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2.6.2003 | Von:
Marianne Howarth

Der Juni-Aufstand und die Deutschlandpolitik der Westalliierten

Fazit

Für die Deutschlandpolitik der Westmächte in der ersten Hälfte der fünfziger Jahre liegt die Bedeutung des Juni-Aufstandes in der DDR in der Bestätigung und Intensivierung ihrer Unterstützung für den westlichen Integrationskurs. Damit war sowohl für den Westen als auch für den Osten der Kurs und die Geschichte der deutschen Teilung bis zum Herbst 1989 bestimmt. Der Aufstand des 17. Juni 1953 und seine blutige Niederschlagung hatte den Westmächten deutlich vor Augen geführt, dass trotz hartnäckigster Versuche der sowjetischen Besatzungsmacht und des Ulbricht-Regimes die Flamme eines gesamtdeutschen Nationalgefühls in der DDR noch nicht verloschen war. Diese Erkenntnis nahmen die Westmächte keineswegs mit Sentimentalität zur Kenntnis. Im Gegenteil, sie wirkte als ständige Mahnung, am bisherigen Kurs festzuhalten, der auf eine Wiedervereinigung Deutschlands nach westlichen Vorstellungen im Interesse aller Deutschen zielte.

Eine parallele Entwicklung ist ab diesem Zeitpunkt in der Westpolitik der DDR zu registrieren. Nach den Ereignissen des 17. Juni und der so tatkräftigen sowjetischen Unterstützung für den Erhalt der DDR sah sich die SED in ihren deutschlandpolitischen Ambitionen ermuntert, ihren Staat als deutsche Alternative zu profilieren. Ab Mitte der fünfziger Jahre sind Zeichen einer intensiven, nach Westen gerichteten Propagandakampagne zu erkennen, welche das Ziel hatte, die "antifaschistische" Identität der DDR zu betonen und Aspekte des politischen Lebens der Bundesrepublik zu diskreditieren, um endlich die weltweite Anerkennungsblockade zu durchbrechen. Die Auslandspropaganda der DDR versuchte, die damals in fast allen westeuropäischen Ländern vorhandene Furcht vor einer Europa dominierenden Bundesrepublik in positive Einstellungen gegenüber der DDR zu verwandeln, um die Anerkennungsbemühungen entscheidend voranzubringen.[32]


Fußnoten

32.
Zur Anerkennungsbewegung und -kampagne in den USA, Großbritannien, Frankreich, Italien, Dänemark, Holland, Belgien und der Schweiz vgl. U. Pfeil (Anm. 21). Zu Großbritannien vgl. auch Marianne Bell (jetzt Howarth), Britain and East Germany. The Politics of Non-Recognition, unveröff. M.Phil. Diss., University of Nottingham 1977, und Henning Hoff, Großbritannien und die DDR 1955 - 1973. Diplomatie auf Umwegen, München 2003.