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12.11.2002 | Von:
Wolfgang Sander

Politische Bildung nach der Jahrtausendwende

Perspektiven und Modernisierungsaufgaben

IV. Politische Bildung im Bildungsmarkt: Ausblick auf die außerschulische Bildung

Die außerschulische politische Bildung steht vor der Aufgabe, ihr Profil als Anbieter in einem Bildungsmarkt zu schärfen. Dass die außerschulische Bildung - insbesondere die Erwachsenenbildung - sich zunehmend marktförmig organisiert, ist nicht zu übersehen, und eine realistische Alternative zu dieser Entwicklung ist nirgendwo in Sicht. Politische Bildung kann auf diesem Markt Dienstleistungen erbringen, die für die einzelnen Bürgerinnen und Bürger wie für die Gesellschaft insgesamt von Nutzen sind: In ihren Lernangeboten kann man sich fit machen für bürgerschaftliches Engagement (ohne dass man darüber belehrt wird, welches die "richtigen" Ziele und die "richtigen" politischen Einstellungen sind); man kann sich zuverlässig und seriös über Hintergründe aktueller politischer Konflikte und Entwicklungen informieren, man findet Orte für Gespräche, Meinungsaustausch und kontroverse Debatten, man erwirbt praktische Kompetenzen für das Auftreten in der Öffentlichkeit und die Nutzung von Medien und vieles mehr. Es gibt keinen Grund für die Annahme, dass es für solche Dienstleistungen in der Gesellschaft keinen oder keinen ausreichenden Bedarf gibt - im Gegenteil lässt sich empirisch nachweisen, dass das Potenzial, das eine sich kundenorientiert verstehende politische Bildung erreichen kann, erheblich größer ist als die derzeitige Zahl der Menschen, die das Fachgebiet tatsächlich erreicht. [30]

Gleichzeitig erbringt eine professionelle politische Bildung auch Dienstleistungen für die ganze Gesellschaft. Tatsächlich sind Veranstaltungen der außerschulischen politischen Bildung der einzige soziale Ort, an dem Bürgerinnen und Bürger in einem persönlichen Diskurs ohne Handlungsdruck und ohne sich politisch festlegen zu müssen Fragen des politischen Zusammenlebens erörtern können. Diese Aufgabe ist nicht substituierbar, und sie gewinnt durch die wachsende Informationsfülle in den Medien, die häufig solche Orientierungsbedürfnisse auslöst, eher noch an Bedeutung. Sie rechtfertigt auch künftig die Förderung politischer Bildung durch die öffentliche Hand.

Fußnoten

30.
Vgl. den Beitrag von Karsten Rudolf in diesem Heft.