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26.5.2002 | Von:
Hans Günter Hockerts

Zugänge zur Zeitgeschichte: Primärerfahrung, Erinnerungskultur, Geschichtswissenschaft

Die wissenschaftlichen Publikationen der Zeithistorie können immer nur relativ kleine Teile der Öffentlichkeit erreichen. Die meisten Bürger begegnen der Zeitgeschichte auf andere Weise.

I. Einleitung

"Bei zeitgeschichtlichen Dokumentationen zum Nationalsozialismus erscheinen so gut wie nie Historiker vor der Kamera." Diesen Befund konnte man unlängst in einer Fachzeitschrift lesen. Der Autor brachte die Abwesenheit der Historiker in Verbindung mit einer ZDF-Medienforschungsstudie, wonach die Zuschauer "am wenigsten gern aus Gesprächen mit Historikern lernen" [1] . Man möchte hinzufügen: Die Abneigung des Publikums wäre wohl geringer, wenn die Historiker sich verständlicher und lebendiger ausdrücken würden. Doch wirft der Passus auch ein Schlaglicht auf einen grundlegenden Sachverhalt, der sich nicht beliebig ändern lässt: Die Fachwissenschaft kann immer nur relativ kleine Teile der Öffentlichkeit erreichen; die meisten Bürger begegnen der Zeitgeschichte auf andere Weise.

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  • Grundsätzlich neu ist diese Situation nicht. Die Geschichtswissenschaft hat noch nie das Monopol für die Vermittlung von Geschichte besessen. Friedrich Meinecke notierte anno 1908, "daß unsere historischen Studien nicht mehr wie damals das Ohr der Nation haben, nicht mehr getragen sind von einer allgemeineren Teilhabe" [2] . Mit "damals" meinte er die Zeit, als die geschichtswissenschaftliche und die nationalpolitische Bewegung sich im 19. Jahrhundert verschwisterten. Die Werke historiographischer "Meistererzähler" von Ranke bis Treitschke standen damals hoch im Kurs der öffentlichen Meinung. Aber auch sie bestimmten das Geschichtsbild nicht allein. Andere Formen und Instanzen traten hinzu, so der historische Roman oder die Historienmalerei, und die Publizistik des sozialistischen Flügels der Arbeiterbewegung präsentierte den Gang und deutete den Sinn der Geschichte ohnehin ganz anders.

    Doch ist die Konkurrenz, der sich die Zunft der Historiker ausgesetzt sieht, in den letzten zwei, drei Jahrzehnten viel stärker geworden. Geschichte ist eine Ressource, um deren Nutzung eine steigende Zahl von Akteuren mit unterschiedlichen Zielen und Interessen in wachsender Formenvielfalt konkurriert. Zur Verdeutlichung genüge zunächst der Hinweis auf den Boom an Museen, Ausstellungen und Gedenkfeiern sowie den breiten Einzug historischer Themen in die audiovisuellen Medien. Der Geschichtsboom hat nicht nur Deutschland erfasst, sondern ist international. Henri Rousso, ein führender französischer Zeithistoriker, hat kürzlich ein Buch mit dem Titel "La hantise du passé" veröffentlicht, was man mit "Vergangenheitsbesessenheit" übersetzen könnte. Die Verhältnisse in Frankreich vor Augen, polemisiert er gegen das, was er "medial verordnete Gedächtnispflicht" nennt; er verwahrt sich gegen das Treiben der "Gedächtnisindustrie", die den Marktwert der Geschichte ausbeute und dabei das historische Wissen eher verneble als erhelle [3] .

    Ein solches Buch verlängert die Kette der Indizien dafür, dass die Tradierung der Geschichte und die Auseinandersetzung mit ihr vielfältiger und diffuser geworden sind. Der Boom erfasst nicht nur die Zeitgeschichte, sondern greift über die Epochen hinweg. So zählt die Stuttgarter Ausstellung über die Zeit der Staufer, die 1977 unerwartet viele Besucher anzog, zu den frühen Anzeichen des Booms in Deutschland. Aber er betrifft die Zeitgeschichte doch besonders stark. Die Nähe zur Gegenwart verdichtet das Interesse. "Vergangenheitsbewältigung" als Medium der politischen Auseinandersetzung und als Prüfstein der politischen Kultur steigert die Resonanz. Zudem bezieht sich Zeitgeschichte auf Zeitgenossen, die über persönliche Erinnerungen und somit über eine Art Direktzugang zur jüngeren Vergangenheit verfügen; das wirkt motivierend und erweitert den Stimmenchor der Deutungskonkurrenz.

    Es mag also nützlich sein, Klarheit über einige grundsätzliche Fragen zu gewinnen, wie: Welche Zugangsweisen zur Zeitgeschichte gibt es und wie kann man sie in typologisierender Absicht voneinander abgrenzen? Worin liegt das Spezifische des fachhistorischen Zugangs? Was macht "die Konkurrenz" anders und warum ist sie seit den siebziger Jahren stärker geworden? Welche Spannungen gibt es zwischen den - und womöglich auch innerhalb der - einzelnen Domänen der Vermittlung von Zeitgeschichte?

    II. Zwei Beispiele

    Der Untertitel meines Beitrags schlägt eine Dreiteilung vor. "Primärerfahrung" bezieht sich auf die selbst erlebte Vergangenheit. Darin liegt ein so elementarer Zugang zur Zeitgeschichte, dass seine Wirkung und Bedeutung besondere Aufmerksamkeit verdienen. Was man neuerdings "Erinnerungskultur" nennt, dient als lockerer Sammelbegriff für die Gesamtheit des nicht spezifisch wissenschaftlichen Gebrauchs der Geschichte in der Öffentlichkeit - mit den verschiedensten Mitteln und für die verschiedensten Zwecke, von der Gedenkrede des Bundespräsidenten über die Denkmalpflege bis zum Fernseh-Infotainment über "Hitlers Frauen". Davon wird schließlich die zeitgeschichtliche Forschung abgegrenzt, in der Annahme, dass es charakteristische Unterschiede gibt zwischen Zeitgeschichte als persönlicher Erinnerung, als öffentlicher Praxis und als wissenschaftlicher Disziplin.

    Ob diese Trias etwas taugt, sei erst einmal mit zwei Beispielen auf die Probe gestellt. Unlängst hat Sabine Arnold eine eindrucksvolle Studie über "Stalingrad im sowjetischen Gedächtnis" veröffentlicht [4] . Die Autorin wertet zunächst Spuren der Primärerfahrung aus, womit hier die Fronterlebnisse sowjetischer Stalingrad-Soldaten gemeint sind. Dabei stützt sie sich auf Primärquellen, insbesondere auf Briefe und Erinnerungsinterviews mit Veteranen. Sie erfuhr viel Bedrückendes: Elend und Verwahrlosung, nicht zuletzt auch Angst vor dem Befehl 227, mit dem der Volkskommissar der Verteidigung im Juli 1942 anordnete, "Panikmacher und Feiglinge" auf der Stelle zu erschießen. Sabine Arnold untersucht sodann das Geschichtsbild, das die sowjetische Partei- und Staatsführung in Form eines monumentalen Helden- und Siegeskultes inszenierte.

    Die Stilisierung begann schon im Februar 1943, als Regisseure der Moskauer Filmstudios die Schlacht in den Ruinen der Stadt nachstellten. Seither war die heroische Kriegserinnerung in der sowjetischen Kultur bis 1992 geradezu allgegenwärtig. Zu Füßen des zentralen Gedenkkomplexes auf dem Mamaj-Hügel in Stalingrad beschworen Pioniere, Komsomolzen, Parteisekretäre, Arbeiter und Armeeangehörige alljährlich ihren Willen zur Nachfolge; sie gelobten, ihr Leben in den Dienst der Partei zu stellen, die zu so großen Siegen befähigt. Die Standards der Wissenschaft repräsentiert in diesem Beispiel die Studie von Sabine Arnold. Mit analytischer Distanz untersucht sie Formen, Funktionen und Wirkungen des Stalingrad-Kults. Sie zeigt, wie die parteipolitisch verbreiteten Stereotypen, Bilder und Begriffe die persönlichen Erinnerungen zu überformen und zu verändern vermochten, ohne aber Bruchlinien zwischen privatem und "okkupiertem Gedächtnis" ganz verwischen zu können [5] .

    Nun ließe sich einwenden, eine so dezidierte Dreiteilung sei spezifisch für Diktaturen. Wählen wir daher ein zweites Beispiel, das uns näher liegt, nämlich die Frage nach der historischen Einordnung des 8. Mai 1945. Der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker hat in seiner Gedenkrede zum 40. Jahrestag betont, "was es heute für uns alle gemeinsam zu sagen gilt: Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung". Diese Deutung hat sich in der öffentlichen Erinnerungskultur der Bundesrepublik inzwischen weithin durchgesetzt. Sie stimmt mit der Primärerfahrung von Minderheiten überein, insbesondere der befreiten KZ-Häftlinge, aber durchaus nicht mit der Primärerfahrung eines Großteils der Deutschen. Wohl die Mehrheit erlebte das Kriegsende als Zusammenbruch dessen, worauf man gebaut hatte; bei vielen Millionen kamen persönliche Lebenskatastrophen besonderer Art hinzu, vor allem im Zusammenhang mit der Vertreibung der Deutschen aus Ostdeutschland. Auch die Besatzungsmächte interpretierten das Kriegsende ursprünglich keineswegs als "Befreiung" der Deutschen. Die sowjetische Zensur wies eine solche Auffassung scharf zurück [6] . Denn der Befreiungsbegriff konnte ja durchaus apologetisch verstanden werden, so als habe das deutsche Volk in seiner Mehrheit die NS-Herrschaft nur unwillig ertragen und den Sieg der alliierten Waffen herbeigesehnt. Der Begriff war (und ist) geeignet, kategoriale Unterschiede zwischen dem Deutschen Reich und den von diesem besetzten und von der Anti-Hitler-Koalition befreiten Ländern zu verwischen. So heißt es auch in der grundlegenden Direktive der amerikanischen Militärregierung von April 1945 kurz und bündig: "Deutschland wird nicht besetzt zum Zwecke seiner Befreiung, sondern als ein besiegter Feindstaat." [7]

    Die öffentliche Erinnerungskultur hat hier also eine Umdeutung vorgenommen. Diese orientiert sich - was ganz legitim ist - an Wertideen, die heute die politische Kultur prägen. Der Mai 1945 gewinnt, so gesehen, Symbolbedeutung für das Ende des Verbrechensregimes und die Öffnung großer Chancen für eine freiheitliche Entwicklung (im Westen) Deutschlands. Viele Deutsche haben die Realität des Kriegsendes damals aber nicht unter diesen Gesichtspunkten erlebt und gedeutet. Zwischen dem öffentlichen Gedenken und der persönlichen Erinnerung können daher Spannungen bestehen, über die im privaten Kreis gesprochen wird, die aber auch - wie im Mai 1985 - zu Protesten und öffentlichen Deutungskonflikten führen können. Und der Part der Geschichtswissenschaft? Er lässt sich exemplarisch an einer grundlegenden Studie über "Die amerikanische Besetzung Deutschlands" [8] zeigen: Sie fasst das Jahr 1945 in seiner ganzen Disparatheit ins Auge. Anders als die Primärerfahrung, die an bestimmte Blickwinkel gebunden ist, kombiniert sie viele Perspektiven. Sie beleuchtet mit kontrollierten empirischen Bezügen sehr unterschiedliche Zusammenhänge und neigt - im Unterschied zur öffentlichen Erinnerungskultur - nicht dazu, das historische Wissen auf wenige einprägsame Zeichen zu verkürzen.

    Die vorgeschlagene Dreiteilung kann sich also auf den ersten Blick durchaus bewähren. Sieht man genauer hin, so wird das Bild freilich komplizierter. Dann kommen mancherlei Verflechtungen, Überschneidungen und Wechselbeziehungen zum Vorschein. Daher möchte ich in einem zweiten Anlauf nicht mehr von einzelnen Beispielen ausgehen, sondern einige systematische Überlegungen vortragen.

