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26.5.2002 | Von:
Werner Müller

Die DDR in der deutschen Geschichte

VII. Fazit

Dass das Bild für die DDR auf dem Feld nicht nur wirtschaftlicher Innovation recht negativ ausfällt, kann nach den vielen Fakten wie der wissenschaftlichen und politischen Debatten - auch der Zeitzeugen [57] - kaum verwundern. Die DDR in der deutschen Nachkriegsgeschichte weist für die zentralen Bereiche Demokratie, Sozialstaat, Erneuerungsfähigkeit und selbst auch für das von ihr immer wieder bemühte Feld, den "Antifaschismus", gravierende Defizite auf.

Unter diesem umfassenden Blickwinkel erscheint die DDR kaum als "deutsche Möglichkeit" oder legitime Alternative zur liberal-parlamentarisch verfassten Bundesrepublik. Die Dominanz sowjetischer Interessen ließ bis zum Durchbruch der "Perestroika" (die übrigens von einigen Exponenten des DDR-Regimes vorausahnend als "Ausverkauf" verstanden wurde) keine tatsächliche Option zu. Zugleich verhüllt die zweimalige propagandistisch-taktische Forderung nach parlamentarischer Demokratie in den Jahren 1945 und 1989 den Kern kommunistischen Politikverständnisses, das unter dem Siegel des "Antifaschismus" eine zusammengebrochene Diktatur durch eine neue zu ersetzen trachtete. Auch auf dem Feld sozialer Sicherheit wies die DDR bei zunehmend sichtbarer Innovationsunfähigkeit Rückstände und Defizite gegenüber der Bundesrepublik auf. Legitimität gewann die DDR trotz aller Anstrengungen nicht. Sie, so Graf Kielmansegg, "ergibt sich aus demokratisch begründetem politischen Pluralismus, rechtsstaatlicher Sicherheit und ökonomischer Effizienz" [58] . Zu diesen Prinzipien konnte die DDR in der gemeinsamen deutschen Geschichte kaum etwas beisteuern. Stattdessen brachte sie für Millionen von Menschen leidvolle Erfahrungen aus der Herrschaft einer undemokratischen Partei, gegen Grundrechte verstoßende Umwälzung der Eigentumsverhältnisse sowie gewaltsamen Elitenwechsel.

Fußnoten

57.
Vgl. z. B. Gerhard Schürer, Planung und Lenkung der Volkswirtschaft in der DDR - Ein Zeitzeugenbericht aus dem Zentrum der DDR-Wirtschaftslenkung, in: Die Endzeit (Anm. 45), S. 61 ff; ders., Gewagt und verloren. Eine deutsche Biographie, Frankfurt/Oder 1996², S. 55 ff.
58.
P. Graf Kielmansegg (Anm. 3), S. 625.