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26.5.2002 | Von:
Norbert Suchanek

Die dunklen Seiten des globalisierten Tourismus

Zu den ökologischen, ökonomischen und sozialen Risiken des internationalen Tourismus

Der Tourismus nimmt stetig zu. Es gibt heute kaum eine Region, die nicht touristisches Zielgebiet ist. Der grenzüberschreitende Tourismus gilt inzwischen als die wichtigste Exportindustrie weltweit.

Einleitung

Der Tourismus ist kein neues Phänomen unserer Zeit. Bereits seit Tausenden von Jahren verreisen Menschen. Dennoch bestehen entscheidende Unterschiede zwischen dem modernen Tourismus und den Reisen von gestern. Zum einen sind immer mehr Menschen immer schneller, immer öfter und immer weiter unterwegs. Zum anderen haben die Reisenden vergangener Jahrhunderte ihren Urlaub nicht bei TUI, Neckermann oder Rewe gebucht.

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  • Der moderne Tourismus ist ein "Big Business", das von wenigen großen Konzernen bestimmt wird. Daten des Weltwährungsfonds (IWF) zufolge löste der internationale Tourismus mit Einnahmen in Höhe von 504 Milliarden US-Dollar bereits 1998 die Automobilbranche als größte Exportindustrie der Welt ab. Nach Meinung der Welttourismusorganisation (WTO) sei das internationale Reisegeschäfte aber "nur die Spitze eines Eisbergs". Denn zu den rund 700 Millionen grenzüberschreitenden Reisenden jährlich kämen nochmals etwa 2,3 Milliarden Touristen hinzu, die jeweils im eigenen Land Urlaub machen. Die WTO schätzt deshalb die globalen Gesamteinnahmen der Tourismusbranche auf 1,7 Billionen US-Dollar jährlich. [1]

    Obwohl die Tourismusfirmen - allen voran die TUI (Preussag), der inzwischen größte Reisekonzern der Welt - seit den neunziger Jahren auf dem Papier immer "grüner" werden und mit Bezeichnungen wie "Ökotourismus" oder "umweltfreundlicher" und "sanfter Tourismus" werben, geschieht in Wirklichkeit kaum etwas in dieser Richtung. Parallel zur Inflation der Lippenbekenntnisse nehmen ungehindert drei für die Umwelt und die soziale wie ökonomische Situation in den Entwicklungsländern gefährliche Tourismustrends zu.

    I. Fernreisen

    Immer mehr Touristen nutzen die Billigangebote von Neckermann, Lufthansa und TUI, um für ein paar Tage in die Karibik, nach Kenia oder Südostasien zu fliegen. Kohlendioxidausstoß oder der naturzerstörerische Verbrauch von strategischen und energieintensiven Rohstoffen wie Aluminium für den Flugzeugbau, der notwendige Bau neuer und der Ausbau bestehender Flughäfen spielen praktisch keine Rolle. So wuchs der interkontinentale Ferntourismus zwischen 1985 und 1996 um 73 Prozent, Tendenz weiterhin steigend. Unternahmen 1996 noch 3,5 Prozent der Weltbevölkerung eine Fernreise, werden es bis 2020 mehr als doppelt so viele sein, rechnet das Büro für Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestags (TAB). Laut der Delphi-Studie "Fernreisen 2005" werden wahrscheinlich ab 2005 allein die Deutschen jährlich rund elf Millionen mal in ein fernes Urlaubsland fliegen. [2] Eine Grenze dieses Fernflug-Wachstums ist nicht in Sicht.

