Korkennachbildung der Unterzeichnung des Staatsvertrags 1955 (Staatsvertrag betreffend die Wiederherstellung eines unabhängigen und demokratischen Österreich) für das Haus der Geschichte Österreich, Wien

17.8.2018 | Von:
Thomas Winkelbauer

Was war "Österreich" vor 1918?

Herrschaft zu Österreich

Seit etwa 1300, also seit den ersten Jahrzehnten der 1282 beginnenden Landesherrschaft der Habsburger in den Herzogtümern Österreich und Steier (Steiermark), ist die Formulierung "Herrschaft zu Österreich" belegt. Damit konnte, erstens, die aus dem Südwesten des Reiches stammende Dynastie selbst, die sich nunmehr nach ihrem neuen Hauptland nannte, gemeint sein, zweitens, die Summe ihrer Herrschaftsrechte und schließlich, drittens, alle Länder und Herrschaftsgebiete der Habsburger (neben Österreich und Steier sowie den Vorlanden westlich des Arlbergs seit 1335 auch die Herzogtümer Kärnten und Krain und seit 1363 die Grafschaft Tirol). Österreich und Steier blieben aber auch nach der Vereinigung unter einem gemeinsamen Landesfürsten im Jahre 1198 zwei selbstständige, nur durch Personalunion verbundene Länder mit zwei unterschiedlichen Landrechten, und dasselbe gilt im 14. und 15. Jahrhundert für die Länder Kärnten, Krain und Tirol. Erst in der Ära von König (seit 1486) und Kaiser (seit 1508) Maximilian I. (1490/93 bis 1519) fand "erstmalig eine bürokratische Überformung der habsburgischen Länder" statt.[15]

In diesen Jahren artikulierte der Landesfürst auch zum ersten Mal den Ständen der einzelnen Erbländer gegenüber "explizit unifikatorische Absichten".[16] So forderte Maximilian im September 1517 die Stände seiner Länder zur Beschickung eines Ausschusslandtages auf und formulierte als Aufgabe der ab Januar 1518 in Innsbruck tagenden Versammlung, zwischen den oberösterreichischen (Tirol und die Vorlande) und den niederösterreichischen (Österreich ob und unter der Enns, Steiermark, Kärnten und Krain) Ländern eine "ainigung (…) aufzürichten, wie sy sich alle als glider ains haubts gegenainander halten (…) sollen und mügen".[17]

Im Übrigen verdankt die heutige Republik Österreich "Gestalt und Namen" im Grunde dem Streben der Habsburger "nach einer territorialen Verbindung zwischen dem babenbergischen Erbe [d. h. den Herzogtümern Österreich und Steiermark] und den 'Stammlanden' [westlich des Arlbergs]".[18]

Haus Österreich

Seit der ersten Hälfte des 14., vor allem aber seit dem frühen 15. Jahrhundert wurde das Geschlecht der Habsburger sowohl von Angehörigen des Hauses selbst als auch von anderen als "Haus Österreich" (domus Austriae) bezeichnet. Allgemeine Verwendung scheint der Begriff erst ab 1438/39 gefunden zu haben, "als die Habsburger mit Albrecht II. wieder in den Besitz der römisch-deutschen Königswürde gelangten".[19] Diese Benennung der Dynastie setzte sich bald auch in einer Reihe von europäischen Sprachen durch (französisch Maison d’Autriche, italienisch Casa d’Austria, spanisch Casa de Austria, englisch House of Austria).

Auch die nicht mehr über das Herzogtum Österreich und die anderen ("österreichischen") Erbländer der Habsburger herrschenden Monarchen aus der spanischen Linie des Hauses wurden im 16. und 17. Jahrhundert international als Repräsentanten des Hauses Österreich wahrgenommen und bezeichnet. "In Frankreich galten gerade die spanischen Habsburger als Angehörige der ‚Maison d’Autriche‘; zwei spanische Infantinnen, die in die französische Dynastie [der Bourbonen] einheirateten, Gattinnen von Ludwig XIII. und Ludwig XIV., hießen in Frankreich Anne d’Autriche und Marie-Therèse d’Autriche. In Spanien aber und seinen überseeischen Besitzungen nannte man die spanischen habsburgischen Könige 'Reyes de la Casa de Austria', 'Reyes Austriacos' oder einfach 'los Austrias'."[20]

Fußnoten

15.
Lackner (Anm. 12), S. 284.
16.
Ebd.
17.
Zit. nach ebd.
18.
Dienst (Anm. 4), S. 50.
19.
Lackner (Anm. 12), S. 287.
20.
Zöllner (Anm. 1), S. 38f. Vgl. auch Alfred Kohler, Die europäische Bedeutung des Begriffs "Casa de Austria", in: Plaschka/Stourzh/Niederkorn (Anm. 1), S. 135–147; Ernst Bruckmüller (Hrsg.), Europäische Dimensionen österreichischer Geschichte, Wien 2002.
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