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26.5.2002 | Von:
Yann Moulier-Boutang

Marx in Kalifornien: Der dritte Kapitalismus und die alte politische Ökonomie

V. Schlussfolgerungen

1. Zur Transformation der Lohnkodifizierung im kognitiven Kapitalismus



Die Entlohnung von Arbeit oder Aktivität erfolgt durch Geld - auch im kognitiven Kapitalismus. Es ist jedoch unmöglich, zwischen einer Produktivität der Arbeit insgesamt und einer individuellen Produktivität der Arbeit - der des Arbeiters - zu unterscheiden.

Die Anerkennung eines Arbeitnehmerstatus durch das Sozial- und Arbeitsrecht sowie eines Einkommens, das durch die öffentliche Hand oder die Sozialpartner unter öffentlicher Schirmherrschaft umverteilt wird, muss als vollständige Vergütung der Tätigkeit (sozialer und kollektiver Lohn) verstanden werden.

Bei der Vergütung der Arbeit - als vom Kapital isolierter Produktionsfaktor - müssen die vier oben genannten Bestandteile Hardware, Software, Wetware und Netware berücksichtigt werden. Das gilt insbesondere für die Ökonomien immaterieller und kognitiver Produktion, aber auch für die Ökonomien materieller Produktion.

In einer kognitiven Ökonomie, das heißt in dem jetzt aufkommenden Kapitalismustyp, hängt das globale Einkommen eines Individuums oder einer Gruppe von Individuen von der Anzahl der Aktiva ab, die sich in der Transaktion Geld gegen abhängige Arbeit - abhängend von ihrer jeweiligen Gewichtung - ausdrücken. Man kann sich fragen, ob Derartiges nicht bereits in den Formen der Entlohnung des Dritten Sektors vonstatten geht, der Sozialökonomie auf der einen Seite und den jetzt offen erhobenen Forderungen nach einem Existenzlohn, einem Bürgergeld o. ä., der nicht nur von der individuellen Produktivität losgelöst ist, sondern sogar von der Beschäftigung im Unternehmen.

Wenn die Struktur des Lohns (im mathematischen Sinne) als Funktion der vier Komponenten der Werteproduktion wiedergegeben werden kann - das heisst, sie hängt ab von Hardware, Software, Wetware und Netware - , so sind sein Niveau und seine Substanz notwendigerweise von einer Evaluierung des Gewichts der positiven Externalitäten abhängig und müssen in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung berücksichtigt werden.

Die oben stehende Tabelle stellt die unterschiedlichen Vergütungsformen der verschiedenen Gütertypen dar, anhand derer eine ökonomische Übersicht über den neuen kognitiven Kapitalismus erstellt werden kann.

In einer kognitiven Ökonomie sind die positiven Externalitäten der Situation und des Netzes die moderne Form des Profits, während das, was sich als zählbarer Profit in den Unternehmen darstellt, eine territoriale Rente ist (Ergattern der Externalitäten innerhalb und außerhalb der Unternehmen).

Aus Mangel an Platz können wir an dieser Stelle mit der Beschreibung der Transformation der Kategorien der politischen Ökonomie nicht weiter fortfahren. Unserer Auffassung nach handelt es sich um eine neue, große Transformation; Neoliberalismus und New Economy sind nur deren Vorboten.