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Kunst und Kultur im Wohlfahrtsstaat


6.5.2003
Kultur ist eine wohlfahrtsstaatliche Investition. Ohne dieses "öffentliche Gut" fehlte der Industriegesellschaft das kreative Fundament. Der Staat darf die Kultur daher nicht allein den Marktgesetzen überlassen.

Einleitung



Ihr wisst, auf unsern deutschen Bühnen Probiert ein jeder was er mag; Drum schonet mir an diesem Tag Prospekte nicht und nicht Maschinen.

J. W. v. Goethe, Faust, Vorspiel

Der Zusammenhang von Kunst und Geld war nicht nur dem Theaterdirektor in Goethes "Faust", er ist jedem Künstler geläufig. Nur, wer zahlt? Soll dies "der Staat" sein und, wenn ja, in welchem Umfang? Man kann nicht sagen, dass die Frage nach der Begründung von Staatsgeldern für Kunst und Kultur bislang theoretisch geklärt wäre. Dabei existieren zwei Denkfiguren, die entschiedener und mit Erfolg auf die Begründung von Kulturpolitik angewendet werden könnten: das Verhältnis von öffentlichen und privaten Gütern einerseits, von investiven und konsumtiven (Staats-)Ausgaben andererseits. Beide Verhältnisbestimmungen sind in der gegenwärtigen kulturpolitischen Diskussion im Fluss. Wenn man sie genauer untersucht, dann wird nicht nur die Ästhetisierung unserer Wirklichkeit, sondern auch die wohlfahrtsstaatliche Bestimmung von Kunst und Kultur deutlich. Letztere ist natürlich nicht unproblematisch, und deshalb soll ein Weg skizziert werden, der den Wohlfahrtsstaat als Kulturstaat in die Verantwortung nimmt und zugleich einen Beitrag zur Entstaatlichung leistet, um die Individualität der Kunst und die Gemeinschaftsbildung der Kultur zu gewährleisten.