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2.6.2003 | Von:
Michael Lemke

Der 17. Juni 1953 in der DDR-Geschichte

Folgen und Spätfolgen

Der Autor belegt, wie das Versagen der Staatssicherheit und die Ohnmacht des Politbüros bis zum Ende der DDR Trauma und Menetekel für die Herrschenden dargestellt haben.

Einleitung

In den letzten Jahren ist die lange Reihe der Forschungen über die Volkserhebung vom 17. Juni 1953 in der DDR mit vertiefenden Regional- und Lokalstudien und jüngst auch neuen Gesamtdarstellungen fortgesetzt worden.[1] Während Ursachen und Verlauf des Ereignisses insgesamt gut untersucht sind, wurde seinen Folgen und Spätfolgen für die Entwicklung der DDR wissenschaftlich weit weniger intensiv nachgegangen. Wie wurde die Volkserhebung in der DDR intellektuell und politisch "bewältigt"? Wurde sie verdrängt, vergessen oder in den Erinnerungen wachgehalten? War sie Bezugspunkt sowohl für oppositionelles als auch konformes Handeln sowie für die SED-Politik? Was waren neben den innen- die deutschland- und außenpolitischen Folgen der Volkserhebung?


Ursachenforschung und "Neuer Kurs"

Am 17. Juni 1953 legten Bauarbeiter in der Ost-Berliner Stalinallee die Arbeit nieder. Sie gaben das Signal zu einer Volkserhebung, die binnen weniger Stunden die gesamte DDR erfasste. Soldaten und Panzer der Sowjetarmee schlugen den spontanen antistalinistischen Aufstand nieder. Er hatte gezeigt, dass sich die Macht der SED letztlich auf die Bajonette der Roten Armee stützte und dass die sowjetische Option, sie im Fall der Systemgefährdung jederzeit einzusetzen, neue Aufstände prinzipiell verbot. Diese Einsicht bildete bis zur "Wende" 1989/90 die wichtigste Konstante der Wahrnehmung sowjetischer Interessen sowohl durch die SED als auch die DDR-Bevölkerung.

Von den Ereignissen zutiefst erschüttert, begann gleich nach dem 17. Juni in Politbüro und Zentralkomitee (ZK) der SED die Suche nach den Ursachen, nach Fehlern und Schuldigen. Führende Funktionäre übten eine bemerkenswerte Selbstkritik, die tatsächliche Missstände benannte, ohne allerdings den sozialistischen Kurs in Frage zu stellen: Sein Forcieren sei falsch gewesen, "bedeutende Schichten der Bevölkerung" seien zu Gegnern geworden, und viel Zündstoff habe sich "aus einer falschen sozialen Politik" ergeben. Diese habe "Provokateuren" den Boden bereitet und den "Eingriff des faschistischen und monopolistischen Gegners aus dem Westen" erst ermöglicht.[2] Diese Einschätzung des Ministerpräsidenten Otto Grotewohl traf die Stimmung jener in der DDR, die sie als antikapitalistische Alternative in Deutschland erhalten wollten, für Reformen des stalinistischen Systems eintraten und in der Volkserhebung eine Chance dafür sahen.

Doch setzte bereits Ende Juli ein propagandistischer Wandel ein, als Grotewohl gegen eine angebliche Entwicklung der SED zur "Büßergemeinde"[3] vorging und sich die Bevölkerung in ihrer Hoffnung auf eine nachhaltige Änderung der politischen Verhältnisse durch die Losung "Schluss mit der Stimmung der Reue" getäuscht sah. Zwar hatten die sowjetischen Organe als Stichwortgeber bereits am 17. Juni von "Provokateuren" und "faschistischen Agenten ausländischer Mächte" gesprochen und so die Selbstkritik der SED in eine erkennbare Richtung gelenkt. Aber nun sahen der sowjetische Hochkommissar[4] und der Kreml die Gefahr, dass die SED in ein neues Extrem fallen und die "theoretischen Fehler" übersehen könnte.[5] So traten in der offiziellen Sprachregelung der von außen gesteuerte "faschistische Putsch" und verschiedene, eine "Konterrevolution" assoziierende Begriffe in den Vordergrund der Ursachenforschung, verdrängten aber nie, dass dem "imperialistischen Klassenfeind" für seinen "Putsch" bestimmte innere Voraussetzungen geschaffen und von der SED Fehler begangen worden waren. Gleichzeitig baute die SED eine weitere Argumentationslinie auf: Während irregeleitete Bürger und zum Streik verführte Arbeiter Agenten ausländischer Mächte und des westdeutschen Monopolkapitals sowie nazistischen Kräften auf den Leim gegangen seien, habe die überwiegende Mehrzahl der Werktätigen fest zu Partei und Regierung gestanden und Besonnenheit gezeigt.

Diese Lesart bildete einen parteiinternen und ostdeutsch-sowjetischen Konsens, der die innenpolitische Notwendigkeit berücksichtigte, den "Neuen Kurs" zumindest formal fortsetzen zu können. Als sowjetische Initiative zur Entspannung der Situation geplant, lief er auf ein Abbremsen von Sowjetisierungsprozessen und forciertem sozialistischen Aufbau hinaus, hatte aber - von der DDR-Bevölkerung richtig als Phänomen der Schwäche des Regimes gewertet - in den Augen der SED zum Ausbruch der Volkserhebung beigetragen. Der 17. Juni bestätigte, dass eine politische Liberalisierung in der DDR geboten war, erhärtete aber gleichzeitig die Erkenntnis, nach der eine solche das System insgesamt in Frage stellen musste.

