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Medienethik

Der Wertediskurs über Medien ist unverzichtbar


26.5.2002
In einer konsensfähigen wissenschaftlichen Standortbestimmung lässt sich Medienethik als normbegründende und angewandte Ethik charakterisieren. Sie braucht das Recht, ergänzt es aber auch.

I. Einleitung



Man spricht heute von einem gestiegenen 'Ethik-Bedarf': Man wünscht sich eine unbestechliche, überparteiliche Instanz, die darüber befindet, was in Bereichen, in denen ständig neue Handlungs- und Entscheidungsmöglichkeiten entstehen, als moralisch geboten, verboten oder erlaubt gelten darf. Früher erwartete man solche Kriterien von den Religionen, heute von der Ethik. Wie geht die Ethik dabei vor? Ist sie mit diesen hohen Erwartungen nicht überfordert? Diese Fragen stellen sich verstärkt für die Medienethik - eine erst im Aufbau befindliche Bereichsethik, für welche es im deutschen Sprachraum zwar eine wachsende Zahl von Aufsätzen [1] und Dissertationen [2] gibt, ein systematischer Entwurf jedoch noch aussteht. Und es lassen sich eine Reihe von Stolpersteinen und Schwierigkeiten nennen, welche die Medienethik dabei zu lösen hat.

Es gibt jedoch auch gesichertes Terrain. Zu ihm gehört eine konsensfähige wissenschaftliche Standortbestimmung der Medienethik (Teil II). Von vielen geteilt wird auch die Frage nach der Verantwortung in den vielfältigen Formen des Medienhandelns (Teil III), obwohl dabei weitere Differenzierungen nötig werden. Sodann sollen einige aktuelle Herausforderungen an die Medienethik benannt und erste Antworten aufgezeigt werden (Teil IV). Den Abschluss bilden Hinweise auf ethisch argumentierende Stellungnahmen wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Institutionen (Teil V).


Fußnoten

1.
Wichtige Sammelbände aus den letzten zehn Jahren sind: Wolfgang Wunden (Hrsg:), Medien zwischen Markt und Moral, Stuttgart 1991; Michael Haller/Helmut Holzhey (Hrsg.), Medien-Ethik. Beschreibungen, Analysen, Konzepte für den deutschprachigen Journalismus, Opladen 1992; Hermann Boventer (Hrsg.), Medien und Demokratie. Nähe und Distanz zur Politik, Konstanz 1993; Wolfgang Wunden (Hrsg.), Öffentlichkeit und Kommunikationskultur, Stuttgart 1994; Wolfgang Wunden (Hrsg.), Wahrheit als Medienqualität, Frankfurt a. M. 1996; Rüdiger Funiok (Hrsg.), Grundfragen der Kommunikationsethik, Konstanz 1996; Jürgen Wilke (Hrsg.), Ethik der Massenmedien, Wien 1996; Wolfgang Wunden (Hrsg.), Freiheit und Medien, Frankfurt a. M. 1998; Adrian Holderegger (Hrsg.), Kommunikations- und Medienethik. Interdisziplinäre Perspektiven, Freiburg i. Br. 1999; Rüdiger Funiok/Udo F. Schmälzle/Christoph H. Werth (Hrsg.), Medienethik - die Frage der Verantwortung, Bonn 1999; Rudolf Gerhardt/Hans-Wolfgang Pfeifer (Hrsg.), Wer die Medien bewacht. Medienfreiheit und ihre Grenzen im internationalen Vergleich, Frankfurt a. M. 2000; Matthias Rath (Hrsg.), Medienethik und Medienwirkungsforschung, Wiesbaden 2000.
2.
Um auch hier wiederum nur einige zu nennen: Thomas Bohrmann, Ethik - Werbung - Mediengewalt. Werbung im Umfeld von Gewalt im Fernsehen. Eine sozialethische Programmatik, München 1997; Elmar Kos, Verständigung oder Vermittlung? Die kommunikative Ambivalenz als Zugangsweg einer theologischen Medienethik, Frankfurt a. M. 1997; Barbara Thomaß, Journalistische Ethik. Ein Vergleich der Diskurse in Frankreich, Großbritannien und Deutschland, Opladen - Wiesbaden 1998.