    Was bedeutet diese Steigerung des internationalen Flugverkehrs für die Umwelt? Was bedeutet es für unsere Atmosphäre, unser Klima, wenn laut WTO im 21. Jahrhundert jede dritte Urlaubsreise weltweit per Flugzeug unternommen wird? Zahlen des von den Vereinten Nationen eingesetzten Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) zufolge betrug der vom Flugverkehr verursachte Kohlendioxidausstoß 1992 nur etwa zwei Prozent des weltweit durch Industrie, Haushalte und Verkehr in die Atmosphere eingebrachten Kohlendioxids (CO2). [3] Dennoch kann der Flugverkehr nicht als vernachlässigbare Größe angesehen werden. Zum einen produzieren die Triebwerke neben CO2 noch weitere Schadstoffe, die ebenfalls einen Einfluss auf Atmosphäre und Klima haben. Werden diese Abgase insgesamt berücksichtigt, erhöht sich, so die Modellrechnungen des Forschungsprogramms "Schadstoffe in der Luftfahrt", der rechnerische Beitrag des internationalen Luftverkehrs zum von Menschen verursachten Klimaeffekt auf etwa vier Prozent. Doch das Entscheidende ist: Der Flugverkehr nimmt stark zu. So rechnet das IPCC mit einer jährlichen Steigerung der Flugverkehr-Abgase von drei Prozent. Wer glaubt, eine jährliche Zunahme von drei Prozent sei wenig, der sollte an das Gleichnis mit dem Reiskorn und dem Schachspiel denken oder sich die exponentielle Entwicklung der Weltbevölkerung (1,75 Prozent Wachstum werden hier bereits als "Bevölkerungsexplosion" bezeichnet!) vor Augen führen. Drei Prozent jährliche Zunahme von Abgasen bedeutet, dass sich die Schadstoffmengen alle 23 Jahre verdoppeln werden, aus 1 wird 2, dann 4, 8, 16, 32, 64, 128, . . . Dies hält keine Atmosphäre aus. Deshalb fordern weltweit Forscher und Umweltschutzorganisationen wie Friends of the Earth wirkungsvolle Maßnahmen zur Eindämmung der Flugreisen. Airlines wie die Lufthansa (LH) sind indes anderer Meinung. Zwar wolle auch die LH die innerdeutschen Flüge verringern, das Wachstum im Fernflugtourismus aber stelle für das Unternehmen kein zu bekämpfendes Problem dar. Im Gegenteil: Die LH hält den Ferntourismus offensichtlich sogar für notwendig, um die vom Nahtourismus belasteten Regionen innerhalb Deutschlands zu entlasten. Zitat aus dem LH-Umweltbericht 1997/98: "Die Alternativen Schwarzwald statt Seychellen oder Rügen statt Mallorca stellen sich nur in der grauen Theorie. Denn schon heute ist in vielen klassischen Urlaubsregionen wie dem Wattenmeer, den Alpen oder in den Naherholungsgebieten der Ballungsräume die Belastungsgrenze der Natur sichtbar. Wenn Millionen Fernreisende dorthin umgeleitet würden, könnte die Natur dies kaum verkraften."

