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Wieviel Vertrauen verdienen Politiker?


22.5.2002
Seit Jahrzehnten sehen sich Politiker mit einem starken Vertrauensverlust bei den Wählern konfrontiert. Sicherlich hängt dies auch mit einem wachsenden Misstrauen gegenüber einer unübersichtlich gewordenen Welt zusammen.

Einleitung



"Wie häufig trauen Sie der Regierung in Washington zu, richtig zu handeln?" 1964 antworteten auf diese Frage 76 Prozent der Befragten in den USA mit "immer" oder "meistens". Dreißig Jahre später, 1994, waren es nur noch 25 Prozent. [1] Seit Jahrzehnten sehen sich die Politiker in der westlichen Welt mit einem massiven Verlust an Vertrauen konfrontiert. Die Wahlbeteiligung sinkt wie auch die Zahl der Stammwähler und der Mitglieder der politischen Parteien.

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  • Vielleicht ändert sich dieser Trend nach den Attentaten des 11. September 2001. George W. Bush genießt ein halbes Jahr danach noch exzeptionelle Zustimmungsraten zu seiner Politik. Ob das bis zu den nächsten Präsidentschaftswahlen so bleibt, muss sich erst noch zeigen.

    In Kontinentaleuropa, wo Kriege auf weniger Zustimmung stoßen, stellen vor allem die Zeiten von Wahlkämpfen Chancen dar, verloren gegangenes Vertrauen wieder etwas aufzubessern. Denn in Wahlkämpfen steigt normalerweise die Zustimmung zu Politikern wie zu den politischen Parteien. Sie sind mindestens ein halbes Jahr medial überall und permanent präsent, sodass sich Politiker und Parteien bei den Wählern in das rechte, in das günstigste Licht rücken können. Gemeinhin wächst dabei auch ein Stück weit Vertrauen, das aber bekanntlich nach den Wahlen sehr schnell wieder nachlässt.

    Eine Umfrage im Februar 2002 von Infratest dimap im Auftrag der ARD, der Frankfurter Rundschau und acht weiterer Tageszeitungen ergibt für Deutschland, dass ein halbes Jahr nach dem 11. September und ein halbes Jahr vor der nächsten Bundestagswahl fast alle Politiker an Ansehen verloren haben. Auch die Zufriedenheit mit der Bundesregierung hat nachgelassen. Offenbar führte die Dramatisierung der Weltlage durch die Terroranschläge und den Krieg in Afghanistan doch zu keinem nachhaltigen Vertrauensgewinn in Regierung und Politiker. Noch wirkt sich der beginnende Wahlkampf ebenfalls nicht in einer solchen Richtung hin aus. [2] Das Magazin "Focus" zitierte kürzlich eine Studie, nach der nur 13 Prozent der Deutschen Politikern vertrauen; diese befinden sich damit fast am Ende der Skala von Berufen, denen man Vertrauem entgegenbringt. [3]


    Fußnoten

    1.
    Vgl. Anthony Giddens, Der dritte Weg, Frankfurt/M. 1999, S. 65.
    2.
    Vgl. Frankfurter Rundschau vom 2. 3. 2002, S. 7.
    3.
    Vgl. Focus, Nr. 11/2002, S. 3 "Tagebuch".