    III. Primärerfahrung und kommunikatives Gedächtnis

    Jeder speichert im Laufe seines Lebens eigene Geschichtserfahrungen. Dabei nimmt jeder andere Ausschnitte der Wirklichkeit wahr und verknüpft sie auf je eigene Weise mit dem subjektiven Beziehungsnetz seiner Lebenswelt. Franz Kafka notierte am 2. August 1914 in sein Tagebuch: "Deutschland hat Rußland den Krieg erklärt. - Nachmittags Schwimmschule." So eigentümlich können sich Öffentliches und Privates, Allgemeines und Besonderes vermischen, und im Grunde gibt es so viele Varianten von Primärerfahrung wie es Menschen gibt. Walter Kempowski hat diesen unerschöpflichen Reichtum eindrucksvoll demonstriert, als er aus verstreuten "Ego-Dokumenten" eine Art kollektives Tagebuch zusammenstellte, das die Realität des Krieges während einiger Wochen des Jahres 1943 mit nahezu endlos vielen Brechungen und Schattierungen spiegelt [9] .

    Die persönliche Erinnerung wird aber durchaus nicht allein vom eigenen, primären Erleben bestimmt, sondern ist immer auch Teil größerer Zusammenhänge, von denen es beeinflusst wird, mit denen es lebt und sich verändert. Darauf will der Begriff des "kollektiven Gedächtnisses" aufmerksam machen, der indessen zwei deutlich zu unterscheidende Konstruktionsweisen umfasst. Für die eine hat sich der Begriff des "kommunikativen Gedächtnisses" eingebürgert [10] . Gemeint ist der Erfahrungsaustausch in der Alltagskommunikation, in der Familie, in privaten Kreisen und sozialen Milieus. Das "kommunikative Gedächtnis" verbindet die Träger der Erinnerung in einem vitalen Bezug, es bildet lebendige Erinnerungsgemeinschaften mit spezifischen Stützen wie zum Beispiel familiären Fotoalben. Es handelt sich gewissermaßen um das "soziale Kurzzeitgedächtnis", mit dem die Mitlebenden sich über ihre selbst erlebte Vergangenheit verständigen [11] . Weil das "kommunikative Gedächtnis" gruppenbezogen und trägerspezifisch ist, bilden sich vielfältige, auch rivalisierende Erinnerungsmilieus heraus, die bis zur schroffen Gegensätzlichkeit reichen können. Die überlebenden Dachau-Häftlinge pflegen fundamental andere Erinnerungsmuster als Kameradschaftskreise von "Ehemaligen". Stasi-Opfer werden sich kaum jemals mit "abgewickelten" Offizieren des MfS auf ein gemeinsames DDR-Erinnerungsbild einigen können. Allenthalben ist übrigens auch eine Konkurrenz der Opfergruppen von NS-Verfolgten und Stalinismus-Verfolgten feststellbar, wofür weniger die spezifischen Unterschiede der beiden Verfolgungssysteme die Ursache bilden als vielmehr die seit 1945 wechselnden Perioden der öffentlichen Hochschätzung der einen oder der anderen Opfergruppe [12] .

    Der andere Modus hingegen ist nicht an die Selbstdeutung persönlicher Erfahrungen gebunden. Hier beginnt das Revier der öffentlichen Erinnerungskultur, die sich vom lebendigen Gruppengedächtnis löst, anders geformt und gestützt wird, nämlich institutionell. Mit der institutionellen Bearbeitung kommen andere Verfahrensmöglichkeiten zum Zug und treten andere Geltungskriterien in Kraft. Das lässt sich am leichtesten daran erkennen, dass die institutionell gestützte Erinnerung weit entfernte Zeiten einbeziehen kann, die längst nicht mehr von persönlichen Erinnerungen getragen werden. Wer eine Ausstellung über den Westfälischen Frieden macht, muss daher auch nicht mit dem Protest von Besuchern rechnen, die sich auf das eigene Erleben berufen. Bei der "Wehrmachtsausstellung" war das bekanntlich anders. Hier wird wieder ein Spezifikum der Zeitgeschichte sinnfällig, das uns schon am Beispiel der Erinnerung an den 8. Mai begegnet ist: Es können immer wieder Spannungen aufbrechen zwischen persönlichen Erinnerungen oder Gruppengedächtnissen einerseits und der institutionell gestützten, öffentlichen Erinnerungskultur andererseits, wobei zu den "Institutionen" im Beispielsfall der Wehrmachtsausstellung vor allem das Hamburger Institut für Sozialforschung, die einladenden Städte und die berichtenden Medien zu zählen sind.

    Wie stark diese Spannungen sein können, zeigen zwei autobiographische Texte. Martin Walsers Kindheitsroman "Ein springender Brunnen" ist heftig dafür kritisiert worden, dass die Last der NS-Verbrechen dort nicht spürbar werde. Walser hingegen insistiert darauf, über diese Zeit so zu reden, wie er sie damals erfahren habe, und nicht so, wie man heute über sie rede. Sonst sei er "einer mehr, der über damals redet, als sei er damals schon der Heutige gewesen" [13] . Anders gesagt: Walser will Primärerfahrungen, aufbewahrt in persönlicher Erinnerung, gegen den überformenden Sog der öffentlichen Erinnerungskultur verteidigen.

    Bei dem anderen Text handelt es sich um die Autobiographie des Schweizer Klarinettisten Binjamin Wilkomirski: "Bruchstücke. Aus einer Kindheit 1939-48" [14] . Der Autor erzählt, wie er als Kind lettischer Juden die Todeslager erlebt und überstanden hat; er schildert und beglaubigt ("Ich habe es gesehen") grauenhafte Einzelheiten. Nach dem Krieg, so berichtet er, habe man ihn in die Schweiz geschmuggelt und ihm eine neue Identität aufgezwungen. Dieses Buch hat große Resonanz gefunden. Vielfach übersetzt, wurde es mit Auszeichnungen und Preisen bedacht. Wilkomirski trat als Zeitzeuge auf Kongressen, vor Schulklassen und an Universitäten auf. Er fand Eingang in den Thesaurus der Video-Interviews, mit denen Steven Spielbergs Shoa Foundation die Erinnerungen von 50 000 Überlebenden festgehalten und audiovisuell verfügbar gemacht hat. Als etwa zeitgleich das "Schwarzbuch des Kommunismus" eine Debatte über die Vergleichbarkeit stalinistischer und nationalsozialistischer Massenverbrechen auslöste, berief sich eine Journalistin auf "den kleinen Jungen Binjamin" als Kronzeugen für die Singularität des Holocaust [15] .

    Wie man inzwischen weiß, handelt es sich bei diesem Buch um eine Erfindung - keine literarische, weil ja der Bonus des Selbsterlebten ganz und gar in Anspruch genommen war, sondern um eine Fälschung [16] . Bei dem Autor, 1941 in der Schweiz mit dem Namen Bruno Dössekker geboren, darf man so etwas wie eine Überanpassung an Erwartungen der Erinnerungskultur vermuten. Man kann den Blick aber auch auf große Teile des Publikums richten und sagen: Hier galt etwas fraglos als authentisch, weil es den in der Erinnerungskultur vorherrschenden Erwartungen so genau entsprach. Die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann hat es als ein "bedrohliches Symptom" bezeichnet, dass Teile der Erinnerungskultur dabei sind, "sich zu einer Schablone zu verfestigen", wobei das Passförmige als das Authentische gilt und das Nichtpassförmige abgestoßen wird [17] .

    Walser und Wilkomirski verkörpern zwei besonders weit auseinander liegende Varianten im Verhältnis von individueller und öffentlicher Erinnerung: Der eine liefert eine Abwehrschlacht des Eigensinns, der andere traf den Nerv der Zeit, indem er sein Selbst auslöschte. Im allgemeinen hat man es aber nicht mit einem so klaren Entweder/Oder zu tun, sondern mit recht komplizierten Verflechtungen. Die Mitlebenden kämpfen mit mehr oder minder großem Erfolg um die Wahrnehmung ihrer eigenen Erinnerungen im öffentlichen Raum. Und umgekehrt werden die eigenen Erinnerungen beeinflusst von den "Stützen und Zensuren", die die Öffentlichkeit bereit hält [18] . Im persönlichen Erinnerungshaushalt tauchen einige Elemente ab, andere wieder auf oder gehen neue Verbindungen ein. Dabei kann es zu Glättungen und Beschönigungen kommen, die "das Körnige, das Sandige des wirklich Erlebten bis hin zur Widerstandslosigkeit in der Nacherzählung ausfiltrieren" [19] - bis hin zur Erfindung von Deckgeschichten, geboren aus dem Geist des Nietzsche-Aphorismus: "Das habe ich getan, sagt mein Gedächtnis. Das kann ich nicht getan haben, sagt mein Stolz und bleibt unerbittlich. Endlich - gibt das Gedächtnis nach." Es sind also recht verschlungene Pfade, auf denen die Primärerfahrung durch übergreifende Zusammenhänge wandert, und irgendwann gerät sie auch in Kontakt mit der Zeitgeschichtsforschung. Diese nimmt dann entweder schriftliche Ego-Quellen (Memoiren, Tagebücher, Briefe usw.) zur Hand, gewissermaßen "zwischen Daumen und Zeigefinger" [20] , oder wendet sich den Trägern von Primärerfahrung als Zeitzeugen im Sinne von Oral History zu.

    IV. Zeitzeuge und Zeithistoriker

    Über Chancen, Risiken und Techniken der Oral History liegt eine so ausgedehnte Literatur vor, dass ich mich hier auf wenige Hinweise beschränken kann. Es gibt eine Schrecksekunde, die wohl jeder kennt, der zeithistorische Vorlesungen hört oder hält: Aus dem Kreis der Seniorenstudenten erhebt sich jemand und sagt: "Das war aber ganz anders. Ich weiß das, denn ich habe es selber erlebt." In solchen Momenten macht sich abermals eine Spannung bemerkbar, diesmal zwischen Zeitzeugenschaft und Zeithistorie. Diese Spannung existiert unabhängig von den beteiligten Personen, sodass ein geflügeltes Wort sagt, der Zeitzeuge sei der natürliche Feind des Zeithistorikers [21] . Das ist schweres polemisches Geschütz, munitioniert mit einem Körnchen Wahrheit. Dieses liegt nicht so sehr darin, dass Zeitzeugen sich irren können (wie Historiker auch) [22] oder Selbsterlebtes mit nachträglich Gelesenem oder Gehörtem vermischen. Dass jemand dabei war, garantiert ja noch keine Verlässlichkeit der Beob-achtung und der Beschreibung; diese hängt vielmehr von zahlreichen Filtern und Vorprägungen ab [23] . Und wenn das Erlebte zur Erinnerung wird, kommt die eigentümliche Funktionsweise des menschlichen Gedächtnisses zum Zug: Wie ein "wendiger Baumeister" und "schöpferischer Konstrukteur" entwirft das Gedächtnis den Erinnerungshaushalt bei Bedarf neu; dabei können Erinnerungsmilieus einen Überformungsdruck ausüben und das individuelle Gedächtnis kanalisieren [24] .

    Aber im Metier des Historikers sind alle diese Vorbehalte auf das Konto "Quellenkritik" zu verbuchen und bezeichnen noch nicht die prinzipielle Trennlinie. Diese liegt vielmehr darin, dass der Erlebnishorizont des Zeitzeugen nicht identisch ist mit dem Erklärungshorizont des Zeithistorikers. Warum das so ist, hat Max Weber auf den Punkt gebracht, als er schrieb: "Stets gewinnt das ,Erlebnis', zum ,Objekt' gemacht, Perspektiven und Zusammenhänge, die im ,Erleben' eben nicht bewußt werden." Die Zeithistorie bringt daher unentwegt Perspektiven und Zusammenhänge hervor, die im "Erleben" eben nicht bewusst waren. Nur so kann sie erlebte Zeit in historische Zeit verwandeln; nur so kann - wie Jacob Burckhardt sagte - "Erkenntnis" werden, "was einst Jubel und Jammer war" [25] . Aber die Transformation von "Erleben" in "Erkenntnis" kann auf die Zeitgenossen wie eine Verfremdungsoperation wirken und somit auch Misstrauen und Abwehr auslösen.

