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10.6.2002 | Von:
Friedemann Müller

Energiepolitische Interessen in Zentralasien

Zentralasien ist nach dem 11. September 2001 wieder stärker ins internationale Blickfeld gerückt. Dies liegt vor allem an der Einbindung dieser Region in die Anti-Terror-Koalition.

Einleitung

Der 11. September 2001 hat neben Afghanistan dessen südöstliches Umfeld, Pakistan, und das nordwestliche Zentralasien ins öffentliche Blickfeld gerückt. In Zentralasien geschahen Veränderungen, die vor den einschneidenden Ereignissen an diesem Tag undenkbar gewesen wären. Insbesondere wurden im Einvernehmen mit Russland usbekische Militärbasen der U. S.-Luftwaffe als Stützpunkte geöffnet. Hat damit Russland aus höheren Erwägungen im "great game" um diesen Raum den USA Gewinne zugespielt? Haben die USA sich dafür mit einer Gegengabe erkenntlich gezeigt? [1]

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  • Geht es dabei "nur" um eine Anti-Terror-Aktion oder um mehr? Immer wieder werden die Energieressourcen des Raumes als das eigentliche Motiv amerikanischer und natürlich auch anderer Mächte Interessen vermutet. Diesen Ressourcen haftet etwas Geheimnisvolles, fast Mystisches an. Dabei sind die wesentlichen Daten und Ereignisse nicht verborgen. Nur sind die Zusammenhänge, wie so häufig in der internationalen Politik, komplex und nicht nur nicht ausreichend, sondern mit dem Vergleich zu dem von Rudyard Kipling für das ausgehende 19. Jahrhundert geprägten Begriff des "great game" eher auf eine falsche Fährte führend beschrieben. In der Tat gibt es Zusammenhänge zwischen der Anti-Terror-Aktion in Afghanistan und weltwirtschaftlichen Interessen, genauer gesagt, der Weltölversorgung, doch sind diese Zusammenhänge anders zu erklären als mit dem Kampf früherer Jahrhunderte um Einflusszonen in der Region.

    Fußnoten

    1.
    Vgl. Georg Watzlawek, USA geben Russland im Pipeline-Poker am Kaspischen Meer freie Hand, in: Handelsblatt vom 4. 12. 2001, S. 6.