Um gegen die Diskriminierung von Schwarzen in den USA zu demonstrieren, knien Spieler des Footballteams der Woodrow Wilson High School in Camden während der Nationalhymne

16.3.2018 | Von:
Ousmane Power-Greene

Der Geist von King Cotton. Afroamerikaner und das Vermächtnis der Sklaverei im Reich der Baumwolle - Essay

Im August 2017 wies William Bell, damaliger demokratischer Bürgermeister der Stadt Birmingham, Alabama, die Verwaltung des Linn Parks an, ein Denkmal zu Ehren der konföderierten Soldaten zu verhüllen, die im Amerikanischen Bürgerkrieg (1861–1865) gekämpft hatten. Bells Entscheidung war der erste Schritt in einem Prozess zur Verbesserung der Beziehungen zwischen den schwarzen und weißen Bürgern von Birmingham, von denen die einen von Sklavinnen und Sklaven abstammten und die anderen von Sklavenhaltern. Stadtrat Jonathan Austin hatte den Bürgermeister sogar zum Abbau des Denkmals gedrängt, weil es seiner Meinung nach "eine Kränkung für unsere Bürger" ist.[1] Auf den ersten Blick scheint die Frage, ob man das Denkmal entfernen oder verhängen sollte, eine Routineangelegenheit der Stadtverwaltung von Birmingham zu sein, doch tatsächlich entwickelte sich daraus eine viel komplexere und politisch aufgeladene Debatte.[2]

Monate vor Bells Entscheidung hatte Kay Ivey, republikanische Gouverneurin von Alabama, auf den anschwellenden Protest gegen Denkmäler und Gedenkstätten für die Konföderierten reagiert und ein neues Gesetz unterzeichnet, das genau das verhindern sollte, was der Bürgermeister von Birmingham und sein Stadtrat anstrebten. Der Alabama Memorial Preservation Act (Gesetz zur Erhaltung der Denkmäler in Alabama) verbot die Entfernung von Statuen, Denkmälern und Gedenkstätten durch kommunale und städtische Behörden mit der Begründung, die Statuen für die Konföderierten seien ein wichtiger Teil der Geschichte Alabamas.

Damit schien sich die Stimmung im Streit über die Entfernung der Statuen und Denkmäler zugunsten derer zu neigen, die glaubten, die Demontage würde den Menschen die Gelegenheit nehmen, die Vergangenheit zu ehren – auch die Teile der Vergangenheit, die nach heutigen Standards einen Affront darstellen können. So argumentierte der Republikaner Gerald Allen, Mitglied des Senats von Alabama: "Anders als die Kritiker des Gesetzes behaupten, soll mithilfe des Memorial Preservation Act die gesamte Geschichte Alabamas bewahrt werden – die guten wie die negativen Aspekte –, damit unsere Kinder und Enkel aus der Vergangenheit lernen und eine bessere Zukunft schaffen können." Der demokratische Senator Hank Sanders aus Selma war anderer Ansicht und erklärte, diejenigen, die das Gesetz formuliert und unterzeichnet hätten, wollten damit nur "Denkmäler schützen, die für einen Großteil der Bürger Alabamas ein Symbol der Unterdrückung darstellen".[3]

Fußnoten

1.
Zit. nach Erin Edgemon, Birmingham Covers Confederate Monument as City Considers Removal, 16.8.2017, http://www.al.com/news/birmingham/index.ssf/2017/08/defy_state_law_and_remove_conf.html«.
2.
Siehe David Graham, Local Officials Want to Remove Confederate Monuments – but States Won’t Let Them, 25.8.2017, http://www.theatlantic.com/politics/archive/2017/08/when-local-officials-want-to-tear-down-confederate-monuments-but-cant/537351«.
3.
Beide zit. nach Andrew Blake, Alabama Governor Signs Law Protecting Confederate Monuments from Removal, 27.5.2017, http://www.washingtontimes.com/news/2017/may/27/alabama-law-protects-confederate-monuments-removal«.
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Autor: Ousmane Power-Greene für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de
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