbegriffes konzentrieren sich die folgenden Abschnitte auf den in der Literatur diskutierten Zusammenhang von Globalisierung und wohlfahrtsstaatlichem Wandel. Nur wenige Reaktionen des Wohlfahrtsstaats sind unmittelbar globalisierungsbedingt. Der Strukturwandel des Arbeitsmarkts folgt ebenfalls in beträchtlichem Maße seiner eigenen Logik. Selten ist die Globalisierung die unabhängige, die erklärende Variable. Oft wirkt sie wie ein Katalysator für ohnehin anstehende - oder als wünschenswert erachtete - Veränderungen. Umso schwieriger ist es, die Punkte zu identifizieren, an denen Globalisierung mit den sozialen Standards auch die Handlungschancen und letztlich die Würde von Frauen betrifft. Dieser Zusammenhang tritt am deutlichsten im Fall des Frauen- und Mädchenhandels zutage und soll abschließend näher ausgeführt werden.

II. Globalisierung und Frauen - was erklärt was?

Die weitgehende Abwesenheit oder Unsichtbarkeit von "Frau" oder "Geschlechterverhältnis" in der "Globalisierung" mag zunächst daran liegen, dass die öffentliche Debatte inzwischen hinter fast jedem Aspekt des sozioökonomischen Wandels die Globalisierung hervortreten sieht. Ist Globalisierung zur mächtigsten Triebkraft des gesellschaftlichen Wandels geworden und Geschlecht zugleich eine "soziale Superstruktur" (Schelsky), ermöglicht und rechtfertigt sie gleichzeitig politische Interventionen, dann scheint es banal zu betonen, dass dieser Wandel selbstverständlich auch Frauen - sei es gleich den Männern oder anders als diese - betrifft.

Birgit Rommelspacher beginnt ihre Betrachtungen des "Geschlechterverhältnisses im Zeitalter der Globalisierung" mit der lapidaren Bemerkung, dass "Globalisierung im Sinne weltweiter Vernetzungen von Produktionsprozessen, Waren- und Finanzmärkten . . . zu Verschiebungen im Geschlechterverhältnis (führt). Die bestehenden Beziehungen können nicht einfach festgeschrieben werden, bekommen sie doch neue Funktionen in den Umstrukturierungen von ökonomischen Klassen, Regionen und Kulturen" [5] . Als ein Beispiel für solche Umstrukturierungen werden Verschiebungen in der Erwerbsstruktur im nationalen Maßstab und im Rahmen der internationalen Arbeitsteilung sowie deren Folgen für Migration und die Situation von Migrantinnen im Aufnahmeland skizziert [6] . Nun ist nicht jeder globale Trend bereits "Globalisierung", noch hängt er mit dieser zusammen.

So stimmt es sicher, dass in den letzten zwanzig Jahren in allen westlichen Ländern geringe Qualifizierung voraussetzende industrielle Beschäftigungsmöglichkeiten verschwunden sind. Die Frage nach dem Einfluss von Globalisierung auf diese Entwicklung erlaubt jedoch keine eindeutigen Befunde; zumindest hinsichtlich der Erwerbssituation von Frauen sind diese nur "lücken- und bruchstückhaft" [7] . Vor allem Männer waren und sind vom schrumpfenden Beschäftigungssektor der gering qualifizierten Industriearbeit betroffen. Einmal entlassen aus der industriellen Produktion, finden sie nur schwer eine andere Beschäftigung. Metallarbeiter lassen sich nicht ohne weiteres in Altenpfleger verwandeln. Dies erklärt den hohen Anteil von angelernten älteren Industriearbeitern an den Langzeitarbeitslosen. Die industrielle Arbeit hat unqualifizierten jungen Männern einmal die Statuspassage vom oft delinquenten Jugendlichen zum ehrbaren Ehemann und Vater erleichtert, vor allem dann, wenn sie durch ihre Anforderungen an Kraft und physische Ausdauer Männlichkeit eindeutig - zumindest eindeutiger als heute - herzustellen vermochte. Die Jugendstudien der siebziger Jahre drehten sich um diesen Übergang. "MacJobs" bieten dafür gewiss keinen Ersatz.

Diese Entwicklung hat zur Schwächung des Modells des männlichen Haupternährers beigetragen [8] . Weil sie immer weniger ökonomische Sicherheit bieten konnten, erleben gering qualifizierte Männer auch eine Verschlechterung ihrer Heiratschancen, so jedenfalls in den USA und in Großbritannien. Einfach gesagt: Gering qualifizierte und wenig verdienende Männer wurden und werden für viele Amerikanerinnen oder Britinnen schlicht unattraktiv.

Gleichzeitig haben Frauen an Erwerbs- und Einkommenschancen im Dienstleistungssektor, dem von ihnen ohnehin dominierten Bereich, hinzugewonnen [9] - freilich um den Preis der Flexibilisierung von Arbeitsverhältnissen. Auch hier ist wiederum Skepsis gegenüber einem vorschnellen Kausalzusammenhang, diesmal zwischen Globalisierungs- und Flexibilisierungstendenzen, angebracht: "Die Befunde ergeben kein konsistentes Bild." [10] Verbesserungen und Verschlechterungen scheinen für den weiblichen Erwerbszusammenhang Hand in Hand zu gehen. Die damit verbundene Polarisierung darf nicht übersehen werden: Während sich für die einen berufliche Chancen und materielles Wohlergehen mehren, sind die anderen verstärkt von Arbeitslosigkeit im Zuge von "Strukturanpassungen" [11] und den entsprechenden Armutsrisiken betroffen. In dem Maße, wie Frauen mit Männern gerade in den qualifizierten Berufen gleich(er)zogen, stieg die Ungleichheit zwischen Frauen. Diese Prozesse haben allerdings vor dem Zeitpunkt der Entdeckung der (neuen oder erneuten) "Globalisierung" eingesetzt [12] .