    Zwar gilt für Historiker aller Epochen, dass sie erlebte Zeit in historische Zeit verwandeln und somit gewissermaßen enteignen [26] . Aber nur Zeithistoriker können dabei in Deutungskonflikte mit Zeitzeugen geraten, was neuerdings vor allem bei der Erforschung der Geschichte der zweiten deutschen Diktatur zu spüren ist [27] . Solche Konflikte meistert die Zeithistorie am besten, wenn sie Struktur- und Erfahrungsgeschichte miteinander verbindet. Ohne eine solche Verknüpfung kann es dazu kommen, dass entweder - um beim DDR-Beispiel zu bleiben - die harten Kerne der Diktatur unterschätzt und verharmlost werden oder aber viele ehemalige DDR-Bürger die Nahbereiche ihres eigenen Lebens in den Produkten der Geschichtswissenschaft nicht hinreichend wiedererkennen. Hier stellt sich nicht für jeden einzelnen Zeithistoriker, wohl aber für die Zeithistorie im Ganzen eine wichtige Aufgabe der Dimensionierung, durchaus vergleichbar der Multiperspektivität der NS-Forschung, der es anfangs darum ging, "immer wieder klar zu machen, daß die Nazi-Herrschaft nicht so vergleichsweise normal war, wie sie viele unserer Hörer im Alltag erlebt hatten. Heute dagegen muß man seinen Hörern erklären, daß der Alltag jener Jahre nicht von den Verbrechen gegen die Menschheit geprägt war, in denen die Wirklichkeit des Nationalsozialismus sich schauerlich vollendete" [28] .

    Die Begegnung von Zeitzeugenschaft und Zeithistorie kann andererseits, wenn man die fundamentale Differenz nicht überspielt, sondern in Rechnung stellt, höchst fruchtbar sein. Erfahrene Oral Historians betonen, wie heilsam der "Enttypisierungsschock" ist, der sich einstellt, wenn ein allzu schematischer Untersuchungsrahmen auf das "Vetorecht" widerspenstiger lebensgeschichtlicher Details stößt, sodass der Blick für Mischungen und Übergänge geschärft wird [29] . Im Übrigen gilt für lebensgeschichtliche oder themenzentrierte Erinnerungsinterviews dieselbe Regel wie für Quellen jeglicher Art: Ihr Wert lässt sich nicht abstrakt und pauschal beurteilen, sondern nur in Relation zu der Forschungsfrage, um die es jeweils geht. So haben sich zum Beispiel die Erinnerungen ehemaliger KZ-Häftlinge bei Fragen erfahrungsgeschichtlicher Art als unersetzlich erwiesen und bei der Rekonstruktion bestimmter Abläufe und Zusammenhänge als Quellen hohen Ranges bewährt [30] . Anderes blieb ihrem Gesichtswinkel aber auch verborgen oder führte zu unzutreffenden Wahrnehmungen. So haben Häftlinge berichtet, dass die Schikanen in Dachau weniger schlimm, die Haftbedingungen erträglicher wurden, als im September 1942 der SS-Hauptsturmführer Martin Weiß das Kommando übernahm. Sie rechneten ihm die Erleichterungen als persönliches Verdienst zu; fast wie ein Retter erscheint er in der Memoirenliteratur.

    Der wirkliche Zusammenhang ergibt sich aus einer anderen Überlieferung, aus den Akten des Wirtschaftsverwaltungshauptamtes der SS: Nach dem Scheitern des "Blitzkriegs" wollte das NS-Regime die Konzentrationslager stärker in die Rüstungsproduktion einbeziehen; daher wurden die Kommandanten angewiesen, die Arbeitskraft der Häftlinge ökonomischer zu nutzen und die Lagersterblichkeit zu senken. In dieser Weisung liegt die Ursache für die Zäsur in der Lagergeschichte, nicht in der Person des Martin Weiß, der zuvor in Neuengamme ein brutaleres Regiment geführt hatte und im November 1943 als Kommandant nach Lublin-Majdanek ging [31] . Das Beispiel wurde erwähnt, um die Einsicht zu stützen, dass die Zeithistorie den Berichten der Zeitzeugen mit demselben methodisch kontrollierten Abstand gegenübertreten muss wie grundsätzlich jeder Quellenüberlieferung. Die Eigenart des wissenschaftlichen Vorgehens verlangt auch dort "Distanzierung", wo der Untersuchungsgegenstand spontan zu äußerstem "Engagement" herausfordert [32] .

    V. Erinnerungskultur

    Wir haben uns bisher vorwiegend in der Reichweite der Stichworte "Primärerfahrung" und "kommunikatives Gedächtnis" bewegt und beginnen nun eine tour d'horizon auf den Feldern der "Erinnerungskultur". Da die Urform der Erinnerungskultur die religiöse ist, empfiehlt es sich, als Prototyp das Deutoronomium des Alten Testamentes vorzustellen [33] . Dort wird über die Befreiung der Hebräer aus der ägyptischen Knechtschaft berichtet. Nach 40 Jahren Wüstenwanderung gelangten sie an den Jordan und sahen am anderen Ufer das verheißene Land. In der Situation des Übergangs hielt der sterbende Moses eine Abschiedsrede, um dem Volk Israel eine Erinnerungspflicht und ein Vergessensverbot aufzuerlegen. Das "Was" der Erinnerung umfasst die vom Gottesbund getragene Befreiungsgeschichte; das "Wie" legt Verfahrensweisen fest, welche die Erinnerung auf Dauer bewahren sollen, darunter Feste und Rituale, Inschriften und Zeichen, auch Mittel der Pädagogik. Wie jeder weiß, formt oder beeinflusst das mosaische Vergessensverbot noch heute den Erinnerungshaushalt von Millionen Menschen. Jeder Sabbath, jedes Laubhüttenfest, jede Talmud-Schule hält die Erinnerung wach.

    Auch das Christentum ist eine "Gedächtnisreligion". Es hat die Grundlagen der Gedächtniskultur des Okzidents wesentlich geprägt [34] . Christliche Zeichen der Erinnerung, für die Gläubigen voll Sinn und Bedeutung, sind auch in den Konventionen der säkularisierten Welt noch omnipräsent, so zum Beispiel in der Zeitrechnung "nach Christi Geburt" oder im Jahresfestkreis [35] . Die religiös fundierte Memoria kann auch Elemente der Zeitgeschichte nach eigenen Gesetzen in sich aufnehmen, wie der Aufruf von Papst Johannes Paul II. zur "Reinigung des Gedächtnisses" und das Schuldbekenntnis von März 2000 zeigen, ebenso die Seligsprechung von Bernhard Lichtenberg, Edith Stein und weiterer Glaubenszeugen aus der Zeit des Nationalsozialismus [36] . Manche Beobachter entdecken auch im "neuen Gedenken der Juden an den Holocaust" mehr Züge christlicher als jüdischer Tradition und sprechen von einer "Verchristlichung der Shoa" [37] .

    Mehr und mehr hat indessen der säkularisierte Blick auf die Vergangenheit an Bedeutung gewonnen. Dabei nimmt die genuin politische Dimension des historischen Argumentierens und Repräsentierens breiten Raum ein, somit das weite Feld der Geschichtspolitik. Dass mit Geschichte Politik gemacht wird, ist ganz wertneutral gesagt. Eine Bewertung hängt davon ab, wie und wozu Geschichte als Argument - oder Waffe - eingesetzt wird. Bekanntlich findet man Geschichtsbilder in allen erdenklichen politischen Zusammenhängen, jeweils passend zurechtgelegt, auch um Kriege zu rechtfertigen [38] und Revanchegedanken zu pflegen [39] oder Diktaturen zu legitimieren (die DDR war - unter anderem - eine verstaatlichte Geschichtsphilosophie). Insbesondere gehört es zum klassischen Repertoire nationalistischer Bewegungen, mit den Mitteln gemeinsamer Geschichtserinnerung Gefühle der Zusammengehörigkeit zu steigern und zu steuern, wodurch verfängliche Bindewirkungen entstehen können, die sich gegen demokratische Ansprüche an die Qualität der politischen Ordnung ausspielen lassen. Nicht nur die deutsche Geschichte hält dafür viel Anschauungsmaterial bereit.

    Der politische Gebrauch der Geschichte ist aber auch ein wichtiger Teil der Selbstverständigung pluralistisch verfasster Gesellschaften und mithin ein Lebenselixier der Demokratie [40] . Das Gewicht, das die historische Argumentation gerade auch in der deutschen politischen Debatte hat, ist bekanntlich kaum zu überschätzen - so tief eingebrannt ist die geschichtliche Erfahrung der Folgen, die eintreten, wenn die politische Ordnung und die kulturellen Wertbezüge sich aus der Bindung an die Menschenrechte und die Humanität lösen. Geschichte als Politikum reicht von der historischen Legitimation des Grundgesetzes bis zum staatlich initiierten und geförderten Gedenken an Ereignisse und Personen der jüngeren deutschen und europäischen Vergangenheit [41] . Dabei kennzeichnet es demokratische Geschichtspolitik, dass sie unterschiedliche Deutungen der Vergangenheit neben- und gegeneinander gelten lässt. Wenn bestimmte Entscheidungen zu treffen sind - zum Beispiel über Lehrpläne, Gedenktage oder Denkmäler - kann eine Vielzahl von Instanzen und Akteuren die Bedeutung der Geschichte für die politischen Bedürfnisse der Gegenwart strittig aushandeln. Sofern Geschichtspolitik heutzutage und hierzulande im Dienst des Nationalbewusstseins, des Patriotismus oder der Identitätspflege von Bundesländern steht, ist sie dreifach relativiert: an die demokratische Ordnung gebunden, in die europäische Mitgliedschaft gefügt [42] und für Erinnerungsvielfalt geöffnet.

    In der Bundesrepublik kommen spezielle Impulse hinzu: Das geschichtspolitische Interesse wird durch die "Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland" [43] befeuert, vor allem aber durch die mit hoher Intensität geführte Debatte um die NS-Vergangenheit. Die Haftung für die Taten und Folgen des "Dritten Reiches", für Angriffskrieg, Völkermord und den Zusammenbruch der Zivilisation, ist sowohl für die Außenwahrnehmung als auch für das Selbstverständnis der deutschen Demokratie von großer Bedeutung. Die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit bildet seit Jahrzehnten - ungeachtet der gebetsmühlenhaft vorgetragenen Verdrängungsvorwürfe - eines der beherrschenden Themen im deutschen politischen Diskurs; so sehr, dass unter "Vergangenheit", wenn nicht eigens anders vermerkt, nahezu automatisch die NS-Vergangenheit verstanden wird. Diese bildet eine Kontrastfolie, einen Prüfstein und einen Reflexionsfilter für die politische Kultur. Dass dabei über das rechte Maß von Erörterung und Erregung gestritten wird, besonders auch über angemessene, für nachwachsende Generationen einsichtige Formen des Erinnerns und Gedenkens, das ist in einer pluralistischen Gesellschaft ganz unvermeidlich. Die Spannweite reicht von Sedimenten einer bornierten Schlussstrichmentalität bis zu geradezu obsessiven Zügen einer "Vergessensangst", einer "kollektiven Angst vor einer Vergessensschuld", die sich "an immer neuen erinnerungskulturellen Projekten abarbeitet" [44] . In der Mitte der Gesellschaft scheint aber eine bemerkenswert stabile Balance gelungen zu sein, wenn es um die notwendige, doch alles andere als leichte Doppelaufgabe geht, die NS-Epoche als Teil der eigenen Geschichte anzunehmen (also nicht mittels Schlussstrich zum Fremdkörper zu erklären) und sich zugleich von ihr fundamental zu distanzieren.

