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22.5.2002 | Von:
Daniel Piazolo

Entwicklungsunterschiede innerhalb einer erweiterten EU

Herausforderungen und Chancen

V. Die Chancen der Osterweiterung der EU

Die Chancen der Osterweiterung sind grundsätzlich in folgenden Bereichen zu sehen: Zunahme des Handels, Zunahme der Produktvielfalt, verbesserter Wissensaustausch, zunehmende Konvergenz der Lebensbedingungen, Zunahme des Wohlstandes, politische Stabilität in Europa und insgesamt eine Zunahme der Wettbewerbsfähigkeit Europas in der Weltwirtschaft.

Es muss berücksichtigt werden, dass die Handelsintegration zwischen Ost- und Westeuropa schon weit vorangeschritten ist. [8] Die EU ist der wichtigste Handelspartner für alle Beitrittskandidaten. Durch die Europaabkommen ist der Handel schon zum größten Teil liberalisiert. Daher ist es eher unwahrscheinlich, dass durch die EU-Mitgliedschaft der Handel mit den 15 jetzigen EU-Mitgliedsländern am Gesamthandel der Transformationsländer nochmals sprunghaft ansteigt. Jedoch vergrößert sich mit Zunahme der Wirtschaftsaktivitäten das Volumen des Handels, und dadurch nimmt der Austausch an Gütern und Dienstleistungen zwischen Ost- und Westeuropa weiter zu.

Dieses Argument trifft auch für die Zunahme der Produktvielfalt zu. Zwar verbessert sich durch die Vollmitgliedschaft der osteuropäischen Länder die Vermarktungsmöglichkeit der Produkte in den Partnerländern, jedoch gilt auch hier, dass die Europaabkommen schon viel ermöglicht haben. Somit ist nur eine relativ geringe Zunahme der Vielfalt von Produkten nach einer EU-Osterweiterung zu erwarten.

Die Vollmitgliedschaft der MOEs in der EU wird aber sicherlich den Austausch von Wissen weiter verbessern, da engere Kontakte im Rahmen von Aufenthalten in den europäischen Partnerländern und von europäischen Mobilitätsprogrammen erleichtert werden. Darüber hinaus wird auch die Freizügigkeit des Kapitals innerhalb einer erweiterten EU den Wissenstransfer über moderne Produktionsprozesse durch ausländische Direktinvestitionen der Firmen vereinfachen. Dies wird die Konvergenz der Lebensbedingungen und die Zunahme des Wohlstandes in Europa beschleunigen. Das wirtschaftliche Aufholen der osteuropäischen Staaten sichert die politische Stabilität in Europa, die z. B. in Bezug auf langfristige Investitionen (u. a.) sehr wichtig für wirtschaftliche Entscheidungen ist.

Insgesamt fördert die EU-Osterweiterung die Zunahme der Wettbewerbsfähigkeit Europas in der Weltwirtschaft. Zwar bringt der Wettbewerb als treibende Kraft nicht nur bei regionaler Integration von Ländern einen höheren Wohlstand hervor, aber die Unterschiedlichkeit der Mitgliedsländer einer erweiterten EU unterstützt diese Wettbewerbswirkung. Die Intensivierung des Wettbewerbs ist jedoch auch mit einer Erhöhung des Leistungs- und Anpassungsdrucks verbunden.

Fußnoten

8.
Das Handelsmuster der MOEs ist schon nahe an dem Handelsmuster, das auf der Basis von so genannten Gravitationsmodellen für einen verzerrungsfreien Austausch von Gütern und Dienstleistungen zu erwarten wäre. Vgl. Daniel Piazolo, Trade Integration between Eastern and Western Europe: Policies follow the Market, Journal of Economic Integration, 12 (1997), 3 S. 259-297.