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29.10.2003 | Von:
Corinna Onnen-Isemann

Familienpolitik und Fertilitätsunterschiede in Europa

Frankreich und Deutschland

Die Entwicklung in Europa

Grob vereinfacht lässt sich sagen, dass der Wandel im reproduktiven Verhalten Mitte der sechziger Jahre in Nord- und Westeuropa einsetzte und zunächst Südeuropa und schließlich Zentral- und Osteuropa erfasste. Als ein Grund für diese Entwicklung kann die steigende Anwendung von Kontrazeptiva gesehen werden, die eine zuverlässige Planung der Geburten ermöglichte, den Abstand zwischen den Geburten steuerte und somit indirekt die Abnahme der Familiengröße begünstigte. Ein weiterer Auslöser für das veränderte reproduktive Verhalten ist in der höheren Bildung von Frauen und - damit verbunden - in ihrer zunehmenden Erwerbstätigkeit zu sehen.

Die Entwicklung wird verschärft durch den - im Folgenden skizzierten - europaweit feststellbaren demographischen Wandel:

  • Vielfältige Lebensformen haben sich herausgebildet, die Bedeutung nichtehelicher Lebensformen und die Bereitschaft zur Ehescheidung sind gestiegen.
  • Weniger Frauen heiraten, und die Eheschließung erfolgt in einem späteren Lebensalter (in Europa im Alter zwischen 25 und 30 Jahren).
  • Es gibt keinen zwingenden Zusammenhang mehr zwischen der Eheschließung und der Familiengründung, Elternschaft wird hinausgezögert oder Paare verzichten bewusst auf Kinder.
  • Diese Faktoren haben dazu geführt, dass im europäischen Durchschnitt das Fertilitätsniveau unter die Reproduktionsrate gesunken ist. Die Kinderzahl liegt mit 1,7 Kindern je Frau unter der Reproduktionsziffer von 2,1 Kindern je Frau. Hier gibt es jedoch zwischen den einzelnen europäischen Staaten erhebliche Unterschiede: Eine Frau in Österreich, Italien oder Deutschland wird durchschnittlich weniger als 1,7 Kinder zur Welt bringen, eine Frau in Norwegen, Schweden oder Frankreich dagegen knapp über 2. Das ist aber noch nicht die höchste Zahl - in Irland bekommt eine Frau im Schnitt 2,4 Kinder (vgl. Abbildung 1: s. PDF-Version).