    Merkwürdig unsicher verhält sich das deutsche historische Gedächtnis hingegen zu Flucht und Vertreibung von über zwölf Millionen Ostdeutschen, wobei etwa zweieinhalb Millionen Menschen umkamen. Weitgehend der privaten Erinnerung überlassen bzw. in die Erinnerungsmilieus der Vertriebenenverbände abgedrängt, finden diese Schicksale in der gemeinsamen Erinnerung der Nation nur zögerlich und wenig Raum. Gewiss ist es schwierig, hierfür angemessene Formen des Erinnerns und Gedenkens zu finden, denn diese müssen den elementaren Wirkungszusammenhang mit dem nationalsozialistischen Eroberungs- und Vernichtungskrieg beachten und die Vertreibung der Deutschen in eine Gesamtschau der "ethnischen Säuberungen" einordnen, die das 20. Jahrhundert mit einer furchtbaren Gewaltspur durchziehen [45] . Aber die politische Kultur sollte vor dieser schwierigen Aufgabe nicht ausweichen, zumal zwei Hauptgründe des Wegsehens auf Irrtümern beruhen. Der eine besagt, die in den Vertreibungsgebieten ansässigen Deutschen hätten Hitlers Revisionismus und Expansionismus besonders kräftig unterstützt; ihr Sonderschicksal sei also die Folge von Sonderschuld. In Wirklichkeit verhält es sich andersherum: Die Vertriebenen (und die heutigen Ostdeutschen) haben nach Kriegsende stellvertretend für alle Deutschen besonders schwere Lasten getragen; es gibt aber keine legitime Möglichkeit, ihnen - schon gar nicht pauschal - eine besondere Schuld zuzurechnen. Der andere Irrtum liegt in der Annahme, das Gewicht der nationalsozialistischen Massenverbrechen werde verkleinert, wenn an die Vertreibung und das Flüchtlingselend von Millionen Deutschen erinnert werde. Dazu kann man nur sagen: Welcher Kleinmut wäre es, würde man die NS-Opfer nur dann angemessen gewürdigt glauben, wenn anderes Unrecht verschwiegen wird [46] .

    Auch in anderen westeuropäischen Ländern hält die kritische Sondierung der eigenen Zeitgeschichte die interessierte Öffentlichkeit in Atem. So ist in Frankreich und Italien der Streit um die langen Schatten von Vichy beziehungsweise den italienischen Resistenza-Mythos seit längerem voll entbrannt [47] . Die Erinnerungspolitik bezieht sich hier nicht mehr so ausschließlich wie früher auf die zustimmungswürdigen Traditionen. Bezeichnend ist die Einführung eines Nationalen Gedenktags in Frankreich für die Opfer der rassischen und antisemitischen Verfolgungen unter der Regierung des "Etat Français"; seit 1993 wird ihrer am 16. Juli gedacht, dem Datum der Razzia des Vélodrome d' Hiver in Paris 1942. Das geschönte Erinnerungsbild der Schweiz als Réduit national hat bekanntlich Risse bekommen, und in den Niederlanden haben Bücher über die Kollaboration und den Kolonialkrieg in Indonesien manchen Staub aufgewirbelt [48] .

    "Geschichtspolitik" erfasst aber bei weitem nicht alles, was der Hinweis auf den Geschichtsboom eingangs angedeutet hat. Historische Bezüge durchdringen ja nicht nur die politische Sphäre im engeren Sinne, sondern auch die Gesamtheit der kulturellen Öffentlichkeit und der Alltagswelt [49] . So hat die künstlerische Bearbeitung geschichtlicher Themen zwar nicht selten eine politische Wirkungsabsicht; ihr Proprium liegt aber in der ästhetischen Dimension, für die jeweils Regeln eigener Art gelten [50] . Wirft man ein Streiflicht auf das Spektrum der Künste, so scheint es, dass Zeitgeschichte und Malerei sich bemerkenswert fremd geworden sind, seit Fotographie und neue Medien die Visualisierung der Geschichte bestimmen. In der modernen Malerei führt das Sujet "Geschichte" offenbar eher ein Nischendasein [51] , sowohl in der künstlerischen Produktion als auch in der öffentlichen Aufmerksamkeit. Welches Gemälde aus jüngerer Zeit könnte sich auch nur entfernt mit der Wirkung von Picassos "Guernica" (1937) messen?

    Eine engere, auch resonanzreichere Beziehung verbindet Historie und Bildhauerkunst. Plastiken und Skulpturen zählen zu den zentralen Elementen der öffentlichen historischen Erinnerung, besonders auch als Mahn- und Gedenkzeichen für Verfolgung und Widerstand im Nationalsozialismus. Exemplarisch sei das Mahnmal des Bildhauers Hubertus von Pilgrim hervorgehoben, das in mehreren Kopien den Weg des Evakuierungsmarsches von Dachauer KZ-Häftlingen im April 1945 säumt [52] . Wie nahe sich professionelle Geschichtsvermittlung und Bildhauerei kommen können, mag die Standortwahl der Plastik "Jahrhundertschritt" von Wolfgang Mattheuer verdeutlichen: In zwei Versionen vor dem Bonner Haus der Geschichte der Bundesrepublik und vor dem Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig aufgestellt, konfrontiert der "Jahrhundertschritt" die Besucher mit einer ästhetisch überaus eindringlichen Kritik an den totalitären Ideologien des 20. Jahrhunderts.

    Nach wie vor haben theatralische und literarische Gestaltungen großen Einfluss auf das Geschichtsbewusstsein. Man denke nur an das enorme Aufsehen, das Rolf Hochhuths provozierendes Schauspiel "Der Stellvertreter" erregt hat, oder an zwei der berühmtesten und erfolgreichsten Romane der westdeutschen Gegenwartsliteratur, beide der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit gewidmet: "Die Blechtrommel" von Günter Grass und "Die Deutschstunde" von Siegfried Lenz. Auch Romane, die man in den gängigen Literaturgeschichten vergeblich sucht, können sich als starke Beispiele für "Geschichte als Literatur" erweisen, so besonders Gert Ledigs Roman "Vergeltung", der das Inferno des Bombenkriegs in einer deutschen Stadt im Sommer 1944 so atemberaubend dokumentiert, wie das mit dem Handwerkszeug des Historikers nicht möglich wäre [53] . Von der DDR-Literatur ist rühmend gesagt worden, dass sie viel authentischere Einblicke in den "realen Sozialismus" gebe als die zeitgenössische DDR-Historiographie, was für den breiten Strom der affirmativen Auftragsschriftsteller gewiss nicht gilt, wohl aber für so aufschlussreiche Werke wie Stefan Heyms Roman "Collin". Literarisch vermittelte Zeitgeschichte findet man auch im Genre des historischen Kinder- und Jugendromans [54] - vielleicht gibt es Spurenelemente auch im Comic. Dass es Schüler gibt, die "ganz ernsthaft" fragen, ob Hitler "vor Asterix oder danach" war, will man allerdings nicht recht glauben, auch wenn ein Historiker sich als Zeitzeuge dafür verbürgt [55] .

    Gegenüber den älteren Kunstgattungen haben neuerdings andere ästhetisch-kulturelle Vermittlungsformen deutlich an Breitenwirkung gewonnen. Das betrifft neben Museen und Ausstellungen vor allem die audiovisuellen Medien: den Film und das Fernsehen. Anscheinend ist unsere Zeit so "museumsfreudig und vor allem museumsgründungsfreudig wie keine zuvor" [56] . Die Themen und "Dingwelten", die als museumswürdig erachtet werden, sind vielfältiger geworden, die Präsentationsweisen reizvoller ("Geschichte als Erlebnis"), so dass die Besucherzahlen kräftig nach oben tendierten. Derzeit verzeichnen die Bilanzen der deutschen Museen und Ausstellungshäuser jährlich etwa 95 Millionen Besuche. Das ist eine sehr hohe Zahl, die zeigt, dass die Museen zu beliebten Aufenthaltsorten der Freizeitgesellschaft geworden sind; sie ist freilich mit der so genannten Drittel-Faustregel zu relativieren: Ein Drittel der Deutschen besucht Ausstellungen häufig, ein Drittel selten und ein Drittel nie. Zu den erfolgreichsten Neugründungen zählt ein zeitgeschichtliches Museum: das Bonner Haus der Geschichte der Bundesrepublik, das bereits 15 Monate nach der Eröffnung den 1 000 000. Gast in der Dauerausstellung begrüßen konnte [57] . Dass der Kinofilm, getragen von einer global vernetzten Filmindustrie, historische Stoffe mit einer noch viel größeren Reichweite präsentieren kann, das haben kürzlich Steven Spielbergs "Schindlers Liste" und "Der Soldat James Ryan" allen vor Augen geführt.

    Das Medium aber, das seit den siebziger Jahren den bei weitem größten Wirkungsvorsprung gewonnen hat und heutzutage als "häufigste und wichtigste Informationsquelle für zeitgeschichtliche Themen" dient, ist das Fernsehen. Dieser Befund gilt für die Mittelwerte aller Altersgruppen und aller Bildungsstufen [58] . "Wie beschäftigen Sie sich mit Geschichte?", fragten Allensbacher Demoskopen im Februar 1991 einen repräsentativen Querschnitt der Deutschen [59] . Man konnte aus einer Liste mit elf möglichen Antworten wählen, Mehrfachnennungen waren erlaubt. Nur recht kleine Minderheiten kreuzten die Alternative an, dass man sich gar nicht mit Geschichte beschäftige (12 Prozent) oder machten keine Angabe (1 Prozent). Fast neun von zehn Deutschen gaben mithin an, sich in irgendeiner Weise mit Geschichte zu beschäftigen - aber wie? Das Fernsehen rangiert an oberster Stelle (67 Prozent) [60] . Mit deutlichem Abstand folgen weitere visuelle Wahrnehmungsformen: "Kirchen, Schlösser und ähnliches besichtigen" (41 Prozent), "Spielfilme mit historischen Themen sehen" (38 Prozent). Recht verbreitet erscheint auch die mündliche Kommunikation: Man unterhält sich "mit anderen Leuten" (38 Prozent), darunter solchen, die "eigene Erfahrungen gemacht haben" (31 Prozent), also Zeitzeugen. Das gedruckte Wort nimmt die Plätze 5 und 7 ein: "Bücher über Geschichte" zu lesen beziehungsweise in Zeitschriften etwas darüber zu erfahren, gaben 34 Prozent beziehungsweise 30 Prozent der Befragten an. Der Museumsbesuch (27 Prozent) rangiert an drittletzter Stelle, aber nach Schulbildungsstufen stark differenziert [61] und insgesamt deutlich vor den Schlusslichtern: in Schule oder Studium Geschichte lernen (13 Prozent), Vorträge hören (8 Prozent), alte Dinge sammeln (8 Prozent).

    Wie die Massenmedialisierung der Geschichte wächst auch die Kommerzialisierung: "History sells". Große Teile der Kulturindustrie verarbeiten den Betriebsstoff "Geschichte" nach den Gesetzen des Markterfolgs, das heißt, sie bereiten ihn nach Maßgabe einer möglichst großen Einschaltquote oder Auflage und einer möglichst hohen Käufer- und Besucherzahl auf. Der Holocaust ist vom Marketing nicht ausgenommen ("Shoa Business") [62] . Geschichte wird als Infotainment verpackt oder zum bloßen Amüsement angeboten, was schön und vergnüglich sein kann, aber auch rasch zu Trivialisierung und Banalisierung führt. Städte, Firmen und Verbände, Institutionen und Organisationen aller Art wissen historische Attribute für Events und Public Relations zu schätzen. Das "intensive Bedürfnis, historische Jahrestage zu feiern" [63] gibt dafür willkommene Anlässe. In der Touristikbranche spielen historische Zitate und Anspielungen eine große Rolle; auch die Werbung für Konsumprodukte bedient sich ihrer. Philip Morris hat den National Archives in Washington 600 000 Dollar bezahlt, um die Bill of Rights neben dem Markennamen abdrucken zu dürfen [64] . Das Public Record Office in London, das nur für wenige Kernaufgaben staatlich finanziert und daher auf Geschichtsvermarktung angewiesen ist, erzielt unter anderem mit dem Verkauf populärer "document packs" Einnahmen (zu den Rennern zählt der Untergang der Titanic). Öffentlich-rechtlich stärker geschützt, hat das Bundesarchiv in Koblenz und Berlin (noch) kein solches Businessprogramm, sondern widmet sich weiterhin mehr der Quellenerschließung als Grundlagenwissenschaft [65] .

