3D-Illustration von Gehirnzellen

2.2.2018 | Von:
Ulrich Eberl

Was ist Künstliche Intelligenz – was kann sie leisten?

Vor 250 Jahren meldete James Watt seine Verbesserung der Dampfmaschine zum Patent an. Seither konstruieren findige Forscher ständig neue Maschinen, um Menschen mühselige Arbeiten abzunehmen. Die Dampfmaschine revolutionierte nicht nur Bergbau, Schifffahrt und Eisenbahnen, sondern auch die Stahl-Walzstraßen und mit Spinn- und Webmaschinen die Textilindustrie. Hundert Jahre später begann der Siegeszug von Elektro- und Verbrennungsmotoren. Auto, Flugzeug und Fließband ermöglichten Massenmobilität und Massenfertigung. Und wieder hundert Jahre danach führten Mikrochip, Computer, Handy und Internet zu Automatisierung, Digitalisierung und grenzenloser Kommunikation.

Doch noch nie in dieser langen Geschichte der industriellen Revolutionen war der Kern des Menschseins in Reichweite der Maschinen: unsere Intelligenz. Genau dies ändert sich gerade. In den vergangenen fünf Jahren hat es auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz (KI) mehr Fortschritte gegeben als in den 50 Jahren zuvor. Auf etlichen Feldern, die bisher Menschen vorbehalten schienen, übertreffen uns Maschinen bereits. Sie schlagen menschliche Weltmeister im Quizspiel Jeopardy ebenso wie auf dem Go-Brett, sie können in nicht einmal zwei Stunden auf Millionen von Google-Street-View-Bildern die Hausnummern finden, sie machen bei der Erkennung von Verkehrszeichen nur halb so viele Fehler wie Menschen, sie finden in Gewebeschnitten Hinweise auf Krebszellen, die Ärzten bisher unbekannt waren, und sie können grundlegende Emotionen wie Wut, Freude, Trauer und Überraschung aus Gesichtern besser lesen, als viele von uns es vermögen.[1]

Smarte Maschinen lernen sprechen, sehen, lesen

Vor allem das Sprach-, Text- und Bildverständnis von Maschinen mit Künstlicher Intelligenz leistet Erstaunliches: Siri, Alexa, Cortana, Google Assistant, und wie die virtuellen Assistenten alle heißen, lernen derzeit mit rasender Geschwindigkeit, Fragen und Befehle von Menschen zu verstehen und sinnvoll zu beantworten. Übersetzungsprogramme wie Google Translate oder DeepL können in Sekundenschnelle lange Textabschnitte in andere Sprachen übertragen – nicht fehlerfrei, aber doch in einer so guten Qualität, wie sie noch vor ein, zwei Jahren unvorstellbar gewesen wäre. Und das System Watson von IBM kann natürlich-sprachige Texte analysieren und Inhalte herausfiltern und zusammenfassen – ob sie nun aus Wikipedia stammen oder aus medizinischer Fachliteratur, aus Börsen- und Unternehmensnachrichten oder aus Berichten von Autowerkstätten.

In Kliniken, Banken und Unternehmen bereiten die ersten dieser neuen KI-Systeme bereits Daten auf und geben Ärzten, Finanzberatern und Managern Empfehlungen für Diagnosen, Geldanlagen oder die Optimierung von Industrieprozessen. Das Smartphone war offensichtlich nur der Anfang der Ära der smarten Maschinen. Neben Smart Health, Smart Finance und Smart Factory heißen die Schlagworte der Zukunft Smart Grids, Smart Cars, Smart Buildings und Smart Cities.[2] Intelligente Stromnetze, die Smart Grids, werden Energieangebot und -nachfrage in Einklang bringen und dadurch nachhaltige Energiesysteme mit all ihren erneuerbaren Energien, Speichern und Verbrauchern erst möglich machen. Schon bald werden wir auf Autobahnen unsere Fahrzeuge – die Smart Cars – auf Autopilot schalten, bis etwa 2030 auch auf Landstraßen und in Städten. In Fabriken werden wir Hand in Hand mit Robotern arbeiten, in Hotels, Museen und Geschäften werden uns Maschinen Auskunft geben und uns bedienen. Zu Hause und in Seniorenheimen werden sie Getränke bringen, mit alten Menschen Spiele spielen, putzen, die Wäsche wegtragen, vielleicht sogar kochen. Gebäude und Städte werden voller Sensoren sein, die Energieverbrauch und Raumbelegung, Verkehrsströme und Emissionen messen und Computern bei der Optimierung helfen.

Kein Zweifel, wir werden die smarten Maschinen brauchen: die autonomen Fahrzeuge und das intelligente Zuhause als Hilfen für die immer älter werdende Bevölkerung, die Smart Grids und das Internet der Energie für nachhaltige Energiesysteme, die Smart Factory für eine flexible und wettbewerbsfähige Industrie und die Smart Cities für die lebenswerten Städte von morgen. Schon bald werden wir in einer Gemeinschaft von Menschen und smarten Maschinen leben – so selbstverständlich, wie wir heute Smartphones nutzen.

Fußnoten

1.
Vgl. Ulrich Eberl, Wo Künstliche Intelligenz den Menschen schon übertrifft, 11.10.2016, http://www.zeit.de/digital/internet/2016-10/deep-learning-ki-besser-als-menschen«.
2.
Vgl. Ulrich Eberl, Smarte Maschinen – wie Künstliche Intelligenz unser Leben verändert, München 2016, S. 201ff.
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Autor: Ulrich Eberl für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de
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