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Medien als Kriegswaffe

Eine Analyse der amerikanischen Militärpropaganda im Irak-Krieg


27.11.2003
Auch die Kriegspropaganda ist im Informationszeitalter angekommen. Zu ihr gehören Public Diplomacy im politischen Raum und informationelle Kriegführung. Der Beitrag untersucht anhand des Irak-Krieges, wie ein Feldzug propagandistisch vorbereitet und abgesichert wird.

Einleitung



"We're coming with a mighty force to end the reign of your oppressors.We are coming to bring you food and medicine and a better life.And we are coming, and we will not stop, we will not relent until your country is free." George W. Bush





Der kommunistische Politiker und Medienunternehmer Willi Münzenberg (1889 - 1940) bezeichnete Propaganda einmal als Waffe, die es im politischen Kampf konsequent zu nutzen gelte.[1] Die USA haben sich dieses Axiom im jüngsten Irak-Krieg gründlich zu Eigen gemacht: "Kein Krieg der Geschichte war so sehr ein Medienkrieg wie der im Irak."[2] Die Journalisten waren auf beiden Seiten Teil der Kriegsstrategie. Die irakische Präsident Saddam Hussein setzte darauf, dass die Medien so lange Bilder von verstümmelten Kindern und verletzten Zivilisten verbreiten würden, bis die empörte Öffentlichkeit im Westen ihre Regierungen zum Frieden zwingen würde. Die US-Regierung hoffte dagegen, dass die rund 500 direkt von der Front berichtenden Journalisten ihren Heimatredaktionen jene symbolischen Bilder liefern würden, welche den Krieg als Kreuzzug für die Freiheit erscheinen ließen.

In der propagandistischen Beeinflussung der Weltöffentlichkeit war in diesem wieder einmal als Gut gegen Böse inszenierten Duell eine neue Qualität zu verzeichnen: Die Massenmedien sind aus Sicht der Militärs von potenziellen Störfaktoren, die es zu instrumentalisieren gilt, zu willfährigen Helfern der Kriegführung avanciert. Die Medien selbst wurden zur Kriegswaffe. Gleichzeitig hat die politisch-diplomatische Außendarstellung der USA einen bemerkenswerten Veränderungsprozess durchlaufen, der im Irak-Krieg einen vorläufigen Höhepunkt fand: Kriege und bewaffnete Interventionen werden von vornherein als Public-Relations-Ereignisse geplant, Fragen ihrer dramaturgischen Inszenierung erlangen beinahe dieselbe Bedeutung wie die eigentliche politisch-militärische Planung.

Im Folgenden sollen diese Veränderungen am Beispiel des Irak-Kriegs näher beleuchtet werden. Zunächst geht es um die Professionalisierung der US-Auslandspropaganda in den späten neunziger Jahren, in einem zweiten Schritt dann um die neuen Strategien, mit denen Militärs die Potenziale der Medien instrumentalisieren und zu ihren eigenen Zwecken einsetzen.



Fußnoten

1.
Willi Münzenberg, Propaganda als Waffe, Paris 1937, S. 10.
2.
Der Spiegel, Nr. 36/2003, S. 58.