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26.5.2002 | Von:
Anke Martiny

Korruption - wuchernder Krebsschaden in der Gesellschaft

Korruption ist das Ausnutzen einer Machtposition zum eigenen Vorteil, aber zum Schaden vieler anderer. Korruption untergräbt das Vertrauen der Menschen in den Staat.

Macht und Moral

Fragen nach Recht und Unrecht in einer Gesellschaft werden oft allzu rasch und allzu ausschließlich als ethisch-moralische Fragen betrachtet, für die der metaphysische Überbau - also Philosophie und Religion - die Kategorien liefern. Dabei stehen sie doch mindestens ebenso zentral im Blickpunkt der rechtspolitischen Ordnung, die das Fundament einer Gesellschaft bildet und sie prägt. Gesetz und Recht sollen Bürgerinnen und Bürger schützen, insbesondere die Schwächeren unter ihnen, die weder Geld noch Macht besitzen, um gesellschaftlichen Einfluss auszuüben. "Mit rechten Dingen" soll es zugehen in der Gesellschaft, in der wir leben wollen. Dass Menschen das bekommen, was ihnen gesetzlich zusteht, finden wir "gerecht". Wir sind froh, in einem demokratischen und sozialen Rechtsstaat leben zu dürfen, der seinen Bürgerinnen und Bürgern Rechte gibt. Generationen unserer Vorfahren seit der Aufklärung haben konfliktreich dafür gestritten. In anderen Teilen der Welt gibt es solche verlässlichen Grundlagen auch heute noch oft nur - wenn überhaupt - in Ansätzen.

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  • Gleichwohl wird auch bei uns mit zweierlei Maß gemessen. So stimmen zwar alle zu, wenn gesagt wird, dass es unmoralisch und unrecht ist, andere zu bestechen oder sich selbst bestechen zu lassen. Aber die Frage nach dem rechtlichen Rahmen, in dem dies geschieht, wird von jenen gesellschaftlichen Kräften, die ihre Ziele auch mittels Bestechung verfolgen, längst nicht mit solcher Heftigkeit gestellt, wie ihre moralische Empörung sich äußert. Wirtschaftlicher Wettbewerb, sozialer Interessenausgleich, steuerliche Vorteile, Gesundheits- und Verbraucherschutz sind Felder, in denen es stärkere und schwächere Beteiligte gibt und in denen die Stärkeren ihre Vorstellung von "Gesetz und Recht" gern zu ihren Gunsten durchsetzen möchten. Oft mit Mitteln der Korruption - aber natürlich unter dem Deckmantel der Wohlanständigkeit. Korruption ist ein Phänomen des Missbrauchs von Macht, das im Zusammenleben der Menschen unausweichlich zu sein scheint, seit sie sich für ihre Gemeinschaften Regeln gaben und die Durchsetzung dieser Regeln mit Strafen sanktionierten.