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6.5.2003 | Von:
Yasemin Soysal

Kulturelle Standortbestimmung Europas

Bisher standen in Europa die nationalen Identitäten im Vordergrund. Eine europäische kulturelle Identität entsteht erst langsam. Hier wird die schulische Bildung eine wesentliche Rolle spielen.

Einleitung

In der Diskussion über Europa und die europäische Integration taucht regelmäßig die Frage der Identität auf.[1] Die Existenz einer europäischen Identität hat der europäischen Integration und der Idee eines vereinten Europas Berechtigung verliehen. Unausgesprochen einem im Prinzip nationalstaatlichen Modell folgend, wird in dieser Diskussion eine gemeinsame europäische Identität und ein kulturell verbundenes Europa als Voraussetzung für eine lebensfähige europäische Demokratie betrachtet. In dieser Debatte werden aber folgende Fragen nicht gestellt: Welche Art Identität kann Europa bieten? Welche Art Identität wird im europäischen öffentlichen Raum geschaffen oder doch angestrebt? Was stellt die Grundlage dieser Identität dar?


Im Folgenden soll vor allem untersucht werden, wie Europa als eine Identitätskategorie in der Erziehungs- und Bildungswelt geschaffen wird.[2] Die wichtigsten Beispiele stammen aus Schulbüchern und Lehrplänen sowie öffentlichen Verpflichtungen und diesbezüglichen Aktivitäten.[3] Zwei spezifische Aspekte der Europäisierung von Identität - oder der Entstehung der Kategorie europäische Identität - stehen im Mittelpunkt: ihr Inhalt und ihr Standort. Mit Inhalt ist das gemeint, was europäische Identität ausmacht. Mit Standort ist der öffentliche und soziale Raum beschrieben, in dem die Europäisierung von Identität "passiert".

Was bestimmt europäische Identität?

Bei der Beschreibung von europäischer Identität suchen die meisten Studien nach einer politischen Identität der Europäischen Union vor allem innerhalb der internationalen Arena - gegenüber anderen politischen Einheiten oder Nationalstaaten - in Zeiten, die geprägt sind durch alltägliche Symbole der Eigenstaatlichkeit und der kulturellen Kollektivität, wie beispielsweise Fahnen, Hymnen oder Feiertage. Oder aber die europäische Identität wird im Bewusstsein, in den Gefühlen und Wünschen des einzelnen Bürgers als Staatsbürger gesucht, wie zum Beispiel bei den Eurobarometer-Umfragen. Die allgemeine Hypothese lautet: Je weiter die institutionelle Integration der EU mit ihren Institutionen und Regierungsprinzipien fortschreitet, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit einer gemeinsamen Identität und Kultur, erkennbar auf der Ebene des einzelnen Bürgers und vermutlich nationale Identitäten ersetzend oder zumindest relativierend.

Diese Identitätshaltungen - europäisch, national oder regional - werden einander im Allgemeinen gegenübergestellt und führen zu einer erhitzten Debatte in öffentlichen und wissenschaftlichen Kreisen. Alternativ werden nationale oder transnationale Wege eingeschlagen, und es wird gefragt, ob das eine über das andere dominiert oder es einen linearen Übergang vom einen zum anderen gibt. Doch derartige Formulierungen spalten Identitäten unnötig. Untersuchungen zeigen, dass durchaus unterschiedliche Identitätshaltungen existieren, die sich jedoch nicht notwendigerweise alternativ gegenüberstehen oder einander ersetzen. Vielmehr wird die eine durch die andere gedeutet und im Veränderungsprozess neu definiert. Mit anderen Worten: Transnationale und nationale Identitäten sollten als etwas gesehen werden, das sich gegenseitig formt und neue Identitätshaltungen sowie Gewohnheiten erzeugt.

In den Schulen wird gelehrt, Europa sei eine eher unbestimmte Idee, mit zufälligen Grenzen und nicht zwingend durch die Europäische Union abgegrenzt. Seine Identität bestehe aus einer losen Ansammlung bürgerlicher Ideale wie Demokratie, Fortschritt, Gleichheit und Menschenrechte. Damit repräsentiere Europa die "moderne Normativität" (oder "transnationale Normativität"). Und seine Identität sei nicht ausschließend. Hinsichtlich dieser Definition gibt es quer durch die europäischen Schulbücher eine große Übereinstimmung.