Dieses eigenartige Spannungsverhältnis wurde in der unmittelbaren Folge des 17. Juni dergestalt aufgelöst, dass die Aufgabe, die Gesellschaft der DDR wieder in ein ordnungspolitisches Gleichgewicht zu bringen, auf althergebrachte administrative Weise in Angriff genommen wurde und politische Reformunfähigkeit zum Zukunftsprogramm geriet. Allerdings konnte auf die stabilisierenden, beruhigenden Effekte des "Neuen Kurses" nicht verzichtet werden. In den Monaten nach dem Volksaufstand bemühte man sich, einen Modus zu finden, der eine harte Bestrafung von "Rädelsführern" ermöglichte, aber gleichzeitig "irregeführte Mitläufer" eher "milde" behandelte.

Sicherungsmaßnahmen

Ganz offensichtlich hatte die Volkserhebung wesentlich zur Festschreibung der sowjetischen Deutschlandpolitik beigetragen. Hatte es nach Stalins Tod in Moskau noch Diskussionen darüber gegeben, ob die DDR gehalten oder unter bestimmten Bedingungen aufgegeben werden sollte, setzte sich nun jene Fraktion durch, die an deren Fortbestand im sowjetisch determinierten Block festhielt. Daraus ergab sich, dass die Sowjetunion ihre Rolle als Garantiemacht überdenken und beginnen musste, die DDR zügig zu stabilisieren. Einerseits wurden Maßnahmen zur Entlastung der Wirtschaft verkündet, andererseits führten vor allem die Unzulänglichkeiten der bewaffneten Organe der DDR und das Misstrauen der Sowjets gegenüber der Zuverlässigkeit der Kasernierten Volkspolizei (KVP) umgehend zu Sicherungsmaßnahmen. Die sowjetische Direktive, nach der für alle wichtigen volkswirtschaftlichen Objekte "ein sicherer Schutz aus geprüften und politisch der demokratischen Ordnung ergebenen Personen" zu organisieren und die Standorte der Volkspolizei so zu wählen seien, "dass die Einheiten ((...)) in einigen Minuten an volkswirtschaftlich wichtigen Objekten eintreffen können",[6] war einerseits der Startschuss für die Schaffung von "Kampfgruppen der Arbeiterklasse", andererseits für personelle Aufstockungen, technische Reformen und soziale Verbesserungen im ostdeutschen Polizeibereich. Es entstanden detaillierte Einsatz- und Alarmpläne für den Fall eines neuen "17. Juni".

Im Weiteren konstituierten sich "die bis 1989 fortexistierenden Einsatzstäbe in den Bezirken aus führenden Funktionären der SED, der Armee, des MfS und der Polizei".[7] Sowjetische Anordnungen zum Abhören von Telefongesprächen, zur "Zensur und Überprüfung des Schriftwechsels aus Westdeutschland und Westberlin" und zur Einrichtung neuer Störsender richteten sich zwar nach innen, verwiesen aber darauf, dass die sowjetischen Organe die eigene These von der von außen ins Land getragenen "Konterrevolution" verinnerlicht hatten. Die Bauarbeiter blieben Gegenstand besonderer Besorgnis. Die Sowjets warnten die SED davor, der Bevölkerung soziale Versprechungen zu machen; denn bei einer Nichteinlösung könnte das zu neuen Unruhen führen.[8]

Die Volkserhebung engte die ohnehin schmalen operativen Handlungsräume der SED gegenüber der Sowjetunion unmittelbar weiter ein. Die Erhebung als Ausdruck einer zugespitzten Sowjetisierungskrise löste paradoxerweise einen Sowjetisierungsschub aus. So wurde die Übertragung sowjetischer Formen innerbetrieblichen Lebens, insbesondere des sozialistischen Wettbewerbs, beschleunigt und im Staatsapparat das sowjetische Nomenklaturmodell zügig durchgesetzt.[9] Diese Entwicklung war von der SED zwar insofern gewünscht, als sie die Diktatur absichern half, verstärkte aber auch deren "alltägliche" Abhängigkeit von der Hegemonialmacht. Umgekehrt wurde die UdSSR von der ostdeutschen Führung zu verstärkten Warenlieferungen, vor allem Lebensmittel, genötigt, um neue Spannungen zu verhindern.[10] Die Volkserhebung trug dazu bei, die Lebensmittelversorgung noch stärker als strategische Frage der Herrschaftssicherung zu betrachten.

Deutschlandpolitische Effekte und Konsequenzen

Der 17. Juni führte nicht nur zu einer "Inneren"[11] bzw. "zweiten"[12] Staatsgründung, sondern auch zur außen- und deutschlandpolitischen Neubestimmung der DDR; das war nicht zuletzt eine Konsequenz aus der sowjetischen Entscheidung, deren separatstaatlichen sozialistischen Weg fortzusetzen und völkerrechtlich abzusichern. Vor allem aber bedeutete der Volksaufstand das Ende der DDR, wie sie 1949 konzipiert worden war. Zum einen war sie als Provisorium perdu, zum anderen hatte sie ihren politisch-moralischen Anspruch als Alternative zur Bundesrepublik und als Modell für deren "antifaschistisch-demokratische" Umgestaltung verloren. Die ursprüngliche Konzeption, die deutsche Einheit über den Mechanismus einer gesamtdeutschen Volksfront und durch den "Magnetismus" der DDR herzustellen, war gescheitert. Spätestens am 17. Juni dürfte jedem im Politbüro klar geworden sein, dass die Grundbedingung für eine Wiedervereinigung nach ostdeutschem Bilde, die Akzeptanz der Bevölkerung der DDR für die Politik der SED, nicht erreicht worden war und in absehbarer Zukunft auch nicht zu erreichen sein würde. Der 17. Juni stellte also indirekt einen Sieg des parlamentarisch-marktwirtschaftlichen Weges der Bundesrepublik dar, die 1953 für viele Menschen in der DDR zwar nicht als Ideal, aber doch als lebenswertere Alternative angesehen wurde. So wurde der Aufstand zur gesamtdeutschen Erfahrung: Die SED scheiterte nicht nur in der DDR, sondern im zweigeteilten Deutschland. In ihrem Urteil Schwankende sahen in der DDR nun das, was sie war: eine Diktatur. Die östliche infiltrative und missionarische Westpolitik erlitt einen schweren Rückschlag.[13]

