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Nordkoreas Außen- und Sicherheitspolitik im Zeichen der Krisen


20.8.2003
Vor dem Hintergrund denkbarer Szenarien der Nutzung oder Nichtnutzung von Atomwaffen durch Pjöngjang wird dafür plädiert, Nordkorea im Rahmen einer Einbindungspolitik Anreize zum Erhalt des Status quo zu geben.

Einleitung



Die Koreanische Demokratische Volksrepublik (kurz: KDVR oder Nordkorea) scheint das bekannte Diktum zu bestätigen, dass Totgesagte länger leben. Seit dem Zusammenbruch des Ostblocks ist dem ostasiatischen Land mehrfach der Untergang vorausgesagt worden. Bisher konnte die Führung in Pjöngjang alle derartigen Prophezeiungen Lügen strafen. Konfrontiert mit dem Verlust ehemaliger Bundesgenossen und der zentralen Leitfigur des Landes, Kim Il-sung, sowie einer schrittweise kollabierenden Wirtschaft, haben es Kim Jong-il und seine Gefolgsleute verstanden, Nordkorea durch eine militante Betteldiplomatie, internationale Hilfsappelle, kalkulierte Provokationen und Verhandlungen am Rande des Abgrunds internationale Aufmerksamkeit und Unterstützung zu garantieren und damit ihr eigenes Überleben zu sichern.[1]




Pjöngjang hat dabei geschickt seine geografische Position an der Schnittstelle der Groß- und Regionalmächte-Interessen in Ostasien, sein damit verbundenes Destabilisierungspotenzial und die Furcht der Anrainerstaaten vor den Folgen eines Kollapses des Landes (Flüchtlingsströme, horrende Kosten einer Wiedervereinigung, Verschiebungen des Kräftegleichgewichts in der Region etc.) genutzt. Zugleich hat Nordkorea versucht, seine zunehmende Isolierung und wirtschaftliche Schwäche durch die Erhöhung seines Abschreckungspotenzials - auch und gerade im nuklearen Bereich - zu kompensieren. Eine Trumpfkarte ist in diesem Zusammenhang die Angst des Westens und der Nachbarstaaten vor einer militärischen Kurzschlussreaktion der Führung in Pjöngjang. Durch wiederholtes Säbelrasseln hat Nordkorea derartige Ängste in den vergangenen Jahren bewusst genährt.

Zum besseren Verständnis der Außen- und Sicherheitspolitik Nordkoreas sollen in diesem Artikel zunächst einige zentrale Rahmenbedingungen sowie das veränderte Umfeld des Landes seit den frühen neunziger Jahren erläutert werden. In einem zweiten Schritt werden die Hintergründe der nordkoreanischen Atomwaffenprogramme und mögliche Handlungsoptionen diskutiert.



Fußnoten

1.
Siehe dazu Patrick Köllner, Nordkorea, in: Jürgen Bellers/Thorsten Brenner/Iris M. Gerke (Hrsg.), Handbuch der Außenpolitik, München-Wien 2001, S. 966 - 972, und Samuel S. Kim, North Korea and Northeast Asia in World Politics, in: ders./Tai Hwan Lee (Hrsg.), North Korea and Northeast Asia, Lanham u.a. 2002; S. 3 - 58.