    Aufs Ganze gesehen will es scheinen, dass wir in einer Zeit durchgreifender Historisierung leben. Wurde um 1970 ernsthaft gefragt "Wozu noch Geschichte?", so ist unsere Gegenwart von Vergangenheitsbezügen regelrecht überflutet, auch von Nostalgiewellen in der Mode; man denke nur an das historisierende Baudekor, das anspruchsvolle Einfamilienhäuser mit Gauben und Erkern aufputzt. Will man die schwierige und strittige Frage wenigstens streifen, wie der expansive Historismus unserer Tage zu erklären ist, so verweist man gern auf das Kompensations-Theorem, wonach die "Vergangenheitszugewandtheit" der Kultur der Gegenwart - um es mit den Wortgirlanden Hermann Lübbes zu sagen - eine "Kompensation der belastenden Erfahrungen eines änderungstempobedingten kulturellen Vertrautheitsschwundes" ist [66] . Eine noch weiter ausholende Deutung bietet die Postmoderne-Diskussion. Sie ist verzweigt wie ein Mäander und mitunter luftig wie eine Wolke, verweist aber recht übereinstimmend auf die Erschöpfung des Fortschrittsglaubens im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts, womit das Bedürfnis gestiegen sei, Vergewisserung aus der Vergangenheit zu holen.

    In der Tat ist der Siegeszug des Konzepts "Geschichte als Fortschritt" - er reichte vom 18. Jahrhundert bis in die 1970er Jahre und zwang sogar seinen Gegnern das Referenzsystem auf - mittlerweile überholt und ersetzt worden von dem anders akzentuierten Konzept "Geschichte als Gedächtnis". In den Gegen- und Ergänzungsbewegungen zur Moderne, die der Postmoderne-Begriff zu erfassen sucht, sind alle großen Zentraltheorien zerstoben, die so etwas wie eine Einheit der Geschichte synthetisiert haben. Daher beherrschen heute Chiffren und Kürzeln wie "Differenz" und "Alterität" die intellektuelle Szene. Der Singular der Geschichte ist in den Plural der Geschichten zerfallen. Diese Diffusion entspricht der Pluralisierung der Lebensformen und Lebensstile, die "ihre" Geschichte jeweils mit eigenem Sinn füllen. In den USA, dem Land der tausend Minderheiten, ist das noch viel ausgeprägter als hierzulande, weil dort die Geschlechter, Ethnien und Gruppenidentitäten ihre "Identitätspolitik", zum Teil auch ihr Streben nach Opfer-Image ("Culture of Victimization"), historisch grundieren und mit Verve um die Repräsentation "ihrer" Geschichte im öffentlichen Raum ringen.

    VI. Geschichte als Wissenschaft

    Was unterscheidet die zeithistorische Forschung von allen bisher betrachteten Zugangsweisen? Worin liegt das spezifisch "Wissenschaftliche" der Zeithistorie? Will man die Antwort in aller Kürze umreißen, so ist zunächst "der Zweifel an der Geltung von Aussagen" als "konstituierender Faktor" des wissenschaftlichen Denkens zu betonen [67] . Die Geschichtswissenschaft bezieht daher die Bedingungen des Wissens und seines Zustandekommens in die Reflexion mit ein und hat Standards eines "systematischen, regelhaften und nachprüfbaren Wissenserwerbs" entwickelt [68] . Diese wirken sich vielfältig aus: auf die Intensität der Quellenrecherche und der Quellenkritik, auf die Verfahren der empirischen Überprüfung, die Rationalitätskriterien der Argumentation, die Reichweite der Kontextbildung, die Intensität der Differenzierung und nicht zuletzt auch auf den diskursiven Charakter des Forschungsprozesses; denn jede Einzelleistung wird mit vielen Fäden der Rezeption, der wechselseitigen Kontrolle und Kritik in der Fachwelt "diszipliniert" - jedenfalls im Prinzip.

    Damit sind einige Eingangsschwellen angedeutet, die den wissenschaftlichen Zugang zur Zeitgeschichte von anderen Zugängen unterscheiden, vor allem: Quellenkritik, Standpunktreflexion und Forschung als Prozess. Als quellenkritische Experten, auch als Experten der Archiv-Recherche, sind die Zeithistoriker in der Regel kaum angefochten. Sie haben zwar viel Konkurrenz bei der Vermittlung, aber wenig bei der Ermittlung historischer Tatsachen. Hier ist ihre Sachautorität groß, weil sie sich vom Vetorecht der Quellen und dem Zwang zu dokumentarischer Evidenz ableitet. Hier ist auch die fachinterne Einigungschance relativ hoch, was nicht ausschließt, dass manche Kontroverse durch die Jahrzehnte schwelt wie die um den Reichstagsbrand. - Standpunktreflexion: Damit wird die Perspektivengebundenheit jeder historischen Erkenntnis erkannt und anerkannt, gerade so aber auch die Möglichkeit eröffnet, eine Vielzahl von Blickwinkeln gegeneinanderzuhalten oder unterschiedliche Sichtweisen miteinander zu verbinden. Hier geht es nun nicht mehr um die Ermittlung historischer Tatsachen, sondern um ihre Verknüpfung und Einordnung, ihre Erklärung in größeren Zusammenhängen.

    Damit öffnen sich weite Arenen für fachliche Kontroversen, da selbst die strengste historische Methode oft mehrere Möglichkeiten der Verknüpfung und Erklärung offen lässt. Daher können gedankliche Leistungen des Forschers, die für die Konstitution historischer Erkenntnis wichtig sind - wie die Art und die Weite der Kontextbildung oder die Gewichtung von Wirkungsanteilen in komplexen Wirkungszusammenhängen - strittig bleiben, ohne dass der Streit mit fachlichen Kriterien definitiv zu entscheiden ist. Anders gesagt: Forschung kann immer nur relationale Erkenntnis hervorbringen - in Relation zu dem Entwurf, in dessen Licht die Ergebnisse zum Vorschein kommen, wobei dem Entwurf immer die Begrenztheit der Forschungsperspektive anhaftet [69] .

    Jeder Zeithistoriker weiß das, aber man muss es dreimal betonen, um der missverständlichen Sprachkonvention entgegenzuwirken, die Wissenschaft sei "objektiv". Besser wäre es, den Objektivitätsbegriff aus dem Verkehr zu ziehen, jedenfalls als Imponiervokabel im Gespräch zwischen Fachmann und Laien. Man erweckt sonst die Vorstellung, die Zeithistorie könne aus dem Strom der Zeit herausspringen und ihn vom festen, eben "objektiven" Ufer aus betrachten und beurteilen. Das kann sie aber keineswegs. Sie rudert vielmehr mittendrin, verfügt freilich mit ihren methodischen Standards über einige Navigationshilfen besonderer Art. Bei aller Wertschätzung der Leistung einzelner Forscher kommt dabei dem prozessualen Charakter der Forschung grundlegende Bedeutung zu. Denn die Debatten und Kontroversen der "scientific community" sind die einzige Gewähr dafür, dass die Chancen zur wechselseitigen Kontrolle und Korrektur genutzt werden oder zumindest grundsätzlich offen bleiben. Darin liegt ein wichtiges intersubjektives Korrektiv, das freilich keine "Objektivität" verbürgt, eher eine Art Fließgleichgewicht der Disziplin.

    Dieses so knapp wie nur möglich umrissene Wissenschaftsverständnis ist hinreichend abgerüstet, um übertriebene Geltungsansprüche gar nicht erst aufkommen zu lassen. Gleichwohl tritt die Geschichtswissenschaft damit in ein Spannungs- oder auch Konkurrenzverhältnis zu Zugangsweisen, die anderen Regeln folgen. Mit Hilfe einiger kontrastierender Gegenüberstellungen lässt sich die Eigenart des wissenschaftlichen Zugangs noch etwas klarer und konkreter abgrenzen.

    Die am weitesten ausholende Unterscheidung stellt "memory" und "history" einander gegenüber. Damit ist einerseits das kollektive Gedächtnis als Inbegriff aller nicht wissenschaftlichen Erinnerungsweisen gemeint und andererseits die Historie im Sinne eines wissenschaftlich fundierten Geschichtsbewusstseins. Sehr zugespitzt, aber ganz vorzüglich hat neuerdings Peter Novick die Differenz bezeichnet: Das kollektive Gedächtnis sei in gewisser Hinsicht nicht nur ahistorisch, sondern sogar antihistorisch. Etwas historisch zu verstehen bedeute ja, "sich seiner Komplexität bewusst zu sein, über eine hinreichende Distanz zu verfügen, es aus mehreren Perspektiven zu sehen, die Mehrdeutigkeit (auch die moralische Mehrdeutigkeit) der Motive und Verhaltensweisen der Protagonisten zu akzeptieren". Das kollektive Gedächtnis hingegen vereinfache; es nehme die Ereignisse aus einer einzigen, interessierten Perspektive zur Kenntnis und dulde keine Mehrdeutigkeit. Außerdem nehme die Historie die zeitliche Dimension der Vergangenheit ernst, ihre "Geschichtlichkeit", die aus Bedingungen erwachsen ist, die sich von denen, die heute gelten, unterscheiden. "Das kollektive Gedächtnis hingegen hat kein Gespür für das Verstreichen der Zeit; es negiert die ,Vergangenheit' seiner Gegenstände und beharrt auf ihrer fortdauernden Gegenwart." [70]

    Das enger gefasste Begriffspaar Gedächtnisfeier und Lernprozess hat Chaim Schatzker im Blick auf die Shoah erläutert. Gedächtnisfeier: darunter versteht er symbolische Akte der Trauer, rituelle Zeremonien, die vorwiegend an die Emotion appellieren. Sie überdecken oder mildern die schwer zu ertragende Wirklichkeit, entrücken sie, um sie erträglich zu machen. Sie spenden Trost angesichts der Wunden schmerzlicher Erinnerung. Grundsätzlich anders der Lernprozess: Hier dominiert die rationale, nüchterne Analyse, die methodisch kontrollierte Erklärung von Zusammenhängen; hier geht es nicht um Emotion, sondern um Kognition. Schatzker hat diese beiden Grundformen scharf voneinander getrennt. Er betont, beide seien berechtigt und notwendig, aber man dürfe sie nicht verwischen, sonst sei keiner der beiden ein guter Dienst getan [71] . Gewiss kann man darüber streiten, ob Emotion und Kognition so radikal voneinander getrennt werden können [72] . Aber in der grundsätzlichen Unterscheidung von Gedächtnisfeier und Lernprozess ist Schatzker auf jeden Fall zuzustimmen, und was er über den Lernprozess sagte, gilt erst recht für den Forschungsprozess und somit für die Abgrenzung von Gedenken und Erforschen.

    Gedächtnis- und Gedenkfeiern haben einen hohen emotionalen Gehalt. Je nach dem Charakter der Feier dominiert die Grundemotion der Trauer oder der Bewunderung, verbunden mit moralischen Wertbezügen, die in tröstender, mahnender oder preisender Absicht akzentuiert werden [73] . Daher kommen in solchen Feiern sozialpädagogische Konventionen und Sprachregeln der political correctness stark zur Geltung, auch Fragen des Stils, wie zum Beispiel der Sturz des Bundestagspräsidenten Philipp Jenningers zeigt: Am 50. Jah-restag des Pogroms vom 9. November 1938 sagte er nichts Falsches, aber er verfehlte den Ton, den die Erinnerungsvirtuosen für angemessen hielten. Er "verwechselte ein Gedenkzeremoniell mit einem historischen Kolleg" [74] ; zudem wirkte er rhetorisch ungelenk. In diesem Fall kann man sich fragen, ob das eigentlich Peinliche nicht eher die überhitzte und überzogene Reaktion der Kritiker war. Hätte Jenninger glatt und routiniert gesprochen, so hätte er sein hohes Amt behalten können.