III. Der Wohlfahrtsstaat unter dem Druck der Globalisierung

"Globalisierung" sei, so Jens Alber und Guy Standing [13] , zur catch-all (alles einsaugenden)-Formel für die Beschreibung vielerlei Trends geworden. Sie kann zudem von den unterschiedlichsten Individuen und Gruppen für sehr unterschiedliche Zwecke verwendet, diese können wiederum mit dem Verweis auf "Globalisierung" legitimiert werden [14] . Auch aus diesem Grund bestand lange Zeit kein großes Interesse daran, den Begriff und die behaupteten Zusammenhänge - Herausforderungen und Handlungsimperative, auf die "Globalisierung" verweisen soll - theoretisch und empirisch zu klären.

Die Herausforderungen und die Befürchtungen, die die lohnabhängigen Bürgerinnen und Bürger vor allem der EU-europäischen Länder damit verbinden, sind hinlänglich bekannt - die Furcht, dass soziale Standards erodieren, ist eine unter anderen. Derartige Befürchtungen haben sich z. B. im jüngsten Votum des dänischen Volkes gegen den EURO ausgedrückt. Schließlich ist die Europäische Integration eine geographisch beschränkte Form der Globalisierung und ein Versuch, auf diese zu reagieren, indem deren Logik vorweggenommen wird. Was befürchten die Bürger - allen voran die Bürgerinnen, deren Votum oft den Ausschlag gibt - in Gesellschaften, die wie Dänemark über ein ausgebautes universelles, das heißt: alle Mitglieder und alle Risiken des Lebenslaufs gleichermaßen, auf gleich hohem Niveau einschließendes soziales Sicherungssystem verfügen? Schließlich wird dieser großzügige Wohlfahrtsstaat zum überwiegenden Teil durch eine hohe Besteuerung finanziert und verlangt deshalb sehr viel Solidarität derjenigen, die sich möglicherweise selbst sehr viel effizienter absichern könnten.

- "Globalisierung", so die erste Antwort [15] , unterminiert die Möglichkeiten nationaler Regierungen, durch öffentliche Ausgaben oder gar Verschuldung die wichtigste Voraussetzung für die Finanzierbarkeit eines großzügigen Wohlfahrtsstaates zu schaffen: wirtschaftliches Wachstum und daraus folgend Vollbeschäftigung alten Stils, das heißt eine Beschäftigung, die den Beschäftigten wirtschaftliche Sicherheit und Unabhängigkeit von anderen Einkommen im Lebenslauf bietet. Die Offenheit und Interdependenz der nationalen Wirtschaften erlauben keinen nationalen Alleingang. Auch die großzügigen skandinavischen Wohlfahrtsstaaten müssen heute dafür sorgen, dass möglichst wenige Bürger und Bürgerinnen für längere Zeit von Sozialleistungen abhängig sind. Deshalb müssen Erwerbslose entweder eine Ausbildung machen oder irgendeine Beschäftigung annehmen, um Sozialleistungen zu "verdienen"; deshalb wurde in Schweden das Alterssicherungssystem erwerbszentrierter und zugleich bedarfsbezogener ausgerichtet. Private Versicherungen spielen auch in Dänemark eine größere Rolle für die Sicherung des Lebensstandards im Alter.

So wäre es auch sinnlos darauf zu hoffen, die Bundesrepublik würde, um die Erwerbstätigkeit möglichst vieler Frauen, insbesondere auch der Mütter, zu fördern, nun ein Programm der Arbeitsplatzvermehrung durch die Bereitstellung öffentlicher Betreuungsdienste auf den Weg bringen. Die Privatwirtschaft würde die damit verbundene Erhöhung der Abgaben nicht verkraften, in jedem Fall nicht akzeptieren. Sie wird auch nicht so rasch den französischen Weg beschreiten: Das französische Parlament verabschiedete 1994 ein Gesetz, das die Familien ermutigen sollte, Arbeitsplätze im eigenen Haushalt bereitzustellen. Tatsächlich haben diese bis zum Jahr 1997 mehr als 300 000 Arbeitsplätze geschaffen, indem sie unqualifizierte Frauen - häufig Frauen ethnischer Minderheiten - einstellten, die die Kinder betreuen und die Hausarbeit nebenbei erledigen sollten. Der Anreiz für die Haushalte liegt darin, dass der Staat bzw. die Gesellschaft die Kosten der Sozialversicherung der Hausangestellten trug bzw. trägt [16] .

