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Amerikanisierung oder Internationalisierung?

Populärkultur in beiden deutschen Staaten


29.10.2003
Der Vergleich der Populärkultur zeigt erstaunliche Überschneidungen, etwa in Formen der Ablehnung amerikanischer Kultur, aber auch wichtige Unterschiede. Amerikanische Stileinflüsse blieben in der DDR subversiver.

Einleitung



In den fünfziger und sechziger Jahren herrschte in der Presse der Bundesrepublik kein Mangel an Berichten über amerikanische Filme, Musik und Moden und deren Einfluss auf Jugendliche. Die amerikanische Populärkultur machte nicht am Eisernen Vorhang Halt: Amerikanische Einflüsse waren in der DDR spürbar und wurden von der SED bekämpft. Doch gab es auch andere internationale Bezugspunkte, zum Beispiel die Musik der Beatles aus Großbritannien. Und Ende der sechziger Jahre gelangten Stile aus der Dritten Welt auf unterschiedlichen Wegen in beide deutsche Staaten.

Es stellt sich die Frage, wie die Kulturgeschichte der Bundesrepublik und der DDR während des Kalten Krieges sinnvoll im internationalen Rahmen zu verorten wäre. Gesellschaftliche und kulturelle Veränderungen in der Bundesrepublik sind vielfach unter dem Blickwinkel der Amerikanisierung, der "Westernisierung" oder der Modernisierung diskutiert worden.[1] Gleichzeitig haben die Globalisierungsdebatten der letzten zehn Jahre die Frage nach dem Verhältnis von Globalisierung und Amerikanisierung aufgeworfen.[2] Meist sind die Staaten des Warschauer Pakts außerhalb des Blickwinkels dieser Debatten geblieben.[3]




Im Folgenden will ich zunächst die vielfältigen, kontroversen Reaktionen auf amerikanische Kulturimporte, insbesondere in Mode und Musik, in Ost und West in den sechziger Jahren aufzeigen, um danach zwei weitergehende Fragen stellen: Ist für die sechziger Jahre eine Amerikanisierung der Populärkultur in beiden deutschen Staaten festzustellen? Inwiefern wurden auch andere Länder zu Bezugspunkten für den (gesamt)deutschen Alltag?



Fußnoten

1.
Vgl. zum Beipiel Anselm Doering-Manteuffel, Wie westlich sind die Deutschen? Amerikanisierung und Westernisierung im 20. Jahrhundert, Göttingen 1999; Detlef Junker (Hrsg.), Die USA und Deutschland im Zeitalter des Kalten Krieges 1945 - 1990. Ein Handbuch, Stuttgart-München 2001, Bd. 1: 1945 - 1968, Bd. 2: 1968 - 1990; Kaspar Maase, BRAVO Amerika. Erkundungen zur Jugendkultur der Bundesrepublik in den fünfziger Jahren, Hamburg 1992; Uta G. Poiger, Jazz, Rock and Rebels. American Culture in a Divided Germany, Berkeley-Los Angeles 2000; Axel Schildt, Ankunft im Westen. Ein Essay zur Erfolgsgeschichte der Bundesrepublik, Frankfurt/M. 1999; Katrin Sieg, Ethnic Drag. Performing Race, Nation, Sexuality in West Germany, Ann Arbor 2002. Für ihre Hilfe danke ich Robert Moeller und Katrina Hagen.
2.
Vgl. allgemein Arjun Appadurai, Disjuncture and Difference in the Global Cultural Economy, in: Public Culture, 1 (1990) 2, S. 1 - 24; Frederic Jameson/Masao Myoshi, The Cultures of Globalization, Durham-London 1998. Zu Deutschland vgl. Kaspar Maase, "Amerikanisierung der Gesellschaft": Nationalisierende Deutung von Globalisierungsprozessen, in: Konrad Jarausch/Hannes Siegrist (Hrsg.), Amerikanisierung und Sowjetisierung in Deutschland, Frankfurt/M. 1997, S. 219 - 241; Michael Ermath, Fluch oder Segen? Der Einfluss der amerikanischen Populärkultur in der Bundesrepublik, in: D. Junker (Anm. 1), Bd. 2, S. 507 - 516.
3.
Zu amerikanischen Einflüssen in der DDR vgl. U. Poiger (Anm. 1); Therese Hörnigk/Alexander Stephan (Hrsg.), Jeans, Rock und Vietnam. Amerikanische Kultur in der DDR, Berlin 2002; Michael Rauhut, Beat in der Grauzone. DDR-Rock 1964 - 1972. Politik und Alltag, Berlin 1993; Rainer Schnoor, Zwischen privater Meinung und offizieller Verlautbarung. Amerikabilder in der DDR, in: D. Junker (Anm. 1), Bd. 2, S. 775 - 785.