    Ein anderes Beispiel macht die Berechtigung der Abgrenzung von Gedenken und Erforschen klarer: Die jährliche Gedächtnisfeier in der KZ-Gedenkstätte Dachau ist gewiss nicht der richtige Ort, um so diffizile Fragen wie die Rolle der so genannten Funktionshäftlinge zu traktieren. Das waren Häftlinge, denen die SS-Macht über andere Häftlinge gab und die ihre Macht nicht selten schlimm gebrauchten. Solche Binnendifferenzierungen der Häftlingsgesellschaft zu erarbeiten, ebenso "ein differenzierteres Bild einer Bandbreite menschlicher Möglichkeiten auch in der schwarzen Uniform", zählt aber entschieden zu den Aufgaben der Geschichtswissenschaft [75] . Die Wirkung von Gedenkfeiern beruht großenteils auf den Regeln emotionaler Vergemeinschaftung. Hingegen zielen die Regeln der Wissenschaft auf eine methodisch kontrollierte, gewissermaßen analytisch-kalte "Distanzierung" - umso mehr, wenn der Untersuchungsgegenstand spontan zu äußerstem "Engagement" herausfordert [76] . Daher muss die Profession der Historiker auch im Blick auf den Völkermord an den Juden mit Nachdruck auf einer genauen und analytischen Durchdringung der realen geschichtlichen Zusammenhänge und insofern auf einer "Historisierung" bestehen - in deutlichem Abstand zu den Tendenzen, Auschwitz in die Sphäre des Sakralen zu rücken und als Einbruch des Absoluten in die Welt des Relativen mit quasireligiösen Zügen darzustellen [77] .

    Der Grenzverlauf zwischen Historiographie und Literatur ist seit dem "linguistic turn" etwas ins Schwimmen geraten. Wir achten aufmerksamer als früher auf die Bedeutung der Sprachgebundenheit historiographischer Texte, auf ihre Durchwirkung mit literarischen Mustern und imaginativen Elementen. Aber der Parole "Auch Clio dichtet" ist doch sehr zu Recht entgegengehalten worden, dass der Historiker "einen anderen Kontrakt mit dem Leser hat als der Romancier" und sich daher "weniger Freiheiten mit dem Rohmaterial erlauben" darf [78] . Die Kategorie des Ästhetischen, die die Eigenart der Literatur ausmacht, gibt dem Schriftsteller freie Hand im Umgang mit dem Fiktionalen, während der Historiker seine empirischen Bezüge nicht erfinden darf, sondern finden muss, nämlich im oft spröden und sperrigen Quellenmaterial; obendrein hat er nur recht begrenzte ästhetische Gestaltungsmittel zur Hand, wenn er untersucht, erörtert und argumentiert. So kann die Literatur die Vorstellungskraft des Lesers viel stärker in ihren Bann ziehen als die Historiographie es vermag; aber dafür kann die Historie die Vorzüge der Wissensform der Wissenschaftlichkeit für sich geltend machen [79] .

    Was die Frage der Darstellbarkeit historischer Stoffe in den audiovisuellen Medien betrifft, so sind die Formen der Erprobung und die fachlichen Debatten noch sehr im Fluss. Der Diskussionsstand lässt sich daher kaum in wenigen Sätzen umreißen, zumal der Dachbegriff des Audiovisuellen sehr verschiedenartige Genres umfasst, mit weitem Pendelschlag zwischen Nonfiction und Fiction und mit jeweils eigenen Regeln der Produktion und Rezeption: von der betont lehrhaften Dokumentation über Mischformen des "infotainment" bis zum anspruchvollsten künstlerischen Experiment [80] . Die Präsentation historischer Stoffe in Tönen und bewegten Bildern bietet bestechende Möglichkeiten, die kein gedruckter Text erreichen kann. Aber das geschriebene Wort - mitsamt dem "Fußnotenkeller" (Ulrich Raulff) - ist aufnahmefähiger als zum Beispiel das Fernsehen, wenn es um Geschichte als Wissenschaft geht. Die Divergenz wächst in dem Maße, in dem das Fernsehen sich an ein breiteres Publikum richtet, dessen Aufmerksamkeit in jedem Augenblick neu erobert sein will, weil es sonst gelangweilt "zappen" würde. Die ZDF-Sendereihe "Hitlers Helfer", der es 1998 gelang, pro Sendung bis zu acht Millionen Zuschauer an den Bildschirm zu binden, hat daher sowohl die enormen Popularisierungschancen als auch genrespezifische Verzerrungsgefahren besonders deutlich gemacht [81] .

    Hierzu zählt die Tendenz zur Emotionalisierung, verbunden mit der Illusion, man sei dem historischen Geschehen ganz nah und könne es gewissermaßen sinnlich begreifen. Bilder und Töne, zumal bewegte Bilder und musikalische Effekte, haben eine große sinnliche Evidenz. Sie löschen Distanz, erwecken den Eindruck des authentischen Erlebens, so als sehe man mit den eigenen Augen, "wie es eigentlich gewesen ist". Was auf der Leinwand und dem Bildschirm vorkommt, muss visualisierbar sein. Aber das Auge ist, mit den Worten des Kunsthistorikers Willibald Sauerländer, des Menschen "verführbarster Sinn", und ihm bleibt vieles verborgen, was für die historische Erkenntnis unabdingbar ist: Begriffe, Kategorien, komplexe Erklärungen. Hier könnten Kommentare, verbale Erläuterungen helfen, aber des Gedankens Blässe schadet dem dramatisch bewegten, farbigen Bild und drückt auf die Quote. "Wie wird man ein Kriegsverbrecher?", fragt eine Stimme aus dem "Off" in "Hitlers Helfer" und gibt die Antwort im Stakkato: "Indem man einem Tyrannen folgt." Eine solche Pseudoerklärung vermittelt noch nicht einmal in homöopathischer Dosierung, was sich mit der Lektüre von 23 Seiten Wissenschaftsprosa über Hitlers charismatische Herrschaft fundiert erschließen ließe [82] . Übrigens ließ auch "Schindlers Liste", der gefeierte Film, die Leute aus dem Kino gehen, "ohne in irgendeiner Weise über den historischen Zusammenhang belehrt zu sein" [83] .

    Zur Emotionalisierung gesellt sich die Personalisierung. Das bewegte Bild braucht Aktion, und da Strukturen nicht handeln können, sieht man handelnde Personen. Dieses Darstellungsprinzip ist natürlich ganz legitim. Wer wollte es dem Publikum verargen, dass es die Personalisierung als die eingängigste und interessanteste Form der Welterfassung schätzt? Die Zeiten, in der bestimmte historiographische Denkschulen meinten, immerzu menschenleere Strukturlandschaften entwerfen zu müssen, sind glücklicherweise vorbei. Aber Fernsehproduktionen im Stil von "Hitlers Helfer" schneiden die Handlungen von ihren Bedingungen ab, um sie leichter servieren zu können. Strukturen und Prozesse sind weitaus schwerer zu visualisieren als Ereignisse und Handlungen. Der Zwang zum Bild bringt es daher mit sich, dass Fernsehdokumentationen generell dazu neigen, die Fülle der nicht an Personen gebundenen Bedingungsfaktoren weniger zu belichten oder gar auszublenden. So werden zum Beispiel institutionelle Zusammenhänge selten hinreichend erklärt, obwohl sie die Verhaltensmöglichkeiten der Menschen oft mehr beeinflussen, als es die individuelle Moral oder die individuelle Absicht tut. Auch bei der Auswahl der Zeitzeugen, die im Fernsehen zu Wort (oder zu einigen Satzschnipseln) kommen, rangiert "human touch" nicht gerade selten vor der Aussagekraft.

    Wie die Sendereihe "Hitlers Helfer" verdeutlicht, folgen Wissenschaft und Mediengesellschaft verschiedenen Regeln und Routinen. Dass diese nicht nur divergieren, sondern geradezu konfligieren können, hat in jüngster Zeit die Goldhagen-Debatte verblüffend klar gemacht. Fast lupenrein haben sich in der Goldhagen-Debatte die Meinungen geschieden "zwischen Kennern der Materie einerseits und andererseits den Medien und denjenigen, die ihre Informationen weitgehend durch die Medien beziehen". Je besser die Historiker mit der Materie vertraut waren, um so schärfer fiel in der Regel die Kritik aus, in der deutschen Fachwelt nicht weniger als in der internationalen [84] . Die fachliche Kritik war im Grunde niederschmetternd, aber das tat dem überwältigenden Medienerfolg des jungen amerikanischen Politologen, dem triumphalen Erfolg seiner Tournee und dem reißenden Absatz seines Buches keinen Abbruch. Umgekehrt fehlte dem thematisch ganz ähnlich gelagerten, indes wissenschaftlich vorzüglichen Buch von Christopher Browning [85] die Brisanz für eine Mediendebatte: Hier gab es keine massive PR-Kampagne, keine Nachrichtenfaktoren, keine plakativ versimpelte These; hier wurde weder das Sensationsbedürfnis gereizt noch die Glaubensbereitschaft eines willigen Publikums getroffen, das - quasireligiös berührt - Goldhagens Buch wie einen Ablass kaufte [86] .

    Spricht hier der nörgelnde Neid einer Zunft, deren eigene Mittel - Abhandlungen, Monographien, Quelleneditionen und dergleichen - für das breite Publikum ungeeignet sind? Man möge mich nicht missverstehen. Die abgrenzenden Überlegungen sollen keineswegs den Eindruck erwecken, als hätten die Zeithistoriker die Seriosität in Erbpacht, während alle anderen, zumal die massenmedialen Vermittler der Zeitgeschichte, mit dem Makel der Unseriosität leben müssten. Dem wäre zweierlei entgegenzuhalten. Zunächst: Auch in den heiligen Hallen der Fachwissenschaft kann "gemogelt und geschlampt, getürkt und gebogen" werden [87] . Jedem Forscher können Fehler unterlaufen, jeder trägt selber "Primärerfahrung" im Gepäck, viele beziehen geschichtspolitische Positionen, und nicht wenige drängen sich auf die Kanzeln der Erinnerungskultur und sehnen sich nach einem Fernsehauftritt oder doch wenigstens einer Taschenbuchausgabe. Wenn die spezifische Leistungskraft der Fachhistorie hervorgehoben wird, so ist - wie oben dargelegt - auch nicht so sehr der einzelne Forscher gemeint, vielmehr der Prozess der Forschung, der von den kritischen Debatten der "scientific community" getragen wird und die Chance zur Selbstkontrolle und Selbstkorrektur stets offen hält.

    Sodann geht es auch nicht darum, den anderen Instanzen und Formen der Repräsentation von Geschichte ihre jeweils spezifische Legitimität zu bestreiten. Jede Zugangsweise hat ihre besonderen Möglichkeiten und Grenzen, jede kennt eigene Zwecke und Erfordernisse. Wir haben es also mit einem Ensemble relativer Autonomie zu tun, das auf Unterscheidungen beruht, aber auch Austausch und produktive Konkurrenz ermöglicht. So hat die zeitgeschichtliche Forschung, indem sie einen Fundus kritisch geprüften Wissens erarbeitet und bereit stellt, eine ganz unentbehrliche Servicefunktion für alle anderen Bereiche, denn diese sind durchwegs eher Vermittler und Verwender als Zulieferer des empirisch kontrollierten Wissensspeichers. Daneben hat die Zeithistorie die Aufgabe, den öffentlichen Gebrauch der Geschichte kritisch zu begleiten. Erinnerungsvielfalt heißt nicht, alles für erlaubt zu erklären. Die Fachkompetenz kann dazu beitragen, dass Pluralität nicht zur Beliebigkeit verkommt, und sie muss dazu beitragen, "Geschichtslegenden, auch politische Mythologeme, die in der Öffentlichkeit in Geltung sind, kalt und entschieden zu entlarven" [88] .