Für die Anerkennungspolitik der SED wirkte die Volkserhebung insofern fatal, als der bundesdeutsche Alleinvertretungsanspruch eine weitere Dimension erhielt. Hatte Bonn die Verweigerung offizieller Kontakte zur DDR bislang mit der fehlenden Legitimation der SED begründet, so argumentierte Bundeskanzler Konrad Adenauer nun auch moralisch: Die Bevölkerung der Ostzone habe der SED am 17. Juni jedes Vertretungsrecht abgesprochen. Also vollziehe die Bundesregierung mit ihrer Gesprächsverweigerung nichts anderes als das Votum der Ostdeutschen. Ein Abgehen vom Alleinvertretungsanspruch wäre "eine Beleidigung der zahllosen Opfer an Leben und Freiheit" und "Verrat" an den "Zonenbewohnern".[14] Wenngleich die Volkserhebung von der Bundesregierung (und den Westmächten) weder gewünscht noch vorbereitet, provoziert oder unterstützt worden war, nutzten diese ihre Ergebnisse im internationalen Kalten Krieg und im deutschem Sonderkonflikt für sich. Der 17. Juni schuf ein zentrales Argument gegen den Kommunismus, das nicht zuletzt durch den "Tag der deutschen Einheit" und die damit verbundene Inszenierung des Gedenkens in die DDR hineinwirkte.

Wirkungen bis zum Mauerbau

Das Politbüro der SED und die Regierung der DDR handelten fortan unter verstärktem innenpolitischen Legitimationsdruck, der insbesondere von der Entwicklung der "Republikflucht" mit bestimmt wurde. Zwar ging eine Reihe von aktiven Teilnehmern der Juni-Erhebung aus Angst vor Strafen und Repressionen in den Westen, was für die Partei eine erwünschte Minderung des Oppositionspotenzials bedeutete. Doch hatte der 17. Juni das Politbüro gelehrt, dass nur die Erhöhung des Lebensstandards, vor allem die Lösung der Lebensmittelfrage, massenhafter Unzufriedenheit und dem Exodus der Bevölkerung vorbeugen konnte.

Welchen politischen Zündstoff die Versorgungsfrage im Kalten Krieg besaß, erfuhr die SED wenige Wochen nach dem 17. Juni, als die USA und die Bundesrepublik von West-Berlin aus eine risikoreiche Lebensmittelhilfe für die ostdeutsche Bevölkerung organisierten und die sich zuspitzende Ost-West-Konfrontation[15] die Gefahr neuer Unruhen in der DDR heraufbeschwor. Dieser Testfall für die Stabilität des Regimes war von der SED mit sowjetischer Hilfe durchgestanden worden, hatte aber gezeigt, dass der Widerstandswille der Bevölkerung keineswegs gebrochen war. Massiver Legitimationsdruck ging zudem vom Kampf der SED gegen die Integration der Bundesrepublik in das westliche Bündnissystem aus. Denn indirekt zwang der 17. Juni die Partei noch stärker dazu, sich als die wahre Interessenvertreterin der Nation zu präsentieren, wenn sie schon nicht auf überzeugende innen- und wirtschaftspolitische Leistungen verweisen konnte und außenpolitisch isoliert blieb. Sehr schnell zeigte sich bei der SED die Tendenz, die Volkserhebung und ihre unmittelbaren Folgen zu verdrängen. Vor allem in den internationalen und in den Bündnisbeziehungen sollte der fatale Tag nicht erwähnt werden, wie Grotewohl anordnete.[16] Das Aufstandssyndrom nahm groteske Formen an, als der DDR-Verkehrsminister angewiesen wurde, mit den westdeutschen Stellen die Anzahl der Eisenbahnzüge im Interzonenverkehr für Ostern und Pfingsten 1956 selbstständig zu vereinbaren, "die Zahl 17" aber "in jedem Fall zu verhindern".[17]

Intellektuelle Opposition und studentische Revolte 1956

Im Verlauf des Jahres 1955 schien sich die Lage in der DDR zu stabilisieren. Einerseits begann sich die Wirtschaft langsam zu erholen, andererseits verschafften die Verkündung der sowjetischen Zwei-Staaten-Theorie und die Mitgliedschaft der DDR im Warschauer Pakt der SED ein gewisses Sicherheitsgefühl. Gleichzeitig trugen seit Mitte 1953 soziale Maßnahmen wie die Erhöhung von Löhnen und Renten sowie Preissenkungen und die Erweiterung der Konsum- und Nahrungsgüterproduktion zur Beruhigung der Arbeiterschaft bei. In der Tat hatten die Maßnahmen des "Neuen Kurses" durch eine relative Verbesserung der Lebenslage Anteil am allmählichen Verblassen der Aufstandsbilder. Eine dauerhafte Beruhigung wurde jedoch dadurch in Frage gestellt, dass die politischen Strukturen des Stalinismus in der DDR fortbestanden und sich das Problem einer Entstalinisierung der Gesellschaft in allen Staaten des Ostblocks stellte.

