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22.5.2002 | Von:
Dagmar Schittly

DDR-Alltag im Film Verbotene und zensierte Spielfilme der DEFA

III. Hoffnung und Ernüchterung

In der Sowjetischen Besatzungszone wurde zunächst eine "behutsame" Kulturpolitik verfolgt, viele Künstler sollten für die Mitarbeit gewonnen werden. Doch schon Ende der vierziger Jahre wurde deutlich, dass es sich bei der "kulturellen Freiheit" nur um eine Übergangsphase gehandelt hatte. Nach den liberalen Anfängen wurde die DEFA und damit der DDR-Film gleichgeschaltet und einer ausgefeilten Kontrolle und Zensur unterworfen. Von nun an war sie den kulturpolitischen Launen der SED-Funktionäre ausgesetzt. Aus der DEFA wurden nach und nach die undogmatischen Kräfte verdrängt und durch ideologisch geschulte, linientreue Parteifunktionäre ersetzt. Im Protokoll einer Sitzung von ZK-Funktionären am 3. Mai 1949 hieß es: "Wir werden in Zukunft keine Kompromisse in ideologischen Fragen mehr zulassen. Das bedeutet eine politische Umorientierung der Genossen bei der DEFA." [3] Zusätzlich wurden zahlreiche filmkontrollierende Instanzen - darunter der Künstlerische Beirat bei der SED und im Jahr 1952 das Staatliche Komitee für Filmwesen - geschaffen, die künftig über die Produktionen wachten.

Auch die entstandenen Filme waren von nun an stärkerer Kritik ausgesetzt, Drehbücher und Projekte mussten zahllose Instanzen passieren. Viele Filme der ersten Jahre, wie beispielsweise "Die Mörder sind unter uns" oder "Die Buntkarierten", die beim Publikum sehr erfolgreich waren, wurden nun von vereinzelten Funktionären als bürgerlich, unverbindlich und nicht ausreichend fortschrittlich bezeichnet. Immer stärker wurde jetzt von den Filmkünstlern die Hinwendung zum "Sozialistischen Realismus" gefordert. [4]

Das erste Verbot eines DEFA-Filmes widerfuhr Falk Harnacks Film "Das Beil von Wandsbek" im Jahr 1952. Der Film nach einem Roman von Arnold Zweig zeigt die Geschichte des Metzgers Teetjen (Erwin Geschonneck), der in den ersten Jahren des Naziregimes an Stelle des Henkers gegen eine Entlohnung die Hinrichtung von vier Antifaschisten übernimmt. Als die Tat öffentlich bekannt wird, erhängt sich seine Frau - schließlich begeht auch Teetjen Selbstmord. Dem Film wurde vorgeworfen, er zeige einen Mörder als Helden - negative Helden durfte es jedoch im Sozialismus nicht geben. In einer Politbüro-Resolution hieß es: "Noch krasser offenbaren sich die Fehler des kritischen Realismus in dem Film ,Das Beil von Wandsbek', der nicht die Kämpfer der deutschen Arbeiterklasse zu den Haupthelden macht, sondern ihren Henker." [5] Dies passte nicht in das offizielle Bild, das die DDR zu diesem Zeitpunkt von ihrer Gesellschaft zeichnete: eine Gesellschaft, bestehend aus kommunistischen, antifaschistischen Widerstandskämpfern, die der nationalsozialistischen Ideologie abgeschworen hatte; der bessere Teil Deutschlands. "Das Beil von Wandsbek" ist nur ein Beispiel für die sich mehrenden Eingriffe der Partei in das Filmwesen. Diese Restriktionen hatten Konsequenzen: Viele Regisseure der Anfangszeit, so auch Falk Harnack, kehrten der DEFA den Rücken und arbeiteten fortan im Westen. Die Regisseure und Darsteller jedoch, die blieben, sahen sich in den folgenden Jahren einer immer stärkeren Reglementierung ausgesetzt.

Fußnoten

3.
Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR (SAPMO), Signatur DY 30/IV 2/4/278, S. 200-206 (ZK = Zentralkomitee [der SED]).
4.
Der Begriff des "Sozialistischen Realismus" wurde zu Beginn der dreißiger Jahre unter Mitwirkung Stalins in der Sowjetunion geprägt. Er sollte wahrheitsgetreue und geschichtlich konkrete Darstellungen der Wirklichkeit fördern. "Hierbei muss die Wahrheitstreue und die geschichtliche Konkretheit der künstlerischen Darstellung der Wirklichkeit Hand in Hand gehen mit der Zielsetzung einer ideologischen Umformung und Erziehung der Werktätigen im Geiste des Sozialismus." Vgl. D.'Pissarewski, Das stalinistische Prinzip des sozialistischen Realismus - die höchste Errungenschaft der Lehre von der Kunst, in: Deutsche Filmkunst, (1953) 1, S. 10-31.
5.
"Für den Aufschwung der fortschrittlichen deutschen Filmkunst." Resolution des Politbüros des ZK der SED vom 27.'Juli 1952.