Unruhige See vor Korsika

11.12.2017 | Von:
Johannes Piepenbrink

Editorial

Die Weltmeere sind nicht nur komplexe Ökosysteme und als solche vielfältige Lebensräume für unzählige Tierarten, sondern auch für den Menschen extrem wichtig: Seit Jahrtausenden dienen sie als Nahrungsquellen und Rohstofflieferanten, zugleich waren und sind sie globalisierte Wirtschaftsräume, Schauplätze von Kriegen und Auseinandersetzungen, Rückzugs- und Sehnsuchtsorte sowie Inspirationsquellen für Kunst und Literatur. Heutzutage werden sie zunehmend schlicht als Müllkippe missbraucht.

Mit den verschiedenen Nutzungen der Meere, die Länder und Gesellschaften sowohl voneinander trennen als auch miteinander verbinden, sind zahlreiche politische Fragen verknüpft. Entsprechend groß ist die Vielfalt der internationalen Regulierungsbemühungen, die sich unter "Ocean Governance" zusammenfassen lassen. Es geht dabei um so unterschiedliche Dinge wie sich überschneidende Hoheitsansprüche – wie aktuell in Ostasien –, die Aushandlung von Fischfangquoten, die Ausweisung von Lizenzen für den kommerziellen Meeresbergbau (oder um Regelungen zu deren Verhinderung), aber auch um gemeinsame Anstrengungen zum Erhalt der ökologischen Vielfalt.

Diesen und weiteren Themen widmen sich die Autorinnen und Autoren der sieben Beiträge, die in dieser Ausgabe versammelt sind. Die Texte hat die Redaktion im Rahmen eines Call for Papers zum Ende des Wissenschaftsjahres "Meere und Ozeane" ausgewählt. Angesichts der Angebotsfülle sind sie zwangsläufig nur Inseln in einem schier unendlichen Themenozean. Aber als solche können sie manch "Schiffbrüchigem" einen ersten Halt bieten, um sich in den umliegenden Gewässern und für weitere Themenreisen zu orientieren.