APUZ Dossier Bild

22.5.2002 | Von:
Dagmar Schittly

DDR-Alltag im Film Verbotene und zensierte Spielfilme der DEFA

I. Film als Propagandainstrument

Die Machthaber der kommunistischen Staaten erkannten bereits früh die Möglichkeiten, die der Film bot. Ähnlich wie im Nationalsozialismus wurde daher das Filmwesen von Anfang an zentralisiert und als Propagandainstrument eingesetzt. Der außerordentlich hohe Stellenwert, der dem Medium als Mittel der Propaganda und Agitation beigemessen wurde, führte dazu, dass der Film stets "Chefsache" war - wichtige Entscheidungen wurden zumeist auf höchster Ebene getroffen. Dem Film wurde die Fähigkeit zugesprochen, die Massen zu mobilisieren und für die Politik der Regierenden zu gewinnen. Neben seiner enormen emotionalen Wirkung erreichte zudem kaum ein anderes Medium so schnell und umfassend die Menschen. Vor allem in der Sowjetunion mit ihrer ländlichen Struktur und einer hohen Analphabetenquote konnte so die Ideologie der Herrschenden unter das Volk gebracht werden, deshalb galt der Film entsprechend von Anfang an als Mittel zur Sicherung der Herrschaft der kommunistischen Partei - Lenin und Stalin selbst betonten in zahlreichen Abhandlungen immer wieder die bedeutende Rolle dieser Kunstform. [2]

Die Satellitenstaaten im sowjetischen Einzugsbereich, allen voran die DDR, taten es dem "Bruderland" gleich und begannen unmittelbar nach ihrer Entstehung mit dem Aufbau eines eigenen Filmwesens. Das Wissen der sowjetischen Besatzungsmacht um die Bedeutung von Filmproduktionen führte nach dem Krieg in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und später in der Deutschen Demokratischen Republik zum Aufbau einer Filmindustrie, die in den folgenden Jahren einer umfassenden Kontrolle nahezu sämtlicher staatlichen Organe unterlag. Der Film sollte einen Beitrag zur Umerziehung der deutschen Bevölkerung im Sinne des Sozialismus leisten und das System stabilisieren.

Fußnoten

2.
Am bekanntesten ist der Ausspruch Lenins vom Film als der "wichtigsten aller Künste".