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20.9.2002 | Von:
Rüdiger Pohl

Ostdeutschland im 12. Jahr nach der Vereinigung

Eine Bilanz der wirtschaftlichen Transformation

Die Analyse der enormen wirtschaftlichen Probleme Ostdeutschlands in den letzten zwölf Jahren zeigen zugleich die erzielten Erfolge: Ostdeutschland hat die DDR weit hinter sich gelassen.

Einleitung

Als sich die beiden deutschen Staaten im Jahre 1990 vereinten, gab es euphorische Einschätzungen über die wirtschaftlichen Perspektiven. Befreit von sozialistischen Fesseln und mit marktwirtschaftlichem Schwung schien ein "zweites deutsches Wirtschaftswunder" möglich, diesmal auf ostdeutschem Boden. Die Euphorie ist rasch verflogen. Zwölf Jahre nach der Vereinigung beider deutscher Staaten am 3. Oktober 1990 ist Ostdeutschland immer noch mit gravierenden Problemen konfrontiert. Die Arbeitslosigkeit ist hoch. Menschen wandern ab. Die wirtschaftliche Leistung je Einwohner erreicht nicht einmal zwei Drittel des westdeutschen Niveaus. Die neuen Länder sind auf Finanztransfers angewiesen.


Der Aufholprozess ist langwieriger und mühseliger, als man es sich ursprünglich vorstellte. Dennoch gelangen die Wirtschaftsforschungsinstitute zu der "Erkenntnis, dass die Lage in Ostdeutschland keineswegs so hoffnungslos ist, wie es in der Öffentlichkeit vielfach dargestellt wird". [1] Die Probleme sind zwar alles andere als gering. Aber es gibt auch beträchtliche Erfolge. Der Aufbau Ost wird vorankommen, wenn Tatendrang und nicht Resignation das Handeln der Menschen prägt.

Der vorliegende Beitrag ist auf die neuen Länder als Ganzes gerichtet. Eine Analyse der regionalen Unterschiede ist hier leider nicht möglich. [2]

Fußnoten

1.
Die im Sommer 2002 aktuellste Darstellung der ostdeutschen Wirtschaft enthält der "Fortschrittsbericht wirtschaftswissenschaftlicher Institute über die wirtschaftliche Entwicklung in Ostdeutschland", den fünf Institute (DIW Berlin, IfW Kiel, IAB Nürnberg, IWH Halle, ZEW Mannheim) im Auftrag des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) im Juni 2002 vorgelegt haben (als Download über www.iwh-halle.de verfügbar; Zitat aus dem Vorwort). Zuvor ist die ostdeutsche Wirtschaft in neunzehn "Anpassungsberichten" analysiert worden, die DIW, IfW und IWH von 1990 bis 1999 erstellt haben. Vgl. Gesamtwirtschaftliche und unternehmerische Anpassungsfortschritte in Ostdeutschland - Neunzehnter Bericht, IWH Forschungsreihe, 5/1999.
2.
Der Fortschrittsbericht (vgl. Anm. 1) enthält dazu ein Kapitel "Räumliches Muster des Aufholprozesses".