- Der verschärfte internationale Wettbewerb zwingt zur Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und damit der Beschäftigung. Diese Flexibilität wird auch mit Blick auf die Insider-Outsider-Spaltung am Arbeitsmarkt, zwischen den Integrierten und den Desintegrierten, für gerecht angesehen: Während Männer traditionell die Normalarbeitsverhältnisse und damit alle Vorteile, die an die dauerhafte, vollzeitige Beschäftigung in einem Betrieb gekoppelt sind, für sich monopolisieren, waren Frauen - und junge Menschen allgemein - mehr oder weniger freiwillig Pionierinnen flexibler Beschäftigung. Die Flexibilisierung führt zur Ungewissheit zukünftiger Einkommenschancen und zur Polarisierung der Einkommen sowie der Arbeitsbedingungen. So konnten in Frankreich Frauen mit Hilfe anderer Frauen, die ihnen zu Hause den Rücken freihalten, ihre Angebots- und Verhandlungsposition auf dem Arbeitsmarkt verbessern. Gleichzeitig haben sich die Arbeitsbedingungen der im Haushalt Beschäftigten informalisiert. Ihre tägliche Arbeitszeit ist länger als die tariflich vereinbarte, arbeitsrechtliche Regelungen greifen nicht. Mit dieser Informalisierung wächst (wieder) die persönliche Abhängigkeit der Beschäftigten vom Arbeitgeber, von der Arbeitgeberin. Das "primäre" Machtverhältnis, das die Lohnarbeit kennzeichnet, tritt wieder deutlicher hervor [17] .

- Neben der Entstandardisierung von Arbeitsvertrag, Arbeitszeit und Arbeitsentgelt vollzieht sich also, darauf weisen einige Entwicklungen hin, eine Aufweichung der Standards sozialer Sicherung und eine Verschärfung der Zugangsbedingungen. Dies soll die Arbeitskosten senken helfen und Steuersenkungen zugunsten der exportorientierten, global agierenden Unternehmen ermöglichen. Zugleich soll dadurch die Erwerbslosigkeit sinken [18] .

- Trifft die Polarisierungsthese zu, dann geht diese Hand in Hand mit einem Absinken der Bereitschaft, Steuern und Beiträge für Leistungen zu zahlen, auf die man selbst nicht angewiesen ist, sein wird oder die man durch Eigenvorsorge erwerben kann. Diese Haltung schwächt zugleich die Vertretungsmacht der Gewerkschaften. Konkret bedeutet dies, dass Sozialleistungen nur für diejenigen als legitim angesehen werden, die nachweislich ohne eigenes Zutun in eine Notlage geraten sind. In diesem Zusammenhang ist die Hinwendung der Armutsdebatte zu den Kindern - weg von den Alten, den Frauen, selbst von den Müttern, weg auf jeden Fall von anderen früher legitimerweise "Armen" - zu interpretieren [19] .

- Globalisierung reduziert nicht nur die Vertretungsmacht der Gewerkschaften; sie schränkt auch die Handlungsmöglichkeiten der Nationalstaaten ein, indem z. B. politische Visionen jenseits der Neuen Mitte unter dem Stichwort vom "Ende des ideologischen Zeitalters" verdrängt werden. So heißt es z. B., dass die neuen sozialdemokratischen Regierungen ihre sozialpolitischen Vorhaben mit Blick auf die mögliche Kapitalflucht formulieren. Auf der anderen Seite kommt diese erneute Hinwendung der Sozialpolitik zum Markt den Frauen zugute, die, gut qualifiziert, eine möglichst kontinuierliche Erwerbskarriere anstreben. Die EU-Gleichstellungspolitik hat, vielleicht noch nicht ausreichend, in den letzten Jahren in einem überraschenden Maße nicht nur Barrieren abbauen geholfen, sondern auch die Institutionalisierung von Startvorteilen, z. B. in Form qualifizierter Quoten, zugelassen. Gleichstellungspolitik heißt heute, die Erwerbsfähigkeit der Frauen zu erhöhen.

Die Globalisierung mag negative Wirkungen auf den Wohlfahrtsstaat haben; es gibt dennoch nicht nur Verlierer, sondern auch unvermutete Gewinner und Gewinnerinnen selbst unter den Lohnabhängigen. Deshalb ist dem Globalisierungs-Pessimismus vielfach widersprochen worden [20] . Der sehr knappe Durchgang durch die gängigen Argumente lässt als eine Gruppe der Gewinner der Globalisierung eine wachsende Zahl qualifizierter weißer Mittelschichtfrauen erkennen.

IV. Polarisierung der Erwerbschancen und neue internationale Arbeitsteilung

Folgt man den Ausführungen des vorhergehenden Abschnitts, dann ließe "Globalisierung" auf einen globalen Trend steigender Frauenerwerbsbeteiligung schließen. Dieser Trend lässt sich zwar für die westlichen Länder ausmachen, jedoch nicht ohne weiteres für die Länder der Dritten Welt. Streng genommen würde Globalisierung dort bedeuten, dass eine wachsende Zahl von Frauen bei global operierenden Unternehmen beschäftigt ist. Tatsächlich beträgt ihr Anteil nur etwa ein Prozent, obwohl Investitionen von multinationalen Unternehmen in den Schwellenländern eine große Rolle für die Ausdehnung und Struktur der Beschäftigung spielen [21] . Tatsächlich arbeiten viele Frauen bei Zulieferfirmen. Dort kann sich ihr Anteil zwischen 80 und 90 Prozent bewegen.

Junge, qualifizierte Frauen machen das Gros derjenigen aus, die in den niedrig entlohnten, arbeitsintensiven exportorientierten Branchen der Schwellenländer arbeiten. Die Frauenbeschäftigung ist hoch segregiert - es fehlt der männliche Beschäftigte als Vergleichsmaßstab [22] . Dies erleichtert die Unterbezahlung von Frauen. Mit der geschlechterspezifischen Verteilung von Frauen und Männern auf bestimmte Berufe und Branchen verändert sich auch jeweils deren Wertigkeit. Diese bekannte Regel trifft auch auf die Schwellenländer zu. Wird ein ehemals von Männern dominierter Beruf "weiblicher", sinken die Löhne. Dies erhöht wiederum die Nachfrage nach weiblichen Arbeitskräften. Lourdes Benaría zufolge erklärt nicht nur das Lohngefälle die steigende Nachfrage nach Frauen. Diese gelten in den Ländern der Dritten Welt auch als gelehriger, gefälliger und als leichter zu kontrollieren als Männer, schließlich als fingerfertiger und anpassungsfähiger an sich rasch verändernde Bedingungen.

