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Sozio-ökonomische Aspekte nachhaltigkeits-
orientierten Konsumwandels


26.5.2002
Die Rolle des Haushaltskonsums wird bei einer nachhaltigen Produktions- und Konsumweise oftmals unterschätzt. Eine Bewertung ist allerdings nur durch eine neue Methodik möglich.

I. Einleitung



Ein für die Entwicklung nachhaltiger Produktions- und Konsummuster zentraler gesellschaftlicher Akteur sind die privaten Haushalte. Sie sind die wirtschaftlichen Einheiten, in denen der Lebensalltag einschließlich Beruf und gesellschaftlichem Leben für eine Person allein oder für mehrere gemeinsam organisiert wird. Hierzu sind Entscheidungen über die Ausstattung und Größe der Haushalte nötig, die sich in wirtschaftlichem Handeln genauso niederschlagen wie die Entscheidungen über die Aufteilung von Arbeits-, Sozial- und Freizeit oder den Einsatz der Ausstattung zur Erfüllung bestimmter Bedürfnisse. Dabei treffen diese Haushaltsentscheidungen eine Wahl zwischen unterschiedlichen Varianten der Bedürfniserfüllung, die zum Teil auch auf den gewünschten Nebenfunktionen von Produkten wie Statussymbol, Selbstdefinition oder Abgrenzung gegenüber anderen beruht [1] .

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    Das Streben der Menschen bei der Organisation des Alltags wie der Freizeit geht dahin, ein "gutes Leben" [2] zu haben; was jedoch darunter verstanden wird, ist individuell verschieden.

    Es gibt folglich nicht das Leitbild eines zukunftsfähigen Konsums. Die Individualität der Konsumentenentscheidungen ist ein konstitutives Element der modernen demokratischen und pluralistischen Gesellschaft, das von Szenarien nachhaltiger Lebensweisen nicht in Frage gestellt wird [3] . Allerdings werden Konsumenten-Entscheidungen heute wie zukünftig stark von den Rahmenbedingungen beeinflusst. Dazu zählen politische Rahmensetzungen, Preise, verfügbare Technologien, Einkommensniveau und Einkommensverteilung, gesellschaftliche Normen und gruppenspezifische Leitbilder sowie nicht zuletzt die Einflüsse von Werbung und Marketing.

    Ein Teil dieser Faktoren wird im Folgenden in seinem Bezug zur Nachhaltigkeit (mit Schwerpunkt Umweltrelevanz) des privaten Konsums diskutiert; zur Abschätzung ihrer Wirkungen sind jedoch zuvor einige methodische Festlegungen erforderlich.


    Fußnoten

    1.
    Vgl. die Unterscheidung von "needs" und "satisfyers" bei Manfred Max-Neef, Human Scale Development, New York-London 1991.
    2.
    Vgl. Inge Roepke, The dynamics of willingness to consume, in: Ecological Economics, 28 (1997) 2, S. 399-420.
    3.
    Vgl. Friedrich Hinterberger / Fred Luks / Marcus Stewen, Zwischen Ökodiktatur und Umweltkatastrophe, Basel u. a. 1996.