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26.5.2002 | Von:
Jürgen Krönig

Jihad versus McWorld

II. Abschnitt

Wir sollten uns nichts vormachen. Beängstigend realistisch erscheint nun jener "Clash of Civilizations": der Zusammenprall der Zivilisationen, der "Kampf der Kulturen", den der Amerikaner Samuel P. Huntington vor einigen Jahren voraussagte. Eine düstere Prognose, die in liberalen Kreisen lange Zeit verpönt war.

Präsident Bush sprach nach den Anschlägen auf Pentagon und World Trade Center vom ersten Krieg des 21. Jahrhunderts. Der Befund ist richtig, aber die Datierung bedarf der Korrektur: Der Krieg begann bereits vor einiger Zeit. Der Golfkrieg gegen den Irak wäre ein mögliches Datum. Dabei handelt es sich nicht um einen Krieg in vertrauten Kategorien. Er besteht vielmehr aus einer Serie von lokalisierten Kämpfen, von Terroranschlägen und Dauerbombardements, von Sanktionen, Rededuellen in der Uno und natürlich aus Verhandlungen. Zumeist führen sie zu nichts, was in Israel und Palästina stets aufs Neue und Deprimierende demonstriert wird. Eine Lösung scheint weit und breit nicht in Sicht.

Alle Akteure - von der westlichen Supermacht über den Irak bis zu Israelis und Palästinensern - lassen sich gleichwohl von klassischen Motiven leiten: Es geht um regionale Vormachtstellung, um Territorium, nicht zuletzt um den Zugriff auf natürliche Ressourcen, allen voran Öl. Doch ein zusätzlicher Faktor verleiht dem Konflikt eine besonders dramatische Dynamik: Nach den Ereignissen lässt sich nicht länger leugnen, dass bzw. wie sehr die westliche Zivilisation und Lebensweise von anderen Kulturen abgelehnt wird. Der Islam in seiner fundamentalistischen Variante definiert sich durch seine unversöhnliche Feindschaft zu einem westlichen System, das als gottlos und materialistisch gegeißelt wird und das mit allen Mitteln bekämpft werden darf und muss.