Fragen sozialer Standards sind damit unmittelbar berührt. Sie drängen sich auch in dem Maße auf, wie "Globalisierung" das Gewicht der Frauenbeschäftigung in den NICs (Newly Industrialized Countries), den rasch aufholenden Schwellenländern, sichtbar macht. Muss nicht den westlichen Gesellschaften die Regulierung/Formalisierung der weiblichen Beschäftigung allein aus Wettbewerbsgründen am Herzen liegen? Diese Frage zeigt wiederum, dass Globalisierung, falls sie existiert, keine Einbahnstraße ist.

Tatsächlich haben einige westliche Länder bzw. Nichtregierungsorganisationen westlicher Länder vorgeschlagen, den Handel an die Einhaltung wenigstens einiger minimaler sozialer Standards zu binden bzw. mit dem Hinweis auf die Existenz solcher Standards für die hergestellten Produkte zu werben. Solche Verknüpfungen existieren bekanntlich bereits im Fall von Kinderarbeit und Kaffee ("Fair"-Produkte). Die Pros und Contras sind uns vertraut: Gegner verwerfen solche Vereinbarungen als wettbewerbsverzerrend und wachstumsschädlich, andere warnen vor den nicht-intendierten Folgen z. B. einer Einschränkung der Kinderarbeit oder des Warenboykotts: Jeweils würden Lohnabhängige in die Schattenarbeit, damit in meist noch schlechtere Arbeitsbedingungen getrieben. Allerdings könnte man auf das erste Argument, dass verbesserte Standards wie natürlich aus dem Wachstum folgten, mit dem Hinweis entgegnen, dass Wachstum in nichtdemokratischen Gesellschaften oder Diktaturen, die von Arbeitnehmerrechten ohnehin nichts halten, keine Verbesserung bewirkten. Der berühmte "trickle-down-Effekt", das allmähliche Durchsickern des Reichtums von oben nach unten, ist bisher regelmäßig aus- oder schwach geblieben. Stattdessen lässt sich durchaus erfolgreich eine Gegenposition aufbauen: Die Einführung von sozial verträglichen Arbeitsbedingungen hat das individuelle wie betriebliche Arbeitsergebnis verbessert. Tatsächlich dreht sich heute die Debatte nicht mehr um das Ob, sondern um das Wieviel (wie viel welcher Art Regulierung) und Wie (wie umgesetzt und kontrolliert) [23] .

Die Debatte um Mindeststandards ist noch lange nicht ausgestanden. Als Lehren für die westlichen Länder werden mögliche Antworten auf die Konkurrenz der Niedriglohnländer gegenübergestellt und bewertet: so etwa die Errichtung von Handelsschranken, die Qualifizierung der überflüssig gewordenen Handarbeiter, die Schaffung eines Niedriglohnsektors im eigenen Land sowie die Einkommensumverteilung. Eine Abwägung aller Für und Wider für jeden Vorschlag kommt zum Schluss, dass für westliche Länder, die eine Vergrößerung sozialer Ungleichheit scheuen, Qualifizierungsmaßnahmen und Schaffung von Arbeitsplätzen durch Lohnsubventionierung - finanziert durch Umverteilung - durchaus eine Option darstellen [24] . Nun haben viele gering qualifizierte Frauen traditionell gering bezahlte Dienste erbracht. Die Niedriglohnstrategie bedeutet daher für Frauen möglicherweise mehr vom selben und, wie das französische Beispiel nahe legt, alten Wein in neuen Schläuchen: die Wiederkehr der Dienst- und Kindermädchen im EU-Europa des 21. Jahrhunderts.

Die Polarisierung der Erwerbschancen findet zum einen innerhalb der Nationalstaaten statt, andererseits zwischen entwickelten und sich entwickelnden Ländern und Regionen. Im letzteren Sinne kann von einer Internationalisierung der Arbeitsteilung gesprochen werden. Die bislang von Frauen, auch denen in westlichen Industriegesellschaften, unentgeltlich erbrachte Haus- und Familienarbeit wird nun nicht - wie dies dem Selbstverständnis vieler Feministinnen entsprechen würde - zwischen Frauen und Männern geteilt. Vielmehr kommt es zu einer Umverteilung der privaten Reproduktionsarbeit zwischen Frauen, nämlich von den hoch qualifizierten gut verdienenden zu den gering qualifizierten Frauen aus Entwicklungs- und Schwellenländern, die die ehemals unbezahlte Arbeit der anderen, privilegierten Frauen nun in ungeschützten und schlecht bezahlten Beschäftigungsverhältnissen erledigen.

V. Die Globalisierung weiblicher Dienste und die Dringlichkeit sozialer Standards

Globalisiert haben sich nicht nur "weibliche" Dienstleistungen im Haushalts- und Betreuungsbereich. Es mag dieser peinliche Zusammenhang sein, der den Globalisierungsdiskurs gegenüber der Situation von Frauen so oft verstummen lässt. Einige südostasiatische Länder wie Thailand, Südkorea oder die Philippinen sind für den durchschnittlichen Bürger einer westlichen Gesellschaft vor allem durch ihr Angebot an sexuellen Dienstleistungen bekannt: Bedient wurden zunächst die westlichen Streitkräfte, dann Geschäftsleute, inzwischen - dank immer billigerer Pauschalreisen - Jedermannstouristen. Das Geschäft mit der Prostitution ist staatlich gewollt und organisiert. Es stellt inzwischen eine wichtige Einkommensquelle für den Staat dar, vor allem eine Möglichkeit, ausländische Währung einzuhandeln und ausländische Investoren zum Besuch des Landes zu überreden [25] .