    Das LH-Management sieht also den Ferntourismus als Retter der einheimischen Umwelt. Der Teufel soll mit dem Belzebub ausgetrieben werden. Bereits jetzt sind die Belastungsgrenzen vieler Fernreiseziele längst erreicht. Bei den gegenwärtigen Wachstumsraten ist es nur eine Frage der Zeit, wann auch das letzte Fleckchen Natur in der entferntesten Region am Tourismus erstickt. Der LH-Ansatz, die vorhandenen Belastungsprobleme in unseren eigenen letzten unverbauten Landschaften durch Verlagerung der Tourismusströme auf andere Regionen, vor allem in die südlichen Länder der Dritten Welt, zu lösen, ist deshalb unseriös. Er vernachlässigt darüber hinaus den vom Flugverkehr verursachten Schadstoffausstoß und Treibhauseffekt. Dabei sind gerade die beliebten Fernreiseziele Hauptopfer des Klimawandels. So hält der 1997 veröffentlichte IPCC-Report über die regionalen Auswirkungen des Klimawandels die tropischen und subtropischen Urlaubsinseln für extrem gefährdet durch Klimawandel und Meeresspiegelanstieg. Die Menschen wie der Tourismus der Inselstaaten der Karibik sowie des Pazifischen und Indischen Ozeans würden auf vielfältige Weise unter den Auswirkungen des künstlich erhöhten Treibhauseffektes leiden. "Der Verlust von Stränden aufgrund von Erosion und Überschwemmung, die Versalzung von Trinkwasserquellen, erhöhter Umweltstress auf die Küstenökosysteme, Beschädigung der Infrastruktur durch tropische Stürme und ein großer Verlust an natürlichen, landschaftlichen Reizen bedrohen die Überlebensfähigkeit und Nachhaltigkeit der Tourismusindustrie vieler kleiner Inseln", warnen die Wissenschaftler. [4] Auch die Urlaubsziele in Ost- und Südafrika würden unter dem Klimawandel besonders leiden. Diese Erkenntnisse der Forscher bedeuten konkret: Je mehr Urlauber per Flugzeug in die Urlaubsparadiese fliegen, desto schneller werden unsere beliebten Reiseziele Opfer des Treibhauseffekts: Wir töten, was wir lieben.

    II. All-inclusive

    Wachstumsmarkt Nummer zwei ist der All-inclusive-Tourismus. Fast alle Reisekonzerne setzen zunehmend auf die abgeschlossenen Urlaubsghettos, in denen die Urlauber so viel essen und trinken können, wie sie wollen, Surfen, Tennisspielen, Golfen - alles im Preis inbegriffen. Nur die kurzen Ausflüge mit klimatisierten Reisebussen oder der kurze Besuch eines Bordells finden außerhalb der Feriendörfer statt. Die Einheimischen werden so von den Gewinnen aus dem Tourismus weitgehend ausgeschlossen, da oft selbst die Nahrungsmittel aus den Industriestaaten importiert werden. Die lokale Bevölkerung wird fast nur noch als gelegentliche Kulisse und als Lieferant für preiswerte Prostituierte benötigt. Der Brite Richard Carrick, der zum Direktorium von Airtours gehört, gibt freimütig zu, weshalb Tourismuskonzerne auf All-inclusive setzen: "All-inclusives erzeugen höhere Gewinnspannen." Diese Aussage wird durch eine 1989/90 in Jamaica durchgeführte Untersuchung unterstützt: [5] All-inclusive-Hotels bringen 81 Prozent mehr US-Dollars je Zimmer ein als andere Beherbergungsbetriebe. So leiden alle von Einheimischen geleiteten Tourismusbetriebe unter den All-inclusive-Angeboten. Selbst bei den Taxifahrern und einheimischen Kunsthandwerkern führen All-inclusive-Touristen gegenüber anderen Pauschal- oder Individualurlaubern zu Verlusten, da fast alle Aktivitäten der All-inclusive-Gäste auch außerhalb der abgeschlossenen Hotelanlagen unter der Kontrolle des Reiseveranstalters stehen. Selbst lokale Kunsthandwerksmärkte würden von den All-inclusive-Touristen gemieden, sagt Tourismusexpertin Jenny Holland, die 1997 als Beraterin für die jamaicanische Regierung arbeitete. Und die Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) stellte schon 1994 fest: "All-inclusive-Hotels erzielen die größten Gewinne, aber ihr Einfluss auf die Wirtschaft ist je Dollar Gewinn kleiner als bei anderen Unterbringungsmöglichkeiten." Außerdem würden, so die OAS, All-inclusives bezogen auf die erzielten Einnahmen mehr importieren und gleichzeitig weniger Menschen anstellen als andere Hotels. Für die bereisten Länder können All-inclusive-Resorts deshalb sogar ein Verlustgeschäft sein.