So waren die Ereignisse des Jahres 1956 in Blockprozesse eingebettet, die ähnlich gelagert waren, aber von nationalen Besonderheiten bestimmt wurden. Für ihre Intensität war von Bedeutung, dass sie im Zentrum des Systems, in Moskau, mit dem XX. Parteitag der KPdSU und einer Kritik am Personenkult um Stalin begannen und ansatzweise die ideologischen Grundlagen für eine Entstalinisierung der Herrschaft und eine Liberalisierung der Machtausübung schufen. Dies ging einher mit neuen Ideen zur Entschärfung des Kalten Krieges. Er sollte vor allem durch das Prinzip der "friedlichen Koexistenz" von einer vorrangig konfrontativen in eine nichtmilitante Systemkonkurrenz verwandelt werden, um die Wettbewerbsfähigkeit des sozialistischen Lagers zu erhöhen. Abgesehen davon, dass sich das Politbüro gegen dieses Prinzip im Verhältnis zur Bundesrepublik sperrte, weil es Einflussmöglichkeiten des Nachbarn auf die DDR und das Ende ihrer "einmischenden" Westarbeit in der Bundesrepublik befürchtete,[18] gingen ihm die Liberalisierungstendenzen gegen den Strich. Zwar stimmte Walter Ulbricht einer kontrollierten Rehabilitierung von Funktionären zu, die im Umfeld des 17. Juni Parteistrafen erhalten hatten (u.a. Anton Ackermann, Elli Schmidt, Hans Jendretzky), aber die Erfahrung des Volksaufstandes stand im Hintergrund, wenn er jede Liberalisierung konsequent verweigerte und ihre intellektuellen Befürworter Repressionen aussetzte. Der antistalinistische Arbeiteraufstand in Polen (Posen) und vor allem die ungarische Revolution im Herbst 1956 schienen ihm im Sinne der Systemerhaltung Recht zu geben. Sie trugen zum Abbruch des Experiments Entstalinisierung durch die verunsicherte sowjetische Führung bei und bewahrten Ulbricht möglicherweise vor dem Verlust seiner beherrschenden Position in Partei und Staat.

Es waren 1956/57 parteinahe Intellektuelle, die für Reformen zur Überwindung des Stalinismus in der DDR und damit gegen Ulbricht als dessen wichtigsten Repräsentanten auftraten. Von diesem als "Revisionisten" bezeichnet, ging es ihnen im Unterschied zu den Aufständischen des 17. Juni nicht um eine Entmachtung der SED und die Beendigung des sozialistischen Weges, sondern um einen "menschlichen" Sozialismus. Sie lehnten den Kapitalismus ab und entwickelten Programme zur "Reinigung" der Lehren von Marx und Lenin von stalinistischen Verfälschungen und zur Dezentralisierung und Demokratisierung der Wirtschaft.[19] Wenngleich auch für sie der Volksaufstand eine prägende Erfahrung gewesen war, wiesen sie diese Form des Widerstandes in der Regel von sich. Im Übrigen waren viele von den Bildern der Gewalt auf beiden Seiten schockiert und glaubten der SED-Legende vom "faschistischen" Putsch, denn "zerrissene rote Fahnen und Transparente, demolierte Parteibüros, brennende Aufklärungsplakate" weckten gerade bei bekannten Schriftstellern "traumatische Erinnerungen" an die ersten Monate der NS-Zeit.[20]

Für die SED-Führung ebenfalls brisant war die sich an den Universitäten und Hochschulen 1956/57 unter dem Eindruck des Entstalinisierungsdiskurses entwickelnde studentische Opposition. Antistalinistisch ausgerichtet, trafen sich ihre Forderungen mit denen reformorientierter SED-Wissenschaftler: Beseitigung der Vorherrschaft des dialektischen Materialismus über die Fachwissenschaft und die Durchsetzung "des Rechts auf freie Diskussion ohne Furcht vor Zwangsmaßnahmen".[21]

Doch die Forderungen der Studenten gingen bald über die der SED-internen Opposition hinaus. Eine Analyse des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) vom 28. Oktober 1956 hielt fest, dass sich an fast allen Hochschulen Versuche zeigten, "die Auseinandersetzungen in den Volksrepubliken Polen und Ungarn für Forderungen an die Führung der SED und den Staat auszunutzen". Man verlange "Änderungen im Hochschulbetrieb, nämlich vor allem die Gründung einer unabhängigen Studentenorganisation, Auflösung der FDJ-Hochschulgruppen, Abschaffung des obligatorischen gesellschaftlichen Grundstudiums und des Unterrichts in der russischen Sprache". Im Übrigen würden die Studenten die Berichterstattung der "demokratischen Presse" und verstärkt das Führungskollektiv der SED, besonders Ulbricht, angreifen, "dessen Rücktritt wiederholt gefordert wird".[22] Auch die Rezeption der Westpresse und der "Meldungen des RIAS" durch die aufbegehrenden Studenten erinnerte an Abläufe und Verhaltensweisen im Umfeld des 17. Juni. Diese Ähnlichkeit war nur teilweise zufällig. Denn verschiedentlich wurde wie zwei Jahre zuvor nicht nur die Ablösung der Machthaber, sondern auch die Einheit Deutschlands verlangt.[23] Sieht man von radikalen Ausnahmen ab, so offenbarten sich in der Diktion studentischer Wandzeitungen und in den "wilden" Versammlungen Anfang November 1956 in der Humboldt-Universität, aber auch in den spontanen Demonstrationen der Jungakademiker nicht nur der Geist, sondern auch inhaltliche und organisatorische Parallelen zu den Aktionen im Juni 1953. So sahen es auch die SED und ihre Sicherheitskräfte, die mit repressiven, aber auch mit verfeinerten - vor allem geheimdienstlichen - Methoden reagierten und bewiesen, dass sie aus dem Volksaufstand taktische Lehren gezogen hatten.