Europa als Normativität meint einen anderen Weg, Identität in einen Begriff zu fassen, als wir dies normalerweise annehmen. Denn anders als bei nationalen Kategorien von Identität findet Europa seine Legitimität nicht primär in seiner tief verwurzelten Geschichte oder in seinen historischen Kulturen und Territorien. Dieses neue Europa ist zukunfts- und nicht vergangenheitsorientiert. Ohne Zweifel glorifizieren Geschichtsbücher die römischen, christlichen und sogar griechischen Ursprünge Europas, aber diese werden immer weniger unter nationalen Aspekten behandelt und immer mehr hinsichtlich universalistischer Axiome. Entsprechend werden die universalistischen Grundsätze hervorgehoben, die Europa zugeschrieben werden, unabhängig von der Tatsache, dass die gleichen Grundsätze die Basis der konfliktreichen und kriegsgeschüttelten Vergangenheit Europas waren. In neueren Schulbüchern erscheint daher Europa als eine weitaus friedlichere Region, als die Geschichte lehrt. Aus historischer Sicht wurde Europa mehr durch Konflikte und Teilungen geprägt als durch Konsens und Frieden; doch was nun, in Lehrbüchern, Europa zusammenhält, ist eine Reihe bürgerlicher Ideale, universalistischer Glaubenssätze und Prinzipien.

Das Problem mit solchen Formulierungen von Identität ist aber, dass diese universalistischen Grundsätze und Ideale nicht länger speziell Europa oder seinen Mitgliedstaaten zugeordnet werden können. Am Ende des 20. Jahrhunderts gehören Menschenrechte, Demokratie, Fortschritt und Gleichheit zur Modernität jeder Nation, selbst wenn diese sich unterschiedlich organisieren und sogar dabei scheitern, Modernität zu leben. Dies macht es unmöglich, eine territorial und kulturell gebundene Identität Europas zu bestimmen. Dieses Europa existiert nicht gegen seine "Anderen". Höchstens beim wirtschaftlichen Wettbewerb werden Amerika und Asien zu Europas Anderen, aber sie machen nicht notwendigerweise kulturell Andere aus. Das Gleiche kann hinsichtlich des Islam gesagt werden. Gemeinsam mit Nicht-Europäern verteidigte Europa das moslemische Kosovo und Bosnien gegen den undemokratischen jugoslawischen Staat. Ebenso sollte man sich an das Bestreben der europäischen Regierungen nach den Angriffen in New York erinnern, den "Krieg gegen den Terrorismus" von einem "Krieg gegen den Islam" zu unterscheiden. Trotz gegenteiliger Versuche scheitert Europa dabei, sein kulturell und symbolisch Anderes zu kreieren - richtiger- und glücklicherweise.[4]

So mangelt es dem neuen Europa an Originalität, einem Zustand des "Nationseins", und seine Identität scheint keine Herausforderung für nationale Identitäten zu sein. Schulbücher und Lehrpläne bezeugen dies. Noch immer ist ein bedeutender Teil des Geschichtsunterrichts in Schulen der nationalen oder regionalen Geschichte gewidmet. Aber die Lehrbücher stellen Nation und Identität zunehmend in einen europäischen Kontext, und in diesem Prozess wird die Nation neu interpretiert: Wir beobachten zunehmend eine Normalisierung nationaler Kanons und Mythen sowie Geschichtsschreibungen von Nationen. Zum Beispiel werden Ahnenstämme (germanische und gallische Stämme, Normannen, Franken und Kelten) nicht in heroischen, sondern in kulturellen Begriffen beschrieben, durch Bilder eines idyllischen Dorflebens, Gastfreundschaft und künstlerische Errungenschaften. Kreuzzüge werden nicht als heilige Kriege und Eroberung dargestellt, sondern als Möglichkeiten für kulturellen Austausch und das gegenseitige Lernen unter vielfältigen Zivilisationen.

