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Zivile oder herrschaftliche Religion?

Fundamentalismus, Religionsfreiheit und die Verantwortung des zivilen Staates


22.5.2002
Religionen unterscheiden sich in ihrer Beziehung zur Zivilgesellschaft: Religionen, die das Rechtssetzungs- und Gewaltmonopol des zivilen Staates anerkennen, haben zivilen Charakter und erfüllen wichtige gesellschaftliche Funktionen.

Einleitung



Der islamische Fundamentalismus ist, der dominierenden öffentlichen Meinung zufolge, politisch und nicht religiös bedingt. "Zwischen Fundamentalismus und Sicherheitspolitik besteht ein Zusammenhang, bei dessen Beschreibung es indessen nicht um die Religion des Islam geht. Mit dem Islam als Religion kann man einen Dialog führen; der islamische Fundamentalismus hingegen ist ein Gegenstand der Sicherheitspolitik. Ist der Islam eine Weltreligion, deren Anhänger ein Fünftel der Weltbevölkerung ausmachen (1,3 Milliarden Menschen), so handelt es sich beim islamischen Fundamentalismus um eine politische Bewegung, die die Religion für nichtreligiöse Belange instrumentalisiert und missbraucht." [1]

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  • Religiösen Fundamentalismus ohne eine Analyse religiöser Strukturen zu betrachten entspricht allem Anschein nach Anforderungen der politischen Opportunität. Menschenrechte und Demokratie können nämlich in der islamischen Welt nur glaubhaft vertreten werden, wenn die moslemischen Glaubensgrundlagen unberührt bleiben. Indem Religion als Gegenstand der Analyse ausgeklammert bleibt, wird zudem jede Gefahr vermieden, den verfassungsrechtlich festgeschriebenen Schutz der freien Religionsausübung argumentativ zu berühren. Allerdings wird Religion damit stillschweigend absolut gesetzt. Es verwundert daher nicht, dass die Formel des rein politischen Islamismus zur islamischen Bekehrung genutzt wird. So erklärte Anfang 2002 der Imam der deutschsprachigen Moslems von Berlin und Brandenburg, von der Politik sei keine friedensförderliche Wirkung zu erwarten. Die Menschen und die Politik würden die Glaubenslehre des Islam immer wieder verfälschen, was zu Unterdrückung und Krieg führe. Demgegenüber forderte er dazu auf, zum ursprünglichen göttlichen Text, dem Koran, als allgemeiner Handlungsorientierung zurückzukehren. [2]

    Wer religiösen Fundamentalismus tiefer verstehen will, als es die an politischer Opportunität oder theologischen Bekehrungsmotiven orientierte Fundamentalismus-Diskussion zulässt, muss sich allerdings auch der Beziehung zwischen Religion und Fundamentalismus stellen. Erst auf Grundlage dieser Analyse lässt sich die eigenständige Handlungsperspektive der pluralistischen Zivilgesellschaft begründen, in der Religion frei ausgeübt werden kann, aber keine Herrschaftsinstanz darstellt.


    Fußnoten

    1.
    Bassam Tibi, Politisierung der Religion. Sicherheitspolitik im Zeichen des islamischen Fundamentalismus, in: Internationale Politik, 55 (2000) 2, S. 27. Im gleichen Sinne siehe Soheib Bencheikh, Ou l‘islam marche avec son siècle, ou il reste a la marge de la société moderne, in: Le Monde vom 20. 11. 2001 (www.lemonde.fr); Yasar Nuri Öztürk, 400 Fragen zum Islam - 400 Antworten, Düsseldorf 1999.
    2.
    Vgl. Vortrag von Mohammed Herzog, Imam der deutschsprachigen Moslems in Berlin und Brandenburg, am 10. Januar 2002 im Hotel Morgenland, Berlin-Lichterfelde, im Rahmen der Kulturreihe: Gespräche über Gott und die Welt.

     
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