Arbeiterprotest

Im Unterschied zu den oppositionellen Intellektuellen und den aufmüpfigen Studenten und im Gegensatz zu ihrem Verhalten am 17. Juni 1953 blieben die Arbeiter insgesamt ruhig und zählten nicht zu den Initiatoren spektakulärer Aktionen. Als Ursachen dafür sind eine Reihe von sozialen Verbesserungen wie Lohnerhöhungen, Preissenkungen und Arbeitszeitverkürzungen, aber auch politische Versprechen zu nennen[24] sowie ein von der SED-Führung nicht ungern gesehenes "proletarisches" Unverständnis sowohl für die theoretisierenden Intellektuellen als auch für rebellierende Studenten. Ein wichtiger Grund für die Zurückhaltung lag auch in dem Umstand, dass die Arbeiter unter den Ereignissen des 17. Juni und seinen Folgen am meisten gelitten hatten und einen neuen, kaum aussichts-, sicher aber opferreichen Versuch vernünftigerweise scheuten.

Doch bedeutete das keineswegs Abstinenz von jeglicher Opposition. Das MfS berichtete von Streiks und Streikdrohungen, die sich seit Mitte Oktober 1956 häuften. Versucht man, ihren Anlass zu bestimmen, fallen lohnpolitische Ursachen auf; es gewannen aber auch die Umbrüche in Polen und Ungarn und - weniger stark - die studentischen Unruhen in Berlin an Gewicht. Territorial hatten die Streiks ihr Zentrum in Magdeburg, einer Hochburg des Aufstandes vom 17. Juni; kleinere, meist spontane Arbeitsniederlegungen in verschiedenen Regionen folgten.[25] Offenbar war es die allgemein kritische Stimmung unter den Arbeitern und eine wache, aber undifferenzierte Erinnerung an den 17. Juni,[26] die der SED mehr Anlass zur Sorge gaben als die tatsächliche Gefahr eines neuen Volksaufstandes. Augenscheinlich spielte das Aufstandssyndrom in Verbindung mit der Wahrnehmung einer äußeren Bedrohung eine Rolle, wenn das Politbüro im November 1956 drakonische "Maßnahmen zur Unterdrückung konterrevolutionärer Aktionen"[27] beschloss: im Kern ein Bürgerkriegsprogramm.

Der 17. Juni 1953 war der SED im Herbst 1956 allgegenwärtig. Allerdings standen in der Perzeption nicht die Arbeiter, sondern die oppositionellen Intellektuellen sowohl in der DDR als auch in Polen und Ungarn im Vordergrund. Deren Reformvorstellungen seien laut Grotewohl "in voller Breitseite auf uns monatelang gerichtet gewesen. In offenen Ratschlägen und unterirdisch durch Wühlarbeit ((...)). Der Ausgangspunkt in Polen ist der Aufstand in Poznan ((...)) gewesen. Aber der Ausgangspunkt für uns ist der 17. Juni 1953. Und seit dem 17. Juni 1953 haben wir viel gelernt, und gebranntes Kind scheut das Feuer."[28] Auch von der Sowjetunion wurde die SED an das Ereignis erinnert. Als sie Ende 1957 den Kampf gegen die evangelische Kirche verschärfte, ließ der stellvertretende sowjetische Außenminister Walerjan Sorin seine Besorgnis auf subtile Weise anklingen: Ein namhafter Bischof habe intern erklärt, dass, "wenn von Seiten der Regierung der DDR keine Maßnahmen ergriffen würden, um eine Entspannung herbeizuführen, eine ähnliche Lage entstehen könnte wie vor dem 17. Juni 1953".[29]

Spätfolgen bis zum Mauerfall

Mit dem Mauerbau 1961, der auch eine Spätfolge des Volksaufstands vom Juni 1953 gewesen war, begannen sich die meisten Menschen in der DDR mit "ihrem" Staat zu arrangieren. Der fortschreitende zeitliche Abstand, ein steigender Lebensstandard, der wichtige wirtschaftliche und soziale Ursachen des Volksaufstandes ausräumte oder vergessen machte, sowie die kaum mehr reale Perspektive der deutschen Einheit ließen die Erinnerungen allmählich verblassen. Immer mehr schien es, als würden die Bürger der DDR den in der Bundesrepublik als Gedenktag begangenen 17. Juni als Ereignis mehr der west- als der ostdeutschen Geschichte betrachten. Dazu trug bei, dass westliche Medien ihn häufig zu "einem Heldenepos erhoben",[30] der er in der Erinnerung vieler DDR-Bürger nicht war. Den westlichen Fernsehübertragungen des offiziellen Gedenkens mangelte es zunehmend an ostdeutschen Einschaltquoten. Zwar blieben für diejenigen, die den Aufstand unmittelbar erlebt hatten, unterschiedlich deutliche Erlebensbilder erhalten, aber sie beeinflussten sie deren Alltag ebenso wenig wie den der jungen Generationen, die vom 17. Juni nur noch aus der Überlieferung wussten. Berichte und Erzählungen im Familien- oder Freundeskreis, in Gruppen sowie gelegentlich auch am "Stammtisch" und "unter der Hand" verbreitete Meinungen haben immer eine Rolle gespielt. Da das Thema zwar nicht erwünscht, aber auch nicht prinzipiell verboten war, waren kritische Bemerkungen am Verhalten der SED im Rahmen "positiver" Diskussionen zumindest in der Zeit nach der Entmachtung Ulbrichts durchaus möglich. Zudem gaben in der DDR publizierte schriftstellerische Arbeiten - etwa Bertolt Brechts kritische Anmerkungen zum 17. Juni - Anlass für dessen "legale" Thematisierung.[31] So blieb auch die Auseinandersetzung Stefan Heyms mit der SED um seinen Roman "Fünf Tage im Juni" nicht im Verborgenen.