    Die Zeithistoriker haben laut zu widersprechen, wenn sie im öffentlichen Gebrauch der Geschichte Unverantwortliches wahrnehmen, wie etwa den Missbrauch ihrer Forschungsergebnisse oder die Verdrehung von Tatsachen - oder auch verheerende Missgriffe in einer schlampig gemachten Ausstellung [89] . Umgekehrt bedürfen die Ergebnisse der zeithistorischen Forschung in der Regel der Vermittler und Übersetzer, wenn sie einem größeren Publikum nahe gebracht werden sollen. Insofern sind die Historiker gut beraten, wenn sie auf solche Experten zugehen und die Zusammenarbeit mit ihnen suchen.
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    Fußnoten

    1.
    Frank Bösch, Das "Dritte Reich" ferngesehen. Geschichtsvermittlung in der historischen Dokumentation, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht, (1999), S. 204-220, hier S. 218.
    2.
    Geleitwort zum 100. Band der Historischen Zeitschrift (1908), in: Friedrich Meinecke, Zur Geschichte der Geschichtsschreibung, hrsg. von Eberhard Kessel, München 1968, S. 5-11, hier S. 9.
    3.
    Vgl. Henri Rousso, La hantise du passé: entretien avec Philippe Petit, Paris 1998.
    4.
    Sabine R. Arnold, Stalingrad im sowjetischen Gedächtnis. Kriegserinnerung und Geschichtsbild im totalitären Staat, Bochum 1998.
    5.
    Auf ähnliche Weise hat die staatstragende Ideologie der SED-Diktatur die individuellen Erinnerungen von Überlebenden des Widerstands gegen den Nationalsozialismus okkupiert und transformiert. Vgl. dazu Jürgen Danyel, Die Opfer- und Verfolgtenperspektive als Gründungskonsens? Zum Umgang mit der Widerstandstradition und der Schuldfrage in der DDR, in: ders. (Hrsg.), Die geteilte Vergangenheit. Zum Umgang mit Nationalsozialismus und Widerstand in beiden deutschen Staaten, Berlin 1995, S. 31-46.
    6.
    Vgl. Jan Foitzik, Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) 1945-1949. Struktur und Funktion, München 1999, S. 429. Mit der Gründung der DDR, des "neuen Deutschland" an der Seite der "sowjetischen Freunde", änderte sich die Konstellation: Seit 1950 war der 8. Mai ein Staatsfeiertag der DDR ("Tag der Befreiung").
    7.
    Christoph Kleßmann, Die doppelte Staatsgründung. Deutsche Geschichte 1945-1955, Göttingen 1982, S. 353.
    8.
    Klaus-Dietmar Henke, Die amerikanische Besetzung Deutschlands, München 1995.
    9.
    Vgl. Walter Kempowski, Das Echolot. Ein kollektives Tagebuch, Januar und Februar 1943, München 1993².
    10.
    Aus der seit rund zehn Jahren gewaltig anschwellenden, inzwischen schon weithin redundanten Literatur zum Stichwort "Geschichte als Gedächtnis" und zur Gedächtnis-Typologie vgl. vor allem Jan Assmann, Das kulturelle Gedächtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen, München 1999²; zusammenfassend ders., Erinnern, um dazuzugehören, in: Kristin Platt/Mihran Dabag (Hrsg.), Generation und Gedächtnis. Erinnerungen und kollektive Identitäten, Opladen 1995, S. 51-75. Vgl. auch Lutz Niethammers einschlägige Beiträge, vereint im Kapitel "Geschichte und Gedächtnis" seines Sammelbandes: Deutschland danach. Postfaschistische Gesellschaft und nationales Gedächtnis, hrsg. von Ulrich Herbert u. a., Bonn 1999, S. 536-607.
    11.
    L. Niethammer (Anm. 10), S. 565. Über ein derzeit laufendes Forschungsprojekt zur Tradierung von Geschichtsbewusstsein in Familien vgl. Harald Welzer, Nazis, das waren immer die andern. Wie Familien NS-Geschichte tradieren, in: Neue Zürcher Zeitung vom 23. April 2001.
    12.
    Vgl. als Zwischenbilanz eines weiter gefassten Forschungsprojekts Friedhelm Boll, Beobachtungen aus lebensgeschichtlichen Interviews mit Verfolgten des Nationalsozialismus und mit Verfolgten der SBZ/DDR, in: Klaus Dieter Müller/Annegret Stephan (Hrsg.), Die Vergangenheit lässt uns nicht los, Berlin 1998, S. 153-172.
    13.
    Zitiert nach der Laudatio in: Martin Walser, Erfahrungen beim Verfassen einer Sonntagsrede. Friedenspreis des deutschen Buchhandels 1998. Mit einer Laudatio von Frank Schirrmacher, Frankfurt/M. 1998.
    14.
    Binjamin Wilkomirski, Bruchstücke. Aus einer Kindheit 1939-1948, Frankfurt/M. 1995².
    15.
    Brigitta Huhnke, Die Singularität des Holocaust, in: Jens Mecklenburg/Wolfgang Wippermann (Hrsg.), "Roter Holocaust"?, Hamburg 1998, S. 118-141.
    16.
    Vgl. aus der Fülle der Presseberichte Verena Lueken, Ich bin ein Victim, in: FAZ vom 26. Juni 1999; ferner Stefan Mächler, Der Fall Wilkomirski. Über die Wahrheit einer Biographie, Zürich - München 2000; Elena Lappin, Der Mann mit zwei Köpfen, Zürich 2000.
    17.
    Die Zeit vom 8. Dezember 1998.
    18.
    L. Niethammer (Anm. 10), S. 569.
    19.
    Ruth Klüger, Weiter leben. Eine Jugend, München 1995, S. 34.
    20.
    So in anderem Zusammenhang Arnold Esch, Der Umgang des Historikers mit seinen Quellen, in: Lothar Gall/Rudolf Schieffer (Hrsg.), Quelleneditionen und kein Ende?, München 1999, S. 129-147, Zitat S. 146.
    21.
    Vgl. z. B. Wolfgang Kraushaar, Der Zeitzeuge als Feind des Historikers? Neuerscheinungen zur 68er-Bewegung, in: Mittelweg 36, (1999) 8, S. 49-72; Alexander von Plato, Zeitzeugen und historische Zunft. Erinnerung, kommunikative Tradierung und kollektives Gedächtnis in der qualitativen Geschichtswissenschaft - ein Problemaufriß, in: Bios, 13 (2000), S. 5-29.
    22.
    Ein hartnäckiger Irrtum des Zeitzeugen Franz Josef Strauß ist aufgespießt bei Rudolf Morsey, Von Windthorst bis Adenauer. Ausgewählte Aufsätze zu Politik, Verwaltung und politischem Katholizismus im 19. und 20. Jahrhundert, Paderborn 1997, S. 841 f.
    23.
    Frappierende Fehlwahrnehmungen zeigt Angela Schwarz, Die Reise ins Dritte Reich. Britische Augenzeugen im nationalsozialistischen Deutschland 1933-39, Göttingen 1993.
    24.
    Vgl. Johannes Fried, Erinnerung und Vergessen. Die Gegenwart stiftet die Einheit der Vergangenheit, in: Historische Zeitschrift, 271 (2001) (im Druck); Harald Welzel, Das Interview als Artefakt. Zur Kritik der Zeitzeugenforschung, in: Bios, 13 (2000), S. 51-63.
    25.
    Vgl. dazu - mit Nachweis der Zitate - Hans Günter Hockerts, Zeitgeschichte in Deutschland. Begriff, Methoden, Themenfelder, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 29-30/93, S. 3-19.
    26.
    Vgl. Arnold Esch, Zeitalter und Menschenalter. Die Perspektiven historischer Periodisierung, in: Historische Zeitschrift, 239 (1984), S. 309-351.
    27.
    Davon wissen z. B. die Autoren des Buches Ulrich Kluge u. a., Willfährige Propagandisten. MfS und Bezirkszeitungen: "Berliner Zeitung", "Sächsische Zeitung", "Neuer Tag", Stuttgart 1997, ein Lied zu singen; vgl. dazu Peter Marx, Natürliche Abwehr, in: Journalist, (1997) 8, S. 28-30.
    28.
    Hans Buchheim/Hermann Graml, Die fünfziger Jahre: Zwei Erfahrungsberichte, in: Horst Möller/Udo Wengst (Hrsg.), 50 Jahre Institut für Zeitgeschichte. Eine Bilanz, München 1999, S. 69-83, Zitat S. 77.
    29.
    Vgl. L. Niethammer (Anm. 10), S. 13.
    30.
    Viele Beispiele finden sich in der von Wolfgang Benz und Barbara Distel herausgegebenen Studien- und Dokumentenreihe "Dachauer Hefte", zuletzt Heft 16, Dachau 2000; vgl. auch Max Mannheimer, Spätes Tagebuch. Theresienstadt, Auschwitz, Warschau, Dachau, Zürich - München 2000.
    31.
    Vgl. Johannes Tuchel, Die Kommandanten des KZ Dachau, in: Dachauer Hefte, 10 (1994), S. 69-90.
    32.
    Vgl. Michael Pollak, Die Grenzen des Sagbaren. Lebensgeschichten von KZ-Überlebenden als Augenzeugenberichte und als Identitätsarbeit, Frankfurt/M. - New York 1988, S. 92.
    33.
    Vgl. J. Assmann (Anm. 10), S. 215-228.
    34.
    Vgl. Otto Gerhard Oexle (Hrsg.), Memoria als Kultur, Göttingen 1995.
    35.
    Vgl. Hans Maier, Die christliche Zeitrechnung, Freiburg 20005.
    36.
    Vgl. Helmut Moll (Hrsg.), "Zeugen für Christus". Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts, Paderborn - München 1999.
    37.
    Peter Novick, Nach dem Holocaust. Der Umgang mit dem Massenmord, Stuttgart - München 2001, S. 24; Y. Michael Bodemann, Gedenk-Kult und Gedenk-Kultur, in: Gibt es wirklich eine Holocaust-Industrie? Zur Auseinandersetzung um Norman Finkelstein, hrsg. von Ernst Piper, Zürich-München 2001, S. 161-175, hier S. 172.
    38.
    Vgl. Petra Bock/Edgar Wolfrum (Hrsg.), Umkämpfte Vergangenheit. Geschichtsbilder, Erinnerung und Vergangenheitspolitik im internationalen Vergleich, Göttingen 1999, wo u. a. auf die Mobilisierung von Geschichtsbildern für den Krieg im ehemaligen Jugoslawien und den Bürgerkrieg mit völkermordartigen Auswüchsen in Ruanda hingewiesen wird.
    39.
    Vgl. Markus Völkel, Geschichte als Vergeltung. Zur Grundlegung des Revanchegedankens in der deutsch-französischen Historikerdiskussion 1870/71, in: Historische Zeitschrift, 257 (1993), S. 63-107.
    40.
    Vgl. zum Beispiel Edgar Wolfrum, Geschichtspolitik in der Bundesrepublik Deutschland. Der Weg zur bundesdeutschen Erinnerung 1948-1990, Darmstadt 1999; Katherina Oehler, Geschichte in der politischen Rhetorik. Historische Argumentationsmuster im Parlament der Bundesrepublik Deutschland, Hagen 1989; Aleida Assmann/Ute Frevert, Geschichtsvergessenheit, Geschichtsversessenheit. Vom Umgang mit deutschen Vergangenheiten nach 1945, Stuttgart 1999.
    41.
    Vgl. Peter Reichel, Politik mit der Erinnerung. Gedächtnisorte im Streit um die nationalsozialistische Vergangenheit, München 1995.
    42.
    Bezeichnend ist ein Symposium des Bonner Hauses der Geschichte "Europäische Geschichte als Basis für ein neues europäisches Identitätsbewußtsein", dokumentiert in: Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.), Europäische Geschichtskultur im 21. Jahrhundert, Berlin 1999.
    43.
    So der Titel einer der beiden einschlägigen Enquete-Kommissionen des Deutschen Bundestages, Bd. I-IX, Baden-Baden - Frankfurt/M. 1995.
