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Deutsche Geschichte

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    Deutsches Geschichtsbild im Wandel? Spätestens seit Günter Grass‘ Roman "Im Krebsgang" und Jörg Friedrichs monumentalem Werk "Der Brand" wird wieder über die jüngste deutsche Vergangenheit debattiert. Unmittelbare Kriegsereignisse sind in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Das vereinte Deutschland begibt sich auf die Suche nach Wurzeln und Kontinuitäten seiner Nationalgeschichte. Die Chiffre "Deutsche als Opfer", die kollektive Leidenserfahrungen umschreibt, spielt dabei die zentrale Rolle. Auch andere Ereignisse werden mit neuen Deutungen versehen. So genoss im Frühsommer der Volksaufstand in der DDR vor 50 Jahren als niedergeschlagene Freiheitsrevolution größtes öffentliches und mediales Interesse.

    In jüngster Zeit erlebt das Thema Flucht und Vertreibung eine Renaissance. Es wird heftig über den Standort und die Konzeption des vom Deutschen Bundestag beschlossenen "Zentrums gegen Vertreibungen" gestritten. Die Initiative des Bundes der Vertriebenen ist in Tschechien und Polen auf scharfe Kritik gestoßen: Dort wird befürchtet, dass verwischt werde, wer für den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust verantwortlich sei. Die Befürworter einer nationalen Gedenkstätte in Berlin verweisen auf die versöhnende Wirkung des Erinnerns: Gibt es dafür einen geeigneteren Ort als den, an dem die Nationalsozialisten ihre Kriegspolitik in Szene gesetzt hatten und an deren Ende der Exodus von Millionen Deutschen aus ihrer Heimat stand?

       
  • Hans-Georg Golz

    Editorial

    Die jüngste deutsche Vergangenheit, unmittelbare Kriegsereignisse sind in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. Die Chiffre "Deutsche als Opfer", die kollektive Leidenserfahrungen umschreibt, spielt dabei die zentrale Rolle. Weiter...

    Adam Krzeminski

    Die schwierige deutsch-polnische Vergangenheitspolitik

    Es ist legitim, in der Debatte um das "Zentrum gegen Vertreibungen" an das Leid der deutschen Zivilbevölkerung bei Flucht und Vertreibung zu erinnern. Doch sollte man sich davor hüten, Schuld gegen Schuld aufzurechnen. Weiter...

    Ute Frevert

    Der jüngste Erinnerungsboom in der Kritik

    Die revitalisierte deutsche Opfererinnerung will ernstgenommen, muss aber in ihren historischen Zusammenhang gerückt werden. Nur so kann sie Brücken schlagen, anstatt alte Gräben wieder aufzuwerfen. Weiter...

    Helga Hirsch

    Kollektive Erinnerung im Wandel

    Die Wiederkehr des Themas Flucht und Vertreibung zeigt, dass die teilweise traumatischen Spätfolgen unterschätzt worden sind. Zudem ist die Debatte über Deutsche als Opfer des Krieges lange verdrängt worden. Weiter...

    Annette Leo

    Keine gemeinsame Erinnerung

    Über die Geschichte der DDR herrscht kein kollektives Selbstverständnis in der neuen Bundesrepublik. Aber auch der Nationalsozialismus wird in Ost und West unterschiedlich erinnert. Weiter...

    Edgar Wolfrum

    Die Massenmedialisierung des 17. Juni 1953

    Die Medien sind aktiv an der Bedeutungskonstruktion der Vergangenheit beteiligt. Die Medialisierung des 17. Juni 1953 trägt dazu bei, dass dieser Tag künftig zu einem zuversichtlichen Erinnerungsort werden kann. Weiter...

    Viola B. Georgi

    Jugendliche aus Einwandererfamilien und die Geschichte des Nationalsozialismus

    Die Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust wird bei Jugendlichen aus Einwandererfamilien in besonderer Weise rezipiert. Fragen des veränderten Geschichtsbewusstseins sind Gegenstand dieser empirischen Studie. Weiter...