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22.5.2002 | Von:
Klaus W. Wippermann

Editorial

In der internationalen Politik wie im Globalisierungsprozess spielen Nicht-Regierungsorganisationen auf zweierlei Ebenen eine immer wichtigere Rolle. Als kritische, zivilgesellschaftliche Instanz und mit ihrem Engagement an der "Basis".

Einleitung

In der internationalen Politik wie im Globalisierungsprozess spielen Nicht-Regierungsorganisationen eine immer wichtigere Rolle: sowohl als kritische, zivilgesellschaftliche Instanz wie auch mit ihrem Engagement an der "Basis", in den Netzwerken sozialer Bewegungen oder in bestimmten Politikfeldern. Entsprechend ihrer internationalen Orientierung und Kooperation hat sich auch in Deutschland die Abkürzung NGO ("Non-Governmental Organization") eingebürgert. In diesem Heft wird ein Überblick über die Entwicklung der NGOs gegeben, ihr eigenes Selbstverständnis beschrieben und ihre Tätigkeit am Beispiel von drei Politikbereichen dargestellt.

In relativ kurzer Zeit haben die NGOs - dies zum Teil auch durch spektakuläre Aktionen - einen beachtlichen Bekanntheitsgrad erreicht. Das ist wichtig für die interne Mitgliederwerbung und -unterstützung, kann aber auch zur Überschätzung der eigenen Fähigkeiten bzw. politischen Möglichkeiten führen. Ansgar Klein geht in seinem Essay dieser Überlegung nach, insbesondere hinsichtlich der Zielsetzung, globale Demokratisierungsprozesse zu initiieren und zu stärken.

Ein anderes Konfliktthema für das strategische Verhalten der NGOs untersuchen Elmar Altvater und Achim Brunnengräber: Sollen sich die Organisationen eher auf die fachspezifische, politiknahe Beratung - also auf Lobbyarbeit - konzentrieren, oder aber sollen sie, angesichts bisheriger oft vergeblicher Mühen, die Energien auf den spektakulären öffentlichen Protest richten, wie dies etwa anlässlich der letzten Weltkonferenzen geschah? Beide Formen in ihrem Extrem schließen einander eigentlich aus, gleichwohl bedingen sie sich gegenseitig, wenn effektiv Einfluss genommen werden soll. Auch in Zukunft werden also recht unterschiedliche Aktionsformen die Handlungsstrategien der NGOs bestimmen.

Bei der Entstehung von Bürgerinitiativen in den frühen siebziger Jahren spielte der Umweltschutz eine zentrale Rolle. Sehr bald erkannte man aber, dass Umweltprobleme grenzüberschreitend sind, es daher international agierender Organisationen bedarf wie zum Beispiel Greenpeace oder der Worldwide Fund for Nature (WWF). Beim Umweltgipfel der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro 1992 waren bereits nicht weniger als 1400 Nicht-Regierungsorganisationen akkreditiert. Diese Veränderungen in der politischen Beteiligung von NGOs zeichnen Franz Kohout und Peter Cornelius Mayer-Tasch in ihrem Beitrag nach und systematisieren zugleich die Vielfalt umweltpolitischer NGOs von der lokalen bis zur globalen Ebene.

Auch die entwicklungspolitische Arbeit begann in Deutschland zunächst in kleinen Bürgerinitiativen, etwa mit kirchlich oder politisch engagierten Gruppen. Daraus entstanden große Organisationen wie u. a. die Deutsche Welthungerhilfe, Brot für die Welt und Misereor. Walter Eberlei charakterisiert die z. T. sehr unterschiedlichen Strukturen und Aktivitäten entwicklungspolitischer Nicht-Regierungsorganisationen, die insgesamt jedoch dasselbe Ziel verfolgen: Hilfe zur Selbsthilfe.

Zu den Nicht-Regierungsorganisationen können auch die parteinahen politischen Stiftungen gezählt werden. Ihre Arbeit wird zwar ganz überwiegend aus staatlichen Mitteln finanziert, aber sie wenden sich zumal in ihrer entwicklungspolitischen Arbeit an sehr unterschiedliche politische und gesellschaftliche Kräfte. Gemeinsames Ziel ist die Unterstützung von Demokratisierungsprozessen und der Aufbau demokratischer Strukturen. Swetlana W. Pogorelskaja beschreibt diese im Allgemeinen weniger bekannten gesellschaftlich-politischen Aktivitäten, die jedoch eine beachtliche Wirkung haben.