Die politische Marginalisierung des Datums - teils aus schwindendem Interesse, teils als Ergebnis disziplinierten Schweigens - fand seine Entsprechung im SED-obrigkeitlichen Verdrängungsprozess, der aber keineswegs erinnerungslos verlief. Die Verdrängung war einerseits instrumentell, insofern nichts an den "Betriebsunfall" der DDR erinnern und den sozialistischen Aufbau behindern durfte. Andererseits wurzelte der Volksaufstand im kollektiven Bewusstsein der SED-Führung als Trauma und Versagenssyndrom sowie als ständig aktualisierbare "Lehre".

Maßgeblich für die Darstellung des Volksaufstandes in der offiziellen Geschichtsdeutung war die 1966 erschienene achtbändige "Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung". Zwar wurde die bis dahin geltende Ursachenbeschreibung im Wesentlichen beibehalten, aber die Behauptung, es habe sich um einen "faschistischen" Putsch bzw. Putschversuch gehandelt, zugunsten der Definition als "konterrevolutionärer Putsch" zurückgenommen.[32] Eine Interpretation, welche die Schwächen des Systems anklingen ließ ("schwierige Situation" der DDR, "negative Erscheinungen" in der Wirtschaft und bei der Machtausübung, "falsche Thesen Stalins"), aber prinzipielle Fehler der SED bestritt, wurde wie eh und je von der These äußerer konterrevolutionärer Einflüsse, feindlicher "Verschwörungen" und Umsturzpläne gestützt. Im "Abriß der Geschichte der SED" 1978 blieb dieses Muster erhalten, doch wurde aus dem "konterrevolutionären Putsch" nun ein "konterrevolutionärer Putschversuch".[33] Diese Bezeichnung wurde zum Standard, wenngleich in verschiedenen Darstellungen "faschistische Putschisten" (wie in Halle) auftauchten.[34] Die offizielle Lesart setzte sich im "Lehrbuch Geschichte" (10. Klasse) fort, das schülergerecht Beispiele für das Wüten einer Konterrevolution bot,[35] die nicht stattgefunden hatte. Sie fand sich auch in verschiedenen Betriebsgeschichten wieder.[36] Zur Kontinuität der Darstellung gehörte die Aussage, dass die meisten Werktätigen 1953 treu zur Partei gestanden und dem Putsch mit Hilfe der Sowjetarmee und dank des mutigen Einsatzes der Volkspolizei eine Abfuhr erteilt hätten.

Das Trauma

Doch gerade die Kader der Kasernierten Volkspolizei, die sich "trotz aller aufgetretenen Probleme als funktionierendes Machtinstrument des herrschenden SED-Regimes" erwiesen und nach dem Aufstand weitere politische und soziale Privilegien erhalten hatten,[37] wurden bei Beförderungen oder der Übernahme wichtiger Funktionen noch jahrelang darüber befragt, wo sie sich am 17. Juni befanden und was sie gegen die "Provokateure" getan hätten. Noch größere Aufmerksamkeit widmete die SED den Bauarbeitern, die ja zu den Initiatoren der Erhebung gezählt hatten. Bis zum Ende der DDR wirkte eine Art "Bauarbeitersyndrom" nach, das zeitweilig skurrile, manchmal quasikultische Formen hervorbrachte.

Auch in der rigorosen Position, die das Politbüro gegenüber den Demokratisierungsversuchen in der CSSR 1968 und der Solidarnosc-Bewegung in Polen 1980 einnahm, wirkte das Trauma des 17. Juni nach. Zwar lässt sich ein Erinnern an den Volksaufstand bei den jugendlichen Protestierern in der DDR anlässlich des Einmarsches des Warschauer Paktes in die CSSR kaum feststellen. Aber Erich Honecker berief sich explizit auf ihn, als er zu harten Maßnahmen gegen die polnische "Konterrevolution" riet,[38] während bei großen Teilen der Bevölkerung eine latente bis offene Ablehnung des Solidarnosc-Kurses zutage trat - vermutlich ein Ergebnis der von der SED geschürten antipolnischen Stimmung.

Im Vorfeld des Zusammenbruchs der DDR ortete die SED-Führung und insbesondere ihr Generalsekretär zwei Ursachen für die akute Systemkrise: "konterrevolutionäre Tätigkeit" und "bestimmte Kreise" in der Bundesrepublik.[39] Damit lag er in der seit dem Volksaufstand tradierten Argumentationslinie.

Das Trauma 17. Juni wurde beredt, als Staatssicherheitsminister Erich Mielke seine Generale im August 1989 beunruhigt fragte, ob es so sei, "dass morgen der 17. Juni ausbricht",[40] und die "Zentrale Auswertungs- und Informationsgruppe" (ZAIG) des MfS am 8. Oktober dem Politbüro mitteilte, die DDR befinde sich in "einer Situation wie kurz vor den konterrevolutionären Ereignissen am 17. 6. 1953".[41] Noch unmittelbar vor seinem Sturz beschwor Honecker "die Erfolge bei der Niederschlagung der Konterrevolution 1953",[42] diesmal freilich in der Absicht, den Einsatz militärischer Mittel gegen Volksunruhen zu legitimieren.