    III. Kreuzfahrttourismus

    Der jüngste Weltwirtschaftsgipfel vergangenen Juli in Genua, als die G-8-Staatsmänner werbewirksam auf einem Luxusliner nächtigten, zeigte es deutlich: Der Kreuzfahrttourismus liegt voll im Wind. Das schon im All-inclusive-Tourismus praktizierte Prinzip des größtmöglichen Gewinnes für das Reiseunternehmen wird bei den Kreuzfahrten auf die Spitze getrieben. Den angesteuerten Küsten und Trauminseln der "Dritten Welt" bleiben in der Regel nur "Almosen" und der ins Meer verklappte Abfall der Traumschiffe.

    Transport, Übernachtung und Verpflegung machen den Löwenanteil der Ausgaben eines jeden Touristen aus. Bei Kreuzfahrten landet dieser Teil der Urlaubskasse faktisch zu 100 Prozent in den Taschen der internationalen Tourismusbetriebe. Ihre Schiffe laufen die Kreuzfahrthäfen meist frühmorgens an und legen in der Nacht wieder ab. Im Gegensatz zu Hotel- oder gar Rucksacktouristen können die Kreuzfahrer so nur einen Bruchteil ihres Urlaubsgeldes in den bereisten Ländern selbst ausgeben. Einheimische Hotels, Pensionen und Restaurants der angesteuerten Reiseziele gehen leer aus. Die Wirtschaft der Trauminseln und Küstenregionen der Karibik, des Mittelmeers, der Südsee oder des Indischen Ozeans kann allenfalls am Geschäft mit Kurzausflügen, Imbiss, Reiseandenken und Prostitution mitverdienen. Doch die Kreuzfahrtlinien, die zum überwiegenden Teil Firmen aus den G-8-Staaten gehören, gönnen den Entwicklungsländern selbst diese Krümel nicht. Längst können sich die Urlauber auch bequem an Bord mit Urlaubsmitbringseln der "bereisten" Länder eindecken. Und Insider berichten, dass den Passagieren auf den Schiffen von der Nutzung lokaler Taxis und lokaler Reiseunternehmen abgeraten wird. Paul Wilkinson von der kanadischen York University beobachtete 1999 folgerichtig den Trend, dass die Traumschiffpassagiere Jahr für Jahr weniger Geld in den Kreuzfahrthäfen ausgeben. [6] Als Beispiel führt er die Bahamas an. Dort ließen die Passagiere 1980 im Schnitt noch rund 55 US-Dollar während ihres Landganges auf der Inselgruppe. 16 Jahre später, 1996, waren es inflationsbereinigt nur noch 31 US-Dollar pro Person. Hauptursache dieses Rückgangs seien nach Ansicht Wilkinsons die Luxusliner, die sich mit jeder neuen Schiffsgeneration zu regelrechten "Geldfallen" entwickelt hätten. "Die Kreuzfahrtindustrie nutzt lokale Infrastrukturen, gibt aber nichts der lokalen Wirtschaft zurück. Tatsächlich entzieht sie den Gemeinwesen die finanziellen Ressorcen", bringt die Vorsitzende der britischen Association of Independent Tour Operators (AITO), Sue Ockwell, die Situation der bereisten Entwicklungsländer auf den Punkt. Einzige signifikante Einnahmequelle der angesteuerten Länder und Inseln ist die Entrittsgebühr, die Hafen- oder "Kopfsteuer" für Kreuzfahrturlauber.

