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26.5.2002 | Von:
Thomas Ahbe
Monika Gibas

Der Osten in der Berliner Republik

Seit dem Beitritt der Ostdeutschen mit ihren andersartigen sozialisatorischen Mustern, ihren besonderen Erfahrungen und Wertvorstellungen wird eines deutlich: Die fehlende "innere Einheit" Deutschlands lässt sich nicht wegdenken.

I. Einleitung

Der Terminus Berliner Republik impliziert auch, dass die Republik etwas "östlicher", etwas "ostdeutscher" geworden ist, und das nicht nur, weil ihre Hauptstadt in Ostdeutschland liegt. Hierauf bezieht sich auch die "innere Einheit", zu der die Berliner Republik finden müsste. Der Terminus "innere Einheit" thematisiert die andersartigen sozialisatorischen Muster der ostdeutschen Bevölkerung, ihre Werte und kulturellen Praxen, ihre Erfahrungen, Erinnerungen und Sinnkonstruktionen. In der letzten Dekade wurde diese Ost-West-Differenzierung überwiegend als Anomalie und Störung in der politischen Kultur der Berliner Republik, als ungelöste Aufgabe oder gar als Gefahr gesehen.


Im Unterschied dazu wollen wir diese kulturelle und politische Differenziertheit der Berliner Republik als eine Normalisierung, Vervollständigung, als eine Bereicherung der politischen Kultur deuten. Sie ist ein Zeichen dafür, dass nicht nur die Spaltung Deutschlands zu Ende ist, sondern auch, dass die mit der Spaltung einhergehende relative Homogenisierung der politischen Kulturen der Bundesrepublik und der DDR nach innen im vereinten Deutschland keine Fortsetzung mehr findet. Was bringt die Integration der Ostdeutschen für die politische Kultur dieses Landes?