Zwar sind durch Investitionen der multinationalen Unternehmen immer mehr Beschäftigungsmöglichkeiten für Frauen in den Schwellenländern geschaffen worden. Häufig handelt es sich aber um nichtformalisierte Tätigkeiten. Immer mehr Frauen befinden sich daher in der paradoxen Situation, alleine für die Familie aufkommen zu müssen, ohne einen den Männern vergleichbaren Zugang zum Arbeitsmarkt bzw. zu einer geregelten Beschäftigung zu haben. Aus diesem Grund ist die Zahl der Migrantinnen kontinuierlich gestiegen. Im Aufnahmeland füllen sie den Pool billiger Arbeitskräfte, die Dienste aller Art für Haushalte und deren Mitglieder erbringen: Sie arbeiten im Sex- und Unterhaltungsgewerbe, oder sie sind Objekte international agierender "Braut"-Vermittler, Vermittler auch von Dienst- und Kindermädchen.

Gudrun Lachenmann benennt den zugrunde liegenden Marktmechanismus: "Auf der einen Seite steht die verstärkte Migrationsbereitschaft von Frauen aufgrund fehlender ökonomischer Perspektiven, auf der anderen die Nachfrage nach ausländischen Frauen als Reproduktionskraft im sexuellen und emotionalen sowie hauswirtschaftlichen Bereich. Es handelt sich um einen Markt mit Angebot und Nachfrage, wobei jedoch die Ware Frau einem enormen Machtgefälle gegenüber Handelssyndikaten, Schleppern und Heiratsinstituten unterliegt. Rahmenbedingung sind restriktive Einreisebestimmungen und Ausländergesetze." [26] Die Verschärfung der Kontrollen illegaler Einwanderung hat nicht die weibliche Migration verringert, sondern deren Illegalität erhöht, denn der Bedarf nach persönlichen weiblichen Dienstleistungen steigt weiter. Dies hat die Verwundbarkeit einer ohnehin besonders verwundbaren Gruppe erhöht. Angewiesen auf den Lebensunterhalt für sich und häufig eine Familie, wenden sich migrationsbereite oder zur Migration gezwungene Frauen an dubiose Vermittler oder Schleuser und erkaufen sich den illegalen Zutritt zum westlichen Land sowie den nach wie vor illegalen Status durch Geld und die "Verpfändung" persönlicher Freiheit und Unversehrtheit [27] .

Marjan Wijers [28] rekonstruiert die Geschichte der gesellschaftlichen Codierungen von Prostitution und Frauenhandel seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Sie kann dabei im historischen Verlauf sechs unterschiedliche Annäherungen an das Phänomen identifizieren: Den Anfang bildet die Moralisierung des Frauenhandels, der aus dem ebenfalls moralisch verwerflichen Phänomen der Prostitution folgte. Recht und Politik strebten deshalb die Abschaffung der Prostitution an. Sie galt den liberalen Bürgern - und der liberalen Frauenbewegung - als eine Form der Sklaverei, der Frauen zum Opfer fielen. Subjekte ihrer eigenen Geschichte waren Prostituierte nicht. Dieser "abolitionistische" Umgang mit dem Problem dominierte die Debatte und die Politik bis lange nach dem Zweiten Weltkrieg. Zwar war Prostitution an sich nicht strafbar, aber ihre Ausübung durch eine große Zahl von Restriktionen und Kontrollen erschwert. Da sich die EU-Mitgliedsländer nicht auf eine gemeinsame Politik gegenüber der Prostitution einigen können, vermeiden, so Wijers, die Dokumente über den Frauenhandel, überhaupt von Prostitution zu sprechen. Im Mittelpunkt steht der Frauenhandel, der zu sexueller Ausbeutung führt.

In einer weiteren Annäherung werden Frauenhandel und Prostitution als unschön, aber unvermeidbar codiert. Das hindert die Länder nicht, das durch diese unschöne Sache erworbene Einkommen zu besteuern. Gleichzeitig wird die Ausübung der Prostitution im Interesse des Erhalts der öffentlichen Ordnung, Gesundheit und Moral kontrolliert. Prostituierte müssen sich registrieren lassen, was zu ihrer Stigmatisierung beiträgt. Viele versuchen dies zu umgehen und rutschen dadurch in die Illegalität; andere Frauen leben illegal in einem EU-Land und können sich gar nicht registrieren lassen. Es sind diese Inkonsistenzen staatlicher Politik, die Frauenhandel und Prostitution zu einem gewinnträchtigen Aktionsfeld der - international agierenden - organisierten Kriminalität haben werden lassen - eine weitere Codierung. Aufgrund von schlechten Erfahrungen mit der "öffentlichen Hand" begeben sich viele Prostituierte in die Abhängigkeit von Kriminellen. Wird der Fall aufgedeckt, werden die Prostituierten bestraft und meist abgeschoben. Ihre illegalen Makler können sich verstecken. Einige Länder haben begonnen, den rechtlichen Status von Prostituierten im Strafverfahren zu verbessern, auch damit es gelingen kann, ihre Vermittler zu entdecken und zu bestrafen. Seit den neunziger Jahren wird der Frauenhandel dem Problem illegaler Einwanderung und entsprechend illegaler Schleuserpraktiken untergeordnet. Dies hat zum paradoxen Ergebnis geführt, dass sich Staat und Gesellschaft vor den Einwanderern, aber nicht Menschen vor Ausbeutung und Gewalt schützen.

