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Digitalisierung der Medien


6.10.2003
Die Digitalisierung der Medien wird zu einem gesellschaftlichen und politischen Faktor. Ob Innovationen auch in der Kommunikation folgen, ist bislang nicht erkennbar. Ein wichtiger Trend ist die Verschmelzung von Rundfunk und Internet.

Einleitung



Kritiker der digitalen (R)evolution in den Medien kommen gerne mit folgendem Satz daher: Hätte man doch den Rundfunktechnikern zum Spielen eine Modelleisenbahn geschenkt, dann wäre der Kelch der Digitalisierung an Hörfunk und Fernsehen vorübergegangen. Jetzt seien eine Viertelmilliarde Euro allein in das Digitalradio versenkt worden - und keiner hört es.




Doch die Digitalisierung der Medien ist nicht mehr aufzuhalten und wird zu einem gesellschaftlichen und politischen Faktor. Im Großraum Berlin etwa bleibt seit Anfang August der Bildschirm der Fernsehgeräte schwarz, wenn deren Besitzer sich nicht rechtzeitig einen Digital-Decoder für den Empfang über die Hausantenne zugelegt haben. In diesem Pilotprojekt gehört die analoge Ausstrahlung des Fernsehens der Vergangenheit an - zweifellos ein Wendepunkt in der rund 70-jährigen Geschichte des Pantoffelkinos.

Während ich in Aachen diese Zeilen auf dem Laptop schreibe, höre ich über diese Multimedia-Maschine den Münchener Szenesender "Radio Deluxe", nach eigenem Verständnis "Deutschlands erste und einzige Radiostation, die rund um die Uhr einen einmaligen Musikmix bringt: Smooth Jazz, relaxten Soft Soul und coole chillout Sounds. Garantiert ohne Moderation. Musik nonstop". Die Betreiber der Station haben in der bayerischen Metropole eine Lizenz für die Kabelfrequenz (105,15 MHz) und für das Digitalradio. Die weltweite Ausstrahlung geschieht via Internet in einem "mp3-live-stream von 128 kbs". Knisterfrei und fast in der Qualität, die man von der CD her kennt, kommt das Relax-Sound-Radio aus dem Laptop - drahtlos zudem wie beim herkömmlichen UKW. Denn ich nutze die WLAN-Technik ("wireless local area network") mit einem superschnellen DSL-Anschluss für das Internet.

Auf dieselbe Weise, wie inzwischen weltweit rund 6 000 Radiostationen ihr Programm ins Netz pusten, gelangen auch mehr und mehr Videostreams auf die heimischen Computer. Der User saugt seinen Stoff für das Heimkino meist kostenlos von den Videoservern. Und unermüdliche Fußballfans schauen ihr "Tor des Tages" auf dem Handydisplay, wenn sie kein Ticket für das Stadion mehr haben ergattern können: digitaler Alltag in der Medienlandschaft des Jahres 2003.