Die Krise und das Ende der DDR bewirkten bei vielen Bürgerinnen und Bürgern eine Mobilisierung der Erinnerung an den Volksaufstand. Eine Befragung von SED-Mitgliedern 1988/89 - eine Zeit einsetzender akuter Krisensymptome und der Zweifel an der Staatsführung - erbrachte, dass sich die meisten mit der parteioffiziellen Interpretation des 17. Juni identifizierten.[43] Dagegen erinnerten sich viele Ostdeutsche des Ereignisses offenbar nur insofern, als damit die noch offene Frage verbunden war, ob sich die Sowjets in der aktuellen Situation so wie 1953 verhalten würden. Auch war die am 17. Juni wiederbelebte spezifische Streik- und Protestkultur der Arbeiter beim demokratischen Umbruch im Herbst 1989 "mangels Übung ((...)) kaum mehr vorhanden".[44]

Resümee

Der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 und seine (Spät-)Folgen haben Gesellschaft und Politik der DDR erheblich beeinflusst. Die Erinnerung an ihn war in der SED und ihren Apparaten aus Gründen des Machterhaltes stärker als in der Bevölkerung, wo sie nie ganz verschwand, aber doch tendenziell abnahm.

Die Volkserhebung stellt zweifellos ein "singuläres Ereignis in der Geschichte der DDR" (Stefan Wolle) dar. Doch fragt es sich, ob es dies nicht auch für die Bundesrepublik bzw. die gesamtdeutsche Nachkriegsgeschichte im Kalten Krieg war. Dafür sprechen u.a. die direkt oder mittelbar auf den 17. Juni bezogenen deutschen Interaktionen, gesellschaftlichen Diskurse und die unterschiedlichen und doch gemeinsamen Erinnerungen der Zeitzeugen.