Vor allem Nichtregierungsorganisationen sehen im Frauenhandel und in der Prostitution einen grundsätzlichen Angriff auf die Menschenwürde und eine Verletzung von Menschenrechten. Diejenigen, die diesen Angriff mit dem der Sklaverei gleichsetzen, laufen wiederum Gefahr, Frauen, die sexuelle Dienste erbringen, zu stigmatisieren. Dem steht eine Menschenrechtsperspektive gegenüber, aus der vor allem die Ausbeutung der dienstleistenden Frauen kritisiert wird. Konsequent zu Ende gedacht, führt sie zur Forderung der rechtlichen und sozialen Gleichstellung der Prostituierten als Bürgerinnen, die in einer freien Gesellschaft wie andere Bürger auch ihrem Erwerb nachgehen [29] und vielleicht sogar für diese Gesellschaft nützliche Dienste erbringen. Von dieser Perspektive ist es nur ein kleiner Schritt, Frauenhandel und Prostitution als Erwerbsarbeitsproblem zu fassen. Erst diese Codierung, so Marjan Wijers [30] , erlaubt einen grundsätzlichen Wechsel der Perspektive - und der Sprache - weg von der Konzentration auf das möglicherweise Verbotene oder Kriminelle im Sex-Geschäft hin zur Entlarvung ausbeuterischer Praktiken gegenüber Arbeitsmigrantinnen und ihrer Arbeitssituation in dieser Branche. Gefordert werden gleiche soziale Rechte, das heißt auch ein vergleichbarer Arbeitnehmer-Status für Frauen, die sexuelle Dienstleistungen erbringen.

Tatsächlich hat die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) die Forderung aufgegriffen. Soweit Individuen (sic!), heißt es, freiwillig ihren Lebensunterhalt dadurch sichern, dass sie sexuelle Dienstleistungen ("sexwork") erbringen, sollte sich das öffentliche Interesse auf die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der sozialen Sicherung dieser Dienstleistungsbeschäftigten konzentrieren. Wurden diese Individuen zu solchen Dienstleistun-

gen durch welche Mittel auch immer gezwungen, habe ihre Befreiung und Rehabilitation Vorrang [31] .

Unsere Überlegungen begannen mit einer kurzen Reflexion darüber, wie Globalisierung zu fassen sei, um ihre Folgen für Frauen und Männer näher bestimmen zu können. "Soziale Standards" einerseits, "soziale Verwundbarkeit", die durch die Existenz solcher Standards verhindert werden kann, andererseits bildeten die beiden Säulen, die unsere Diskussion möglicher Beziehungen zwischen "Frauen" und "Globalisierung" stützten. Globalisierung, so eine auch von uns vorgestellte These, erodiert die sozialen Standards der "fortgeschrittenen" westlichen Wohlfahrtsstaaten, u. a. weil diese mit Ländern, jenen NICs, konkurrieren müssen, die bisher eine (gemessen am westlichen Standard) soziale Ausgestaltung der Beschäftigungsverhältnisse vermeiden konnten. Dabei wurde betont, dass die Erosion von Standards oder ihr Fehlen nicht alle Gruppen gleichmäßig trifft oder schädigt. Ceteris paribus gelingt es qualifizierten Frauen in Ökonomien mit einer differenzierten, nach oben wie nach unten offenen Einkommensverteilung besser, im Arbeitsmarkt voranzukommen, als in den Wohlfahrtsstaaten, die auf eine Angleichung der Erwerbs- und Einkommenschancen ihrer Mitglieder gesetzt haben. Die offene Lohnstruktur erlaubt den besser verdienenden Frauen, billige Dienstleistungen zu kaufen und sich dadurch das Problem der Versorgung leiblicher und seelischer Bedürfnisse vom Hals zu halten.

Auch und gerade reproduktive, traditionell von Frauen erbrachte "weibliche" Dienstleistungen haben eine globale Dimension gewonnen. Der Fall "sexueller Dienste" schien geeignet, auf den fehlenden Arbeitnehmer- und Bürgerstatus der Dienstleistenden und auf die neuen wie alten Asymmetrien der globalen Dienstleistungsgesellschaft hinzuweisen. Die fehlenden sozialen Standards in einem Land bilden den Motor für eine Migration um fast jeden Preis, oft unter Preisgabe der Habeas-corpus-Rechte auf körperliche Unversehrtheit und persönliche Freiheit in einem anderen. Das Einwanderungsland antwortet auf diese Situation ausbeutbarer Verwundbarkeit jedoch nicht mit den ersehnten sozialen Standards, im Gegenteil - und hierin offenbart sich die Crux an der Globalisierung: Sie funktioniert nur auf Kosten eines Teils der Welt. Reichtum und soziale Standards sind nicht global im Sinne von universellen Menschenrechten verfügbar. Deshalb fällt die Bilanz für viele Frauen - aber nicht nur für Frauen, sondern für alle "sozial Verwundbaren" - wenig positiv aus: Sie sind von der Globalisierung schwer getroffen.
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Fußnoten

