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26.5.2002 | Von:
Christian Hacke

Die weltpolitische Rolle der USA nach dem 11. September 2001

V. Ausblick

Droht ein Kampf der Kulturen? Hat die kulturell-zivilisatorische Hegemonie des Westens, speziell der american way of life, das Selbstwertgefühl und die Selbstachtung anderer Kulturen - vor allem die des Islams - so tief verletzt und gedemütigt, dass nun die Ereignisse in ihrer Gewalttätigkeit auch unter dem Aspekt kultureller Selbstverteidigung gesehen werden müssen? Hat also der 11. September die Alternative geprägt: Zwang zur Verwestlichung oder antiwestlicher Zwang zum gewaltsamen Aufbegehren [9] ?

Noch zeichnet sich keine großräumige Blockbildung entlang religiös oder kulturell definierter Bruchlinien ab, aber das könnte sich ändern, wenn die Kriegsführung in Afghanistan oder andere Krisen sich ausweiten und verschärfen. Gegen die These vom Kampf der Kulturen spricht allerdings die Tatsache, dass in allen Kulturen im Zuge von Modernisierung und Globalisierung die verbindenden Faktoren und Elemente an Bedeutung gewonnen haben. So gesehen erscheint der Angriff vom 11. September paradox: Kein Land hat mehr unternommen, um Grenzen und Hindernisse zu beseitigen, um Kommunikations-, Informations- und Bewegungsfreiheit voranzutreiben, als die USA. Diese Fortschrittsmomente von Globalisierung sind von ihr initiiert worden. Der Schock des 11. September ist auch deshalb so groß, weil nicht nur die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten, sondern das Vertrauen in die ordnende Funktion der größten Macht der Welt erschüttert wurde.

Fußnoten

9.
Vgl. Ottfried Höffe, Der Kampf der Kulturen kann ausfallen, in: FAZ Sonntagszeitung vom 10. Oktober 2001, S. 11.