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Fußnoten

1.
Vgl. z.B. Thomas Flemming, Kein Tag der deutschen Einheit. 17. Juni 1953, Berlin 2003; Hubertus Knabe, 17. Juni 1953. Ein deutscher Aufstand, Berlin 2003; Volker Koop, Der 17. Juni 1953. Legende und Wirklichkeit, Berlin 2003; Ulrich Mählert (Hrsg.), Der 17. Juni 1953. Ein Aufstand und seine Vorgeschichte, Bonn 2003. Eine aktuelle Bibliographie findet sich unter www.17.juni53.de.
2.
Zit. nach Armin Mitter/Stefan Wolle, Untergang auf Raten. Unbekannte Kapitel der DDR-Geschichte, München 1993, S. 123.
3.
Vgl. Neues Deutschland vom 29. 7. 1953.
4.
Vgl. Merkblatt (der Administration des sowjetischen Hochkommissars), undatiert (Ende Juli 1953), Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv (SAPMO-BArch), NY 4090/303, Bl. 282.
5.
Der DDR-Botschafter in Moskau berichtete seinem Ost-Berliner Vorgesetzten, die sowjetischen Genossen meinten, "in Deutschland [gemeint war die DDR, M.L.] hat man immer Politik in Extremen gemacht. Man fürchtet, daß dies jetzt wieder so sein könnte und Partei und Regierung wieder in ein Extrem fallen können." Schreiben Rudolf Appelts an Staatssekretär Ackermann, 1. 8. 1953, Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes, Bestand Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der DDR (PA AA/MfAA), A 15523, Bl. 17.
6.
Zit. nach Michael Lemke, Einheit oder Sozialismus? Die Deutschlandpolitik der SED 1949 - 1961, Berlin 2001, S. 273.
7.
Torsten Diedrich, Putschversuch - Volksaufstand - Arbeitererhebung? Neues über den 17. Juni 1953 in der DDR, in: Das unverstandene Menetekel - Der 17. Juni 1953, Materialien einer Tagung, hrsg. vom Brandenburger Verein für politische Bildung "Rosa Luxemburg", Potsdam 1993, S. 34.
8.
Vgl. M. Lemke (Anm. 6), S. 273.
9.
Vgl. ebd., S. 285, und ders., Deutschlandpolitik zwischen Sowjetisierung und Verwestlichung, in: Konrad Jarausch/Hannes Sigrist (Hrsg.), Amerikanisierung und Sowjetisierung in Deutschland 1945 - 1970, Frankfurt/M. - New York 1997, S. 109f.
10.
Vgl. beispielsweise das Schreiben des ZK der SED an Chruschtschow und Ministerpräsident Bulganin, 19. 5. 1956, SAPMO-BArch, Zentrales Parteiarchiv (DY 30), J IV 2/202/39, Bd. 1.
11.
Vgl. Armin Mitter, Die "Innere Staatsgründung", in: Ilko-Sascha Kowalczuk/Armin Mitter/Stefan Wolle (Hrsg.), Der Tag X. - 17. Juni 1953. Die "Innere Staatsgründung" der DDR als Ergebnis der Krise 1952/54, Berlin 1996(2), S. 26f.
12.
Vgl. Manfred Wilke/Tobias Voigt, "Neuer Kurs" und 17. Juni - Die zweite Staatsgründung der DDR 1953, in: Andras B. Hegedüs/Manfred Wilke (Hrsg.), Satelliten nach Stalins Tod, Berlin 2000, S. 134.
13.
Vgl. M. Lemke (Anm. 6), S. 278f.
14.
Vgl. Erklärung Adenauers: "Meine lieben Landsleute in Ostberlin und in der Sowjetzone", 4.9.1953, RIAS Berlin.
15.
Vgl. Christian F. Ostermann, "Die beste Chance für ein Rollback"? Amerikanische Politik und 17. Juni 1953, in: Christoph Kleßmann/Bernd Stöver (Hrsg.), 1953 - Krisenjahr des Kalten Krieges in Europa, Köln u.a. 1999, S. 115 - 139, und Bernd Stöver, Die Befreiung vom Kommunismus. Amerikanische Liberation Policy im Kalten Krieg 1947 - 1991, Köln u.a. 2002, S. 486 - 493.
16.
Vgl. Notiz Grotewohls zur "Konferenz europäischer Länder zur Gewährleistung des Friedens und der Sicherheit in Europa", 29. 11. - 4. 12. 1954, SAPMO-BArch, NY 4090/460, Bl. 239.
17.
Vgl. Beschluss des Politbüros, Protokoll 9/56, 13. 3. 1956, SAPMO-BArch, DY 30, J IV 2/2/463, Bl. 8.
18.
Vgl. M. Lemke (Anm. 6), S. 275 - 379.
19.
Vgl. Hermann Weber, Kleine Geschichte der DDR, Köln 1980, S. 90.
20.
Jochen Czerny, Altes und Neues über den 17. Juni 1953, in: Das unverstandene Menetekel (Anm. 7), S. 58.
21.
H. Weber (Anm. 19), S. 90.
22.
A. Mitter/S. Wolle (Anm. 2), S. 265f.
23.
In einem Extremfall an der Humboldt-Universität wurde dazu aufgerufen, sie mit der Waffe in der Hand zu erkämpfen: "Zieht die Lehren aus dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953. Die Masse der Bevölkerung wartet nur auf eine Initiative von oben." Zit. nach ebd., S. 264.
24.
So wurde den Arbeitern eine dauerhafte Mitbestimmung in Form von "Arbeiterkomitees" versprochen, die ihre Arbeit jedoch bereits 1958 wieder einstellen mussten. Vgl. H. Weber (Anm. 19), S. 90.
25.
Vgl. A. Mitter/S. Wolle (Anm. 2), S. 254f.
26.
Mitter und Wolle weisen anhand von MfS-Berichten nach, dass einige streikende oder in anderer Form protestierende Arbeiter den 17. Juni offen mit der aktuellen Situation verglichen - sei es in Erwartung neuer Unruhen oder einfach, um "gegen den Stachel zu löcken"; vgl. ebd.
27.
Das Dokument wurde erstmals abgedruckt in: Joachim Krüger, Votum für bewaffnete Gewalt. Ein Beschluss des SED-Politbüros vom November 1956, in: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung, (1992) 4, S. 81 - 86.
28.
Besprechung Grotewohls mit den Leitern der Auslandsvertretungen, 21.-24.1.1957, PA AA/MfAA, A 15472, Bl. 32 - 34.
29.
Aktenvermerk vom 31. 12. 1957 von Botschafter Johannes König über ein Gespräch mit Sorin am 30.12.1957, ebd., A 147, Bl. 2.
30.
Heinz Brandt, Ein Traum, der nicht entführbar ist. Mein Weg zwischen Ost und West, München 1967, S. 207.
31.
Vgl. Rainer Eppelmann, Eröffnung der 42. Sitzung, in: Deutscher Bundestag (Hrsg.), Materialien der Enquete-Kommission "Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland" (12. WP), Bd. II,2, Baden-Baden - Frankfurt/M. 1995, S. 752.
32.
Vgl. Geschichte der Deutschen Arbeiterbewegung. Von einem Autorenkollektiv unter Vorsitz von Walter Ulbricht, hrsg. vom Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Bd. 7, Von 1949 - 1955, Berlin (Ost) 1966, S. 232.
33.
Vgl. Geschichte der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Abriß, Berlin (Ost) 1978, S. 294f.
34.
Vgl. Geschichte der Deutschen Volkspolizei 1945 - 1961, Bd. 1, hrsg. vom Ministerium des Innern, Kommission zur Erforschung und Ausarbeitung der Geschichte der Volkspolizei, Berlin (Ost) 1987(2), S. 233.
35.
Vgl. Geschichte, Lehrbuch für Klasse 10, Teil 1, Autorenkollektiv unter Leitung von Stefan Doernberg, Berlin (Ost) 1971, S. 149, 169f.
36.
Vgl. Dagmar Semmelmann, "Schauplatz Stalinstadt/EKO". Erinnerungen an den 17. Juni 1953, hrsg. vom Brandenburger Verein für politische Bildung "Rosa Luxemburg", Potsdam 1993, S. 9f.
37.
Torsten Diedrich, Waffen gegen das Volk. Der 17. Juni 1953 in der DDR, hrsg. vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt, München 2003, S. 201.
38.
"Wir sind nicht für Blutvergießen. Das ist das letzte Mittel. Aber auch dieses Mittel muß angewandt werden, wenn die Arbeiter- und Bauern-Macht verteidigt werden muß. Das sind unsere Erfahrungen aus dem Jahre 1953, das zeigen die Ereignisse 1956 in Ungarn und 1968 in der Tschechoslowakei." Zit. nach: Michael Kubina/Manfred Wilke (Hrsg.), Hart und kompromißlos durchgreifen. Die SED kontra Polen 1980/81, Berlin 1995, S. 111.
39.
Vgl. Hans-Hermann Hertle, Der Fall der Mauer. Die unbeabsichtigte Selbstauflösung des SED-Staates, Opladen 1999, S. 110f.
40.
Vgl. Armin Mitter/Stefan Wolle (Hrsg.), "Ich liebe euch doch alle!", Berlin 1990, S. 125.
41.
Zit. nach H.-H. Hertle (Anm. 39), S. 117f.
42.
Vgl. ebd., S. 121.
43.
Vgl. D. Semmelmann (Anm. 36), S. 5.
44.
Hermann Wentker, Arbeiteraufstand, Revolution? 1953 und 1989 im Vergleich, in: Deutschland Archiv, 34 (2001) 3, S. 391.