1.
Abseits des Mainstreams sei auf die 1998 erschienenen Hefte 111 der Zeitschrift PROKLA Globalisierung und Gender und 47/48 der beiträge zur feministischen theorie und praxis "global lokal postsozial" hingewiesen.
2.
Vgl. Senator Eduardo Suplicy, In the direction of a citizen's income. The advancement of the battle in Brazil. Keynote Adress. Basic Income European Network: 8. Congress "Economic Citizenship Rights for the 21st Century". Wissenschaftszentrum Berlin, 6.-7. Oktober 2000; vgl. auch den Konferenzbeitrag von Leonardo Fernando Cruz Basso, The Minimum Income Models of James Meade applied to Brazil (http://www.etes.ucl.ac.be/BIEN/bien.html).
3.
Vgl. Jens Alber/Guy Standing, Social Dumping, catch-up, or convergence? Europe in a comparative context, in: dies. (Hrsg.), Europe in a Comparative Global Context, Journal of European Social Policy, 10 (May 2000) 2, S. 99-119. Allerdings schränken die Autoren, wie sie selbst zugeben, ihre Ergebnisse teilweise ein, da sie sich auf den Zeitraum zwischen 1980 und 1992 beziehen, also auf eine Zeit vor dem take-off der Phänomene, die unter "Globalisierung" gefaßt werden; ferner werden nur Veränderungen im System sozialer Sicherung, nicht im Bereich des Arbeitsrechts berücksichtigt, obwohl die Einschränkung individueller und kollektiver Arbeitnehmerrechte ein zentraler Ansatzpunkt für den Umbau des Wohlfahrtssstaates bildet.
4.
Vgl. Robert Goodin, Reasons for Welfare, Princeton 1988, S. 183; dazu ausführlich: Guy Standing, Global Labour Flexibility. Seeking Distributive Justice, London 1999, S. 354 ff.
5.
Birgit Rommelspacher, Neue Polarisierungen und neue Konvergenzen: Das Geschlechterverhältnis im Zeitalter der Globalisierung, in: Gert Schmidt/Rainer Trnczek (Hrsg.), Globalisierung. Ökonomische und soziale Herausforderungen am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts, Soziale Welt, Sonderband 13, Baden-Baden 1999, S. 243. (Dies ist übrigens der einzige von ingesamt 24 Beiträgen, der den Blick auf Frauen, Männer und "Geschlechterverhältnisse" wirft. Das Thema wird nicht einmal in der Einleitung des Bandes angekündigt.)
6.
Dabei wechselt wie so oft der Inhalt des Begriffs. Bezog sich zu Beginn der Argumenation "Globalisierung" noch auf das bekannte Dreigespann von weiterer Öffnung der Ökonomie, gestiegener Mobilität des Kapitals und - darüber gehen die Meinungen auseinander - veränderter internationaler Arbeitsteilung, so reduziert Rommelspacher in ihrem Abschnitt "Gegenbewegung" den Begriff auf das "weltweite" Vorhandensein "global" agierender sozialer Bewegungen.
7.
Sabine Blaschke, Auswirkungen der Globalisierung auf die Beschäftigungssituation von Frauen, in: Österreichische Zeitschrift für Soziologie, 24 (1999) 3, S. 3-23, hier, S. 15.
8.
Vgl. Sigrid Leitner/Ilona Ostner, Von "geordneten" zu unübersichtlichen Verhältnissen: Nachholende Modernisierung des Geschlechterarrangements in der deutschen Sozialpolitik?, in: Stephan Leibfried/Uwe Wagschal (Hrsg.), Der deutsche Sozialstaat. Bilanzen und Perspektiven, Frankfurt/M.-New York 2000 (i. E.).
9.
Vgl. Valerie Kincade Oppenheimer, Women's Rising Employment and the Future of the Family in Industrial Societies, in: Population and Development Review, 20 (1994), S. 293-342; Sylvia Walby, Gender Transformations, London 1997; Ilona Ostner, "Neue Opfer - unverhoffte Gewinner". Die gewandelte Chancenstruktur des Arbeitsmarktes in der individualisierten Erwerbsgesellschaft, in: Karl Hinrichs/Herbert Kitschelt/Helmut Wiesenthal (Hrsg.), Kontingenz und Krise, Frankfurt/M. - New York 2000, S. 319-342.
10.
S. Blaschke (Anm. 7)., S. 16.
11.
Hier ist auch an den Beschäftigungsrückgang im öffentlichen Sektor Westeuropas sowie an den massiven Rückbau des Staatssektors in den mittel- und osteuropäischen Transitionsländern zu denken, die für das Ansteigen der Frauenarbeitslosigkeit maßgeblich mitverantwortlich waren, vgl. Gudrun Lachenmann, Frauen und Globalisierung: aktuelle Entwicklungen und kritische Diskurse, Universität Biele-feld 1998, Forschungsschwerpunkt Entwicklungssoziologie, Working Paper, Nr. 284, S. 13.
12.
Vgl. Robert Z. Lawrence/Matthew Slaughter, International Trade and American Wages in the 1980s: Giant Sucking Sound or Small Hiccup?, in: Brookings Papers on Economic Activity, 2 (1993), S. 161-210; Richard Freeman, Are your wages set in Beijing?, in: Journal of Economic Perspectives, 9 (Sommer 1995) 3, S. 15-32; Jagdish Bhagwati/Marvin Kosters (Hrsg.), Trade and Wages: Leveling Wages Down?, Washington, D. C. 1999.
13.
J. Alber/G. Standing (Anm. 3), S. 99.
14.
