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Die Ökonomie Mittelosteuropas in der Transformation

Zur Wiederentstehung traditioneller Wirtschaftsregionen und Wirtschaftsbeziehungen


26.5.2002
Der Zusammenbruch des Sowjetimperiums hat die Staaten Mittelosteuropas nicht nur in die politische Freiheit entlassen. Tief greifende ökonomische Umstrukturierungsprozesse haben diese Länder erschüttert.

I. Einleitung



Dieser Überblick über soziokulturelle und ökonomische Entwicklungen in Mittelosteuropa geht von fünf Überlegungen aus: Die erste ist, dass langfristig gewachsene Strukturen nur sehr schwer veränderbar sind. Was sich über Jahrhunderte entwickelt hat, lässt sich nicht kurzfristig verändern. Die zweite geht davon aus, dass ökonomische Entwicklungen immer wieder ein System von Zentrum und Peripherie zustande bringen, das in sich vielfältig gegliedert ist und sich auch ständigem Wandel ausgesetzt sieht, sich aber als solches immer wieder herstellt [1] . Die dritte Überlegung berücksichtigt die Tatsache, dass die kulturellen Zentren und die Gebiete besonders aktiver und produktiver Kultur weitgehend mit den ökonomischen Zentren identisch, mindestens aber hochgradig mit ihnen verknüpft sind. Die vierte konstatiert, dass sich solche geographisch fixierbaren Entwicklungsstränge für das betreffende Gebiet beschreiben lassen, und die letzte ist die, dass all dies sowohl Erklärungen für die ökonomischen Probleme dieser Regionen zumal im letzten Jahrhundert bieten kann wie auch Trends für die wirtschaftliche Entwicklung Europas erkennen lässt [2] .

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  • Politiker und Ökonomen orientieren sich meist an kurz- und mittelfristigen Perspektiven. Die kultur- und wirtschaftsgeschichtliche Forschung ist dagegen im Wesentlichen davon geprägt, dass ökonomische und kulturelle Entwicklungen langfristig sind. Man weiß um Konjunkturen, Wachstumszyklen, Depressionen auch als kurzfristige Erscheinungen. Man kennt aber auch Wachstum, Blüte und Untergang von Kulturen oder innerhalb einer Kultur von bestimmten kulturellen Zentren. Dies bedeutet letztlich, dass Jahrzehnte, in manchen Zusammenhängen Jahrhunderte, langsamer Veränderung im historischen Kontext dominieren. Zugleich hat die wirtschaftshistorische Forschung gezeigt, dass - oft unabhängig von politischen Machtverhältnissen - bestimmte Regionen eine besondere ökonomische und kulturelle Dynamik zeigen und die umliegenden Regionen sich ökonomisch auf solche dynamische Zentren hin strukturieren [3] .


    Fußnoten

    1.
    Zu dieser Fragestellung vgl. Hans Heinrich Nolte (Hrsg.), European Internal Peripheries in the 20th Century, Stuttgart 1997; hier wird das lange unbeachtet gebliebene Thema von Zentrum und Peripherie europaweit wieder aufgegriffen.
    2.
    Vgl. Martin Kutz, Zentrum und Peripherie, oder: Über den Zusammenhang von kultureller und wirtschaftlicher Dynamik Europas in Geschichte und Gegenwart, in: ders./ Petra Weyland (Hrsg.), Europäische Identität? Versuch, kulturelle Aspekte eines Phantoms zu beschreiben, Bremen 2000, S. 118-232.
    3.
    Vgl. Immanuel Wallerstein, The Modern World System, London 1974; (Das moderne Weltsystem. Kapitalistische Landwirtschaft und die Entstehung der europäischen Weltwirtschaft im 16. Jahrhundert, Frankfurt/M. 1986).

     
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