Alte Tür mit Schlüssel

23.3.2018 | Von:
Christina Lotter

Editorial

Am 1. März 1918, noch im Kaiserreich, wurde die "Zentralstelle für Heimaufklärung" gegründet, um gegen Ende des vierten Kriegsjahres die Moral an der "Heimatfront" zu stärken. Die Weimarer Republik übernahm die Institution als "Reichszentrale für Heimatdienst", die über die neue Staatsform informieren und eine "staatsbürgerliche Gesinnung" fördern sollte; nur wenige Wochen nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten wurde die Reichszentrale aufgelöst. Unter Berufung auf sie erfolgte im November 1952 die Gründung der heutigen Bundeszentrale für politische Bildung als Bundeszentrale für Heimatdienst, deren institutionelle, inhaltliche und personelle Ausgestaltung hoch umkämpft war.

Heutzutage wird mit dem Begriff "politische Bildung" bisweilen noch immer reine Institutionenkunde und eher theorielastiger schulischer Politikunterricht assoziiert. Manch einer mag vielleicht sogar die Notwendigkeit politischer Bildung nach 70 Jahren Demokratie infrage stellen. Dabei ist sachliche, überparteiliche Information ein wichtiger erster Schritt zum vielgerühmten mündigen Bürger. Denn nur, wer zumindest über rudimentäres Wissen verfügt, kann an Debatten über Sinn und Zweck politischer Systeme und bestimmter Politiken überhaupt teilhaben.

Politische Bildung hat in den immer diverseren Gesellschaften des 21. Jahrhunderts jedoch noch weitere Aufgaben: Sie soll die wachsende Vielfalt gesellschaftlicher Positionen abbilden, und sie darf sich nicht von Propaganda vereinnahmen lassen. Zudem soll sie gesellschaftliche Transformationsprozesse reflektieren. Dabei stellen sich Fragen wie: Welche Werte erachten wir als grundlegend für die Gesellschaft, wie werden sie ausgehandelt, und wie interpretieren wir diese Werte? Wie vermitteln wir sie den nachfolgenden Generationen? Und wie verständigen wir uns immer wieder aufs Neue über die Grundlagen unseres Zusammenlebens? Dabei muss politische Bildung sich stets fragen, ob sie die Bürgerinnen und Bürger erreicht und darf sich nicht scheuen, neue Wege zu gehen.

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Autor: Christina Lotter für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de
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