Vgl. Ulrich Beck, Die Macht der multinationalen Unternehmen, in: Gewerkschaftliche Monatshefte, 47 (1996) 11/12, S. 673-680; Ramesh Mishra, Globalization and the Welfare State, Cheltenham 1999, S. 8 ff.
15.
Vgl. R. Mishra, ebd., S. 15-16. Unsere Ausführungen folgen Mishras Aufbau des Arguments. Anmerkung der Redaktion: Siehe hierzu auch den Beitrag von Stephan Leibfried und Elmar Rieger in diesem Heft.
16.
Vgl. Jeanne Fagnani, Helping mothers to combine paid and unpaid work - or fighting unemployment? The ambiguities of French family policies, in: Community, Work und Family, 1 (1998) 3, S. 297-312.
17.
Vgl. I. Ostner (Anm. 9).
18.
G. Standing (Anm. 4) verweist auf das Paradox, dass Arbeitsmärkte seit mindestens zwanzig Jahren flexibler wurden - ohne größere Effekte für die Beschäftigung, misst man sie in Vollzeitäquivalenten, zu haben. Dennoch wird als Heilmittel noch mehr Flexibilität gefordert. Dies mag zwar dazu führen, dass mehr Personen ein paar Stunden in der Woche beschäftigt sind; Lebensunterhalt sichernd ist diese Beschäftigung, anders als in der Zeit "fordistischer" Vollbeschäftigung, die zumindest dem männlichen Haushaltsvorstand und seiner Familie ein ausreichendes Einkommen bot, nicht.
19.
Vgl. UNICEF, Child Poverty in Rich Nations. Innocenti Report Card, Issue No. 1, June 2000, United Nations Children's Fund. Innocenti Research Centre, Florence 2000; Julian Le Grand, Conceptions of Social Justice, in: Robert Walker (Hrsg.), Ending child poverty. Popular welfare for the 21st century?, Bristol 1999, S. 65-67; Robert H. Haveman/Andrew Bershadker, "Inability to be self-reliant" as an indicator of U.S. poverty, in: Stein Ringen/Philip R. de Jong (Hrsg.), Fighting Poverty: Caring for Children, Parents, the Elderly and Health, Aldershot 1999, S. 3-32.
20.
Vgl. J. Alber/G. Standing (Anm. 3), S. 101-103.
21.
Vgl. Lourdes Benaría, Gender and the Global Economy, in: Arthur MacEwan/William Tabb (Hrsg.), Instability and Change in the Global Economy, New York 1989, S. 141-159.
22.
Nur über die Figur des Mannes, der vergleichbare Arbeit verrichtet, dabei gegenüber der Frau bevorzugt ist, z. B. einen höheren Lohn oder besondere Zulagen erhält, konnten Frauen in der Europäischen Union ihre beachtlichen Erfolge in der Gleichstellungs- und -behandlungspolitik erzielen, vgl. Ilona Ostner/Jane Lewis, Gender and the Evolution of European Social Policies, in: Stephan Leibfried/Paul Pierson (Hrsg.), European Social Policy. Between Fragmentation and Integration, Washington, D. C. 1995, S. 159-193.
23.
Vgl. Edy Lee, Globalization and Labor Standards: A Review of Issues, in: International Labor Review, 136 (Sommer 1997), S. 172-189.
24.
Vgl. Adrian Wood, North-South Trade, Employment and Inequality: Changing Fortunes in a Skill-Driven World, Oxford 1994, insb. Kapitel "Policy Options for the North", S. 346-394. Ähnliche Argumente werden seit längerem von Fritz W. Scharpf vertreten, vgl. z. B. seine Zusammenfassung einer von ihm und Vivian Schmidt geleiteten international vergleichenden Untersuchung "Sozialstaaten in der Globalisierungsfalle? Lehren aus dem internationalen Vergleich". Vortrag auf der 51. Ordentlichen Hauptversammlung der Max-Planck-Gesellschaft vom 7. bis 9. Juni 2000 in München (http://www.mpi-fg-koeln.mpg.de/aktuell/MPGRedesozialstaaten0607.html); Fritz W. Scharpf/Vivian A. Schmidt (Hrsg.), From Vulnerability to Competitiveness: Welfare and Work in an Open Economy, Oxford 2000 (i. E.).
25.
Vgl. Lim Lin Lean, The Sex Sector: The economic and social bases of prostitution in Southeast Asia, Geneva 1998; ferner L. Benaría (Anm. 21), S. 252; Benaría schreibt: "What a perfect symbol this is of the connections between the pleasures of international jet-setting and the survival pains of everyday life in the global economy." Schließlich, so der Economist (Januar 1987; S. 254), könnten junge arbeitslose Frauen, z. B. in Malaysia, sich eigentlich nur zwischen sexuellen Diensten und der Hinwendung zum Islam entscheiden: ". . . the pretty ones become bar girls and the plain ones turn to Islam". Letzteres mag möglicherweise sogar zur Rettung ihrer Würde beitragen, garantiert er Frauen doch wenigstens einen sozial geachteten Status als Gattinnen und Mütter.
26.
G. Lachenmann (Anm. 11), S. 11 f.
27.
Vgl. Marjan Wijers, European Union Policies on Trafficking in Women, in: Mariagrazia Rossilli (Hrsg.), Gender Policies in the European Union, New York u.a. 2000, S. 209-229.
28.
Die folgenden Ausführungen sind eng an M. Wijers (ebd.) angelehnt.
29.
Vgl. dazu z. B. Gail Phetersen (Hrsg.), A Vindication of the Rights of Whores, Seattle 1989.
30.
Vgl. M. Wijers (Anm. 27), S. 225 f.
31.
Vgl. L.L. Lean (Anm. 25), S. 212.