    Zum Vorteil für die Kreuzfahrtindustrie waren aber die angesteuerten Urlaubsländer bisher unfähig, eine einheitliche Regelung festzulegen. Die Cruise Lines können so die einzelnen Staaten untereinander ausspielen: Inseln, die keine Gebühr verlangen, werden bevorzugt, während Länder, die die "Kopfsteuer" erhöhen wollen, einfach nicht mehr angelaufen werden. Einige Kreuzfahrtunternehmen haben es inzwischen auch fast gar nicht mehr nötig, Inseln anderer Länder anzusteuern. Sie nutzen firmeneigene oder gepachtete "Trauminseln". So erfreut sich die bei den Bahamas gelegene Privatinsel namens Salt Cay großer Beliebtheit bei Schiffsreiseunternehmen. Gleich drei Kreuzfahrtlinien teilen sich das Eiland und laufen sie jeweils an verschiedenen Wochentagen an, wobei sie der Insel jeweils einen anderen Namen geben: Die Dolphin Cruise Lines nennt sie "Dolphin Cove" oder "Blue Lagoon", die Majesty Cruise Lines hat sie "Royale Isle" getauft, während sich die Premier Cruise Lines mit dem Namen "Salt Cay" begnügt. [7]

    Um Gewinne zu maximieren, spart die Traumschiffbranche auch bei den Löhnen und Arbeitsbedingungen ihrer Crew-Mitglieder. Unabhängige Arbeitsvermittler besorgen das billige und willige Personal vor allem aus den verarmten Ländern des Südens und des Ostens. Untersuchungen der Arizona State University zufolge ist es nicht ungewöhnlich, wenn die bis zu 1000-köpfige Besatzung eines Luxusliners aus mehr als 40 verschiedenen Nationen stammt. [8] Weil aufgrund dieser "Völker- und Sprachenvielfalt" an Bord keine effektive gewerkschaftliche Arbeitnehmervertretung möglich sei, ließen sich sehr niedrige Löhne bei gleichzeitig sehr langen Arbeitszeiten und fragwürdigen Lebensbedingungen an Bord durchsetzen. Wie solche menschenunwürdigen Zustände an Bord der Luxusliner aussehen, skizzierte 1996 der Fotograf Edward Sykes, der 18 Monate auf einem Touristendampfer gearbeitet hatte: "Die Crew verbringt den ganzen Tag unter Deck, kocht und wäscht für Passagiere und Offiziere, säubert die Kabinen und Gänge, hält die Schiffsmaschinen in Gang. Ihre Kabinen, die sie sich zu viert teilen müssen, liegen im untersten Deck, wo es keine Bullaugen gibt. Die meisten der Crew sehen während einer Kreuzfahrt niemals das Tageslicht." [9]

    Bleibt die Frage, was den Inseln und Regionen vom Kreuzfahrttourismus bleibt? "Der Abfall", lautet die Antwort. "Ein Kreuzfahrtschiff mit 1 200 Passagieren und Besatzung produziert jeden Tag 4,2 Tonnen Müll, andere Abfallschadstoffe wie Ölreste, Abwasser und sanitäre Rückstände nicht mitgerechnet", so ein besorgter Commenwealth-Report. Abwässer und Müll der Ozeanriesen landen direkt im Meer - und später an den Stränden. Abfälle der Kreuzfahrtschiffe finden sich heute an allen Stränden der Karibik und bald auch an allen Küsten der Südsee. Gegenwärtige, internationale Abkommen sind unzureichend, um die fortschreitende Vermüllung und Verseuchung der Meere vor den Trauminseln zu verhindern. Doch selbst wenn künftig Müll- und Abwasserentsorgung auf hoher See verboten und mit schmerzhaften Strafen belegt werden sollte: Das Problem bleibt. Wohin mit dem "Dreck"? Schon jetzt wissen die Inselstaaten nicht wohin mit dem eigenen Müll.

    Kreuzfahrtschiffe haben für Tourismuskonzerne noch einen unschlagbaren Vorteil: sie verringern die Abhängigkeit der Touristikbranche von den Urlaubsländern. Die schwimmenden Touristik-Resorts können überallhin ausweichen. Dank geringem Tiefgang können einige moderne Luxusschiffe selbst kleine Dörfer am Amazonas oder die winzigsten Tropeninseln anlaufen. Zudem gehen sie auch bei einem noch so hohen, durch globale Erwärmung ausgelösten Meeresspiegelanstieg nicht unter. Dies aber droht gerade den Tropeninseln. Der Kreuzfahrtbranche tut dies keinen Abbruch. Sie kann sich zurücklehnen und dem bevorstehenden "Untergang" vieler Trauminseln zusehen. "Die beschränkte Anzahl von Ländern und Häfen schreckt unsere Kunden nicht ab", sagt Bob Dickinson von Carnival Cruise Lines, "letztlich ist das Schiff die Attraktion, nicht der Anlaufhafen."

