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22.5.2002 | Von:
Dagmar Schittly

DDR-Alltag im Film Verbotene und zensierte Spielfilme der DEFA

II. Aufbruch und Neubeginn

Im Auftrag von Stalin wurde bereits im Mai 1946 der staatliche, monopolistische Filmbetrieb Deutsche Film AG, kurz DEFA, gegründet. Die DEFA repräsentierte fortan die gesamte ostdeutsche Filmindustrie. Für ihre Erzeugnisse galten nicht - wie im Westen - die Gesetze des Marktes, vielmehr sollte die DEFA Filme im Sinne des Marxismus-Leninismus zur Gestaltung einer sozialistischen Gesellschaft herstellen. Mit Argusaugen wachte die Partei über die Resultate und griff sofort ein, wenn ihr ein Vorhaben nicht konform erschien. Diese politische Einflussnahme führte dazu, dass die DEFA-Filme sowohl die allgemeinpolitische als auch kulturpolitische Situation in der DDR unmittelbar widerspiegelten und damit heute als "Zeitzeugen" den Blick auf den Alltag der Bürger ermöglichen.

Ebenso wie die politische und gesellschaftliche Landschaft im Osten war auch das Filmwesen geprägt von einem Wechselspiel zwischen repressivem Eingreifen und kontrollierten Zugeständnissen. Dieses Auf und Ab erlaubte der Kunst wenig Freiraum. Die Filmschaffenden versuchten die Gratwanderung, auf der einen Seite ihre eigenen künstlerischen Ansprüche zu verwirklichen und auf der anderen Seite der Zensur und den ständig drohenden Verboten aus dem Weg zu gehen. Entsprechend reagierten sie rasch auf politische Kurswechsel: Ein scheinbar liberaleres Klima zog sofort die Produktion kritischerer Filme nach sich. Zusätzlich wurde ein in Diktaturen häufig angewandtes Mittel eingesetzt: die "verschlüsselte" Botschaft. Dieses in der Rezeption durch die Zuschauer meist von den Zensoren nicht vorherzusehende Phänomen ist die Ursache für viele erst nachträglich erfolgte Reaktionen und erklärt, warum überhaupt Filme entstehen konnten, die später verboten wurden. Gerade diese verbotenen Filme aber gehören heute zu den spannendsten Dokumenten der DDR-Geschichte.