    44.
    Peter Reichel, Wenn Auschwitz aufhört, weh zu tun, in: FAZ vom 25. Januar 2000.
    45.
    Hierzu jetzt grundlegend: Norman M. Naimark, Fires of Hatred. Ethnic Cleansing in Twenthieth-Century Europe, London 2001. Naimark untersucht den Genozid an den Armeniern, den Völkermord an den Juden, die Vertreibung der Deutschen, Stalins Völker-Deportationen und den "Säuberungs"-Fanatismus auf dem Balkan nach 1990. Eine überzeugende Gesamtschau auch bei Mark Mazower, Der dunkle Kontinent. Europa im 20. Jahrhundert, Berlin 2000, bes. S. 310-320.
    46.
    In die richtige Richtung weist neuerdings der Begleitband zu einer ARD-Dokumentationsreihe: Hans Lemberg/K. Erik Franzen, Die Vertriebenen. Hitlers letzte Opfer, Berlin - München 2001.
    47.
    Vgl. H. Rousso (Anm. 3); Jürg Altwegg, Die langen Schatten von Vichy. Frankreich, Deutschland und die Rückkehr des Verdrängten, München-Wien 1998.
    48.
    Vgl. Nanda van der Zee, "Um Schlimmeres zu verhindern . . .". Die Ermordung der niederländischen Juden: Kollaboration und Widerstand, München 1999; Jan de Moor, Westerling's Orloog. Indonesien 1945-1950, Amsterdam 1999.
    49.
    Vgl. Rolf Schörken, Geschichte in der Alltagswelt, Stuttgart 1981; Wolfgang Hardtwig, Geschichtskultur und Wissenschaft, München 1990; Klaus Füßmann u. a. (Hrsg.), Historische Faszination. Geschichtskultur heute, Köln u. a. 1994.
    50.
    Vgl. Das Gedächtnis der Kunst. Geschichte und Erinnerung in der Kunst der Gegenwart. Katalog zur Ausstellung im Historischen Museum und in der Schirn Kunsthalle Frankfurt am Main vom 16. 12. 2000 - 18. 3. 2001, hrsg. von Kurt Wettengel, Ostfildern 2000.
    51.
    Vgl. Jörg Christöphler/Andrea Dipper, Die Anschaulichkeit der Geschichte in Historiographie und Malerei - Eine Skizze, in: Stefan Jordan (Hrsg.), Zukunft der Geschichte. Historisches Denken an der Schwelle zum 21. Jahrhundert, Berlin 2000, S. 123-143.
    52.
    Vgl. Hans-Michael Körner/Katharina Weigand, Denkmäler in Bayern, Augsburg 1997.
    53.
    Zuerst 1956 erschienen, jetzt wiederentdeckt und bei Suhrkamp 1999 neu verlegt.
    54.
    Vgl. Zohar Shavit, Schlüssel der Erinnerung - Deutsche Geschichten aus Kinderbüchern, in: Tel Aviver Jahrbuch für deutsche Geschichte, 26 (1997), S. 411-433.
    55.
    Nämlich Hans-Ulrich Wehler, Gedenktage und Geschichtsbewußtsein, in: Hans-Jürgen Pandel (Hrsg.), Verstehen und Verständigen, Pfaffenweiler 1991, S. 197-215, Zitat S. 211.
    56.
    Gottfried Korff, Ausstellungsgegenstand Geschichte, in: Frank Niess (Hrsg.), Interesse an der Geschichte, Frankfurt/M. - New York 1989, S. 65-76, hier S. 67.
    57.
    Vgl. Hermann Schäfer, Zur Erinnerungskultur am Beispiel der Erfahrungen des "Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland", in: Jürgen Wilke (Hrsg.), Massenmedien und Zeitgeschichte. Berichtsband der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft (DGPuK) vom 20. bis 22. Mai 1998 in Mainz zum Thema Massenmedien und Zeitgeschichte, Konstanz 1999, S. 284-295, hier S. 287. Zu Ergebnissen und Aufgaben der Besucherforschung, die vom Haus der Geschichte mustergültig betrieben wird, vgl. Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.), Museen und ihre Besucher. Herausforderungen in der Zukunft, Berlin 1996.
    58.
    Vgl. Walter Klingler u. a., Fernsehen und unser Erinnerungsinteresse an zeitgeschichtlichen Ereignissen, in: J. Wilke (Anm. 57), S. 317-332, Zitat S. 318.
    59.
    Vgl. Allensbacher Jahrbuch der Demoskopie 1984-1992, München u. a. 1993, S. 372.
    60.
    Bevölkerung insgesamt 67 %, unterschieden nach Schulbildung: einfacher Abschluss 62 %, mittlerer Abschluss 70 %, höherer Abschluss 77 %.
    61.
    Einfacher Abschluss 17 Prozent, mittlerer Abschluss 32 Prozent, höherer Abschluss 50 Prozent.
    62.
    Abwägend Ulrich Speck, Zum öffentlichen Gebrauch der Shoa in Deutschland, in: Merkur, 53 (1999), S. 120-127; polemisch: Richard Chaim Schneider, Fetisch Holocaust. Die Judenvernichtung - verdrängt und vermarktet, München 1997 sowie Norman G. Finkelstein, Die Holocaust-Industrie. Wie das Leiden der Juden ausgebeutet wird, München - Zürich 2001.
    63.
    Wolfgang Hardtwig, Die Sehnsucht nach Größe. Über das intensive Bedürfnis, historische Jahrestage zu feiern, in: ders. (Anm. 49), S. 302-309.
    64.
    Vgl. Robert B. Reich, Die neue Weltwirtschaft. Das Ende der nationalen Ökonomie, Frankfurt a. M. 1996, S. 122.
    65.
    Vgl. Friedrich F. Kahlenberg, Wissenschaftlicher Informationswert und ökonomische Voraussetzungen zeitgeschichtlicher Quelleneditionen, in: L. Gall/R. Schieffer (Anm. 20), S. 113-128.
    66.
    Hermann Lübbe, Die Gegenwart der Vergangenheit. Kulturelle und politische Funktionen des historischen Bewusstseins, Oldenburg 1985, S. 13.
    67.
    Vgl. Jörn Rüsen, Historische Vernunft. Grundzüge einer Historik I: Die Grundlagen der Geschichtswissenschaft, Göttingen 1983, S. 88. Zu den postmodernen Anfechtungen der historischen "Normalwissenschaft" vgl. Geschichte schreiben in der Postmoderne. Beiträge zur aktuellen Diskussion, hrsg. von Christoph Conrad und Martina Kessel, Stuttgart 1994; vgl. ferner Richard J. Evans, Fakten und Fiktionen. Über die Grundlagen historischer Erkenntnis, Frankfurt/M. - New York 1998.
    68.
    W. Hardtwig (Anm. 49), S. 7.
    69.
    Vgl. H. G. Hockerts (Anm. 25), S. 11.
    70.
    P. Novick (Anm. 37), S. 14 f. (in Anlehnung an den französischen Soziologen Maurice Halbwachs).
    71.
    Vgl. Chaim Schatzker, Die Rezeption der "Shoa" durch das israelische Bildungswesen und die israelische Gesellschaft, in: Wolfgang Scheffler/Werner Bergmann (Hrsg.), Lerntag über den Holocaust als Thema im Geschichtsunterricht und in der politischen Bildung, Berlin 1988, S. 77-85; Chaim Schatzker/Dieter Schmidt-Sinns, Judentum und Israel in der politischen Bildung, hrsg. von der Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2000.
    72.
    Dazu grundsätzlich und aufschlussreich: Luc Ciompi, Die emotionalen Grundlagen des Denkens. Entwurf einer fraktalen Affektlogik, Göttingen 1997.
    73.
    Eine tragfähige Klassifikation von Formen und Stätten des Gedenkens bietet Thomas Hertfelder, Vom Nutzen und Nachteil einer Heuss-Gedenkstätte in Stuttgart. Das Theodor-Heuss-Haus im Kontext der deutschen Gedenkstättenlandschaft, in: Jahrbuch der Liberalismus-Forschung, (1997), S. 205-222.
    74.
    P. Reichel (Anm. 41), S. 318.
    75.
    Vgl. Lutz Niethammer, Häftlinge und Häftlingsgruppen im Lager, in: Ulrich Herbert u. a. (Hrsg.), Die nationalsozialistischen Konzentrationslager. Entwicklung und Struktur, Bd. 2, Göttingen 1998, S. 1046-1060.
    76.
    Vgl. M. Pollak (Anm. 32); grundlegend Norbert Elias, Engagement und Distanzierung. Arbeiten zur Wissenssoziologie I, hrsg. und übersetzt von Michael Schröter, Frankfurt/M. 1983.
    77.
    Vgl. Sybille Steinbacher, Darstellungen und Quellen zur Geschichte von Auschwitz, in: H. Möller/U. Wengst (Anm. 28), S. 265-280. - Zu Abgrenzungen und Verflechtungen anderer Art, nämlich der zeitgeschichtlich fundierten Gerichtsbarkeit angesichts von Regierungskriminalität und "crimes against humanity", vgl. Norbert Frei u. a., Geschichte vor Gericht. Historiker, Richter und die Suche nach Gerechtigkeit, München 2000.
    78.
    Ruth Klüger, Gedichtete Geschichte: Fakten und Fiktionen, in: Intentionen - Wirklichkeiten. 42. Deutscher Historikertag 1998. Berichtsband, München 1999, S. 316-327, Zitat S. 323.
    79.
    Zum Verhältnis zwischen Historie und Literatur vgl. Hartmut Eggert u. a. (Hrsg.), Geschichte als Literatur. Formen und Grenzen der Repräsentation von Vergangenheit, Stuttgart 1990.
    80.
    Einführend Guido Knopp/Siegfried Quandt (Hrsg.), Geschichte im Fernsehen. Ein Handbuch, Darmstadt 1988. Vgl. als einschlägiges Periodikum: Rundfunk und Geschichte, 26 (2000). Sehr anregend Rainer Rother (Hrsg.), Bilder schreiben Geschichte: Der Historiker im Kino, Berlin 1991; vgl. auch F. Bösch (Anm. 1).
    81.
    Vgl. einerseits den Totalverriss von Frank Schirrmacher, Hitler, nach Knopp, in: FAZ vom 18. April 1998, andererseits Guido Knopp, Zeitgeschichte im ZDF, in: J. Wilke (Anm. 57), S. 309-316.
    82.
    Vgl. M. Rainer Lepsius, Das Modell der charismatischen Herrschaft und seine Anwendbarkeit auf den "Führerstaat" Adolf Hitlers, in: ders., Demokratie in Deutschland. Soziologisch-historische Konstellationsanalysen. Ausgewählte Auf-sätze, Göttingen 1993, S. 95-118.
    83.
    Wie Fritz Stern in einem Interview mit dem Spiegel, 41/1999, S. 300, zu Recht betont.
    84.
    Vgl. Ruth Bettina Birn /Volker Riess, Das Goldhagen-Phänomen oder: fünfzig Jahre danach, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht, 49 (1998), S. 80-95, Zitat S. 81; Johannes Heil/Rainer Erb (Hrsg.), Geschichtswissenschaft und Öffentlichkeit. Der Streit um Daniel J. Goldhagen, Frankfurt/M. 1998.
    85.
    Christopher Browning, Ganz normale Männer. Das Reserve-Polizeibataillon 101 und die "Endlösung" in Polen, Reinbek 1993.
    86.
    Mit der Formulierung "Ablassfunktion" spitzte Christian Meier als Rezensent einen Gedanken von A. Assmann/U. Frevert (Anm. 40), S. 283/289, zu, in: Neue Zürcher Zeitung vom 3. 2. 2000.
    87.
    Wie schon Wolfgang Benz, Zeitgeschichte und Fernsehen, in: Studienkreis Rundfunk und Geschichte, 12 (1986), S. 41-54, Zitat S. 45, wusste.
    88.
    Hans Peter Schwarz, Warum eine Festschrift?, in: H. Möller/U. Wengst (Anm. 28), S. 15-25, Zitat S. 21.
    89.
    Vgl. Bogdan Musial, Bilder einer Ausstellung. Kritische Anmerkungen zur Wanderausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944", in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 47 (1999), S. 563-592.