    IV. Golf- und Sex-Tourismus

    Eng verbunden mit den drei vorher beschriebenen Tourismustrends sind die Spezialtourismusarten, wie z. B. Sex- und Golftourismus. Um Platz für Golfanlagen zu schaffen, wurden und werden rund um den Globus Kleinbauern vertrieben, Wälder abgeholzt, das Trinkwasser der lokalen Bevölkerung wird verbraucht und die Umwelt mit Pestiziden verschmutzt. Obwohl weltweit gegen den ökologisch und sozial katastrophalen Golftourismus protestiert wird, setzt sich dieser Trend ungehindert fort - von den Philippinen bis Mexiko, von Ägypten bis Marokko: Immer mehr Golfplätze müssen her, selbst in der Wüste. Golfreise-Experten rechnen mit Steigerungsraten im Golftourismus von jährlich über zehn Prozent.

    "In Thailand schossen neue Golfprojekte - gewöhnlich im Stil von Country Clubs, ergänzt mit anderen Sport- und Erholungseinrichtungen, Luxushotels und Ferienhauskomplexen - in nahezu allen Landesteilen wie Pilze aus dem Boden", berichtet die südostasiatische Tourismuskritikerin Anita Pleumarom, die für das Tourism Investigation and Monitoring Team (TIM-Team) in Bangkok arbeitet. [10] Bis 1991 entstanden in Thailand über hundert Golfplätze mit einer Gesamtfläche von rund 96 000 Hektar. Viele dieser Projekte rund um Bangkok, Chiang Mai oder Phuket seien - thailändischen Investitionsgesetzen zum Trotz - im Besitz von ausländischen Investoren, schätzt Anita Pleumarom. Während folglich die Gewinne nach Japan, in die USA oder in die Taschen anderer Investorländer und Eliten fließen, bekommen die Auswirkungen dieses auswuchernden Flächenverbrauchs lokale Bevölkerung und Natur zu spüren. "Gewöhnlich werden", so Anita Pleumarom, "die landschaftlich schönsten und ökologisch wertvollsten Plätze in der Nähe von Stränden, Wäldern und Hügeln von den Golfkursplanern bevorzugt." Als Folge davon waren Konflikte mit Kleinbauern, Waldbewohnern und Naturschützern vorprogrammiert und eher die Regel als die Ausnahme: Der Bau von neuen Golftourismus-Resorts wurde zur wichtigsten Ursache von Landraub, der Vertreibung von Bauern von ihren Feldern und ihren Dörfern in Thailand.

    Zufall oder nicht: Parallel zum Golftourismuswahn boomte der Sextourismus in Thailand. Und so wie weltweit immer mehr Reiseländer mit Golfplätzen aufwarten, verbreitet sich der scheinbar grenzenlose Sextourismus. Selbst die Angst vor AIDS konnte ihn bislang nicht stoppen. Lediglich die Urlaubsorte ändern sich, und die missbrauchten Frauen, Mädchen und Jungen werden von Jahr zu Jahr jünger. Wenn die AIDS-Gefahr in einem Zielgebiet zu groß geworden ist, wird einfach das nächste Land angesteuert. Inzwischen suchen die europäischen Sexurlauber zunehmend die Karibik sowie Mittel- und Südamerika auf. Auch die ehemaligen Ostblockstaaten sind ein immer beliebteres Sexziel. Die Seuche AIDS und der zu