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26.5.2002 | Von:
Helmut Klages

Brauchen wir eine Rückkehr zu traditionellen Werten?

Der "aktivierende Staat" soll sich auf die Weckung und Unterstützung gesellschaftlicher Eigenkräfte konzentrieren. Die Gründe liegen in einer neuen Verantwortungsteilung.

I. Neue Fragen an Staat, Markt und Gesellschaft

In der entwickelten Welt ist eine Bewegung in Gang gekommen, die in Richtung einer neuen Verantwortungsteilung zwischen Staat, Gesellschaft und Wirtschaft zielt. Nach dem Vordringen des Staates im 20. Jahrhundert sollen nunmehr die Kräfte des Marktes, aber auch der Gesellschaft wieder stärker in den Vordergrund treten. Der Staat, der sich bisher für immer mehr Dinge verantwortlich und ausführend zuständig sah, soll die Rolle eines aktivierenden Befähigers ("Enablers") übernehmen, d. h., in der Gesellschaft Eigenkräfte wecken und fördern und auf diesem Wege zu einer günstigen Gesamtentwicklung beitragen. Im Zusammenhang mit dem Leitbild einer "Bürgergesellschaft" (oder "Zivilgesellschaft"), das auf der Eigeninitiative und Eigenverantwortung der Menschen aufbaut, werden zunehmend Fragen gestellt wie: Was kann der Staat, was kann der Markt, was kann die Gesellschaft, was können die einzelnen Menschen leisten? Je nach ideologischem Standpunkt werden hoffnungsvolle Erwartungen, aber auch skeptische Fragen und Befürchtungen geäußert: Welches Maß an Selbstverantwortung ist den Menschen zuzumuten? Stehen sie schon "auf dem Sprung", um die ihnen zugedachte Rolle im neuen ordnungspolitischen Konzept auszufüllen, oder schrecken sie noch davor zurück? Besitzen sie die nötige Bereitschaft und Kompetenz hierzu? Oder sind erst einmal große Investitionen in das in letzter Zeit viel erörterte "Sozialkapital" erforderlich, um sie zur Entwicklung der wünschenswerten Fähigkeiten und Sozialtugenden zu veranlassen?

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