Die gleiche Normalisierung betrifft nationale Helden. Über sie wird auf sachliche Weise gesprochen, abseits von Charisma und mythischer Glorifizierung. Jeanne d'Arc oder Bismarck werden mit sentimentaler Distanz behandelt und nicht als die Personifizierung eines glorreichen französischen oder deutschen Moments beschworen, sondern als gewöhnliche historische Gestalten, von denen sich lernen lässt.

Ebenso wie die Nation werden auch regionale Identitäten neu gesehen. Es gibt diverse Beispiele in Lehrbüchern, wie regionale Besonderheiten als mögliche Identitätshaltungen innerhalb eines Europas der Regionen (z.B. Bayern, Baskenland, Katalonien, Korsika, Schottland) auftauchen. In französischen Geografie-Lehrbüchern z.B. ist zu lesen, dass die europäische Integration die Organisation des französischen Raumes verändert hat. Innerhalb dieses neuen Raumes verliert etwa Elsass-Lothringen seine im Rahmen der bisherigen nationalen Vorstellung manchmal infrage gestellte Existenz und wird zu einer Region im Herzen Europas: reich, dynamisch und mit ermutigenden Aussichten.[5]

Meine Analyse von Schulbüchern bezeugt auch Abweichungen bei Projektionen und Formulierungen von Identität. Während die "Idee" von Europa in schulischen Lehrplänen und -büchern anerkannt und integriert ist, variiert ihre Aneignung hinsichtlich der Form. Abhängig von der Geschichte und der institutionellen Ausrichtung des Erziehungssystems Deutschlands erscheint Europa (und ebenso seine Regionen) in deutschen Geschichtsbüchern in der Schilderung seiner eigenen Geschichte und Identität, während die Nation verschwindet. In französischen Lehrbüchern wird die französische Nation, historisch begriffen als einabstraktes und universalistisches Gebilde, mitEuropa gleichgesetzt. Mit anderen Worten: Europa wird französisch. Die griechische Unzufriedenheit darüber, die Ursprünge Europas in die Zeit von Charlemagne und des Heiligen Römischen Reichs zu datieren, zeigt wiederum einen anderen historischen Anspruch. Nie richtig in Europa zu Hause (letztlich waren sie für das Römische Reich der "Osten", und ihre Stadtstaaten unterschieden zwischen Bürgern und Barbaren und machten sie daher ungeeignet für einen europäischen Gründungsmythos), sind die Griechen darauf erpicht, die hellenischen Anfänge Europas hervorzuheben.

So beherbergt Europa, wie in Schulbüchern dargestellt und in Bildungskreisen verstanden, mehrere historische Geografien und vielfältige kulturelle Bezüge. Europa bietet nationale und regionale Identitäten sowie Zugehörigkeiten, jedoch nicht in einer organischen, unabhängigen Weise, wie Weiler[6] in seinem multiplen Modell vorschlägt, weil diese multiplen Teile eher willkürlich zusammenhängen: manchmal einander bestätigend, doch häufig die Interpretation und Bedeutung des anderen neu prägend. Europa ist aber auch nicht historisch einzigartig und präzise, sodass ein zusammenhängendes, homogenes Kollektiv-Modell aufrechterhalten werden könnte.[7] Wenn Schulbücher und Bildungsdiskurse zunehmend überlappende, auf vieles bezogene Identitäten proklamieren - woran liegt es dann, dass diese Identitäten bei politischen Debatten in Vergessenheit geraten? Diese Überlegung führt zu einer zweiten Frage: der kulturellen Standortbestimmung europäischer Identität.

Wo findet europäische Identität statt?

Hinsichtlich der Bildungspolitik bietet die eher weniger strukturierte und formalisierte Art dieses Politikbereichs der EU (im Gegensatz zu Finanz-, Wirtschafts- oder Sicherheitsthemen) eine Möglichkeit für verschiedene Akteure, Initiativen außerhalb der strengen intergouvernementalen Verhandlungsstrukturen zu ergreifen. Bildung bleibt eine vorrangige Angelegenheit der Mitgliedstaaten; sie war noch bis vor kurzem von der supranationalen Politik nicht allzu sehr berührt. Mit dem Vertrag von Maastricht erhielt die Bildungspolitik ihre eigene Generaldirektion.[8] Seitdem hat die Union verschiedene Bildungsinitiativen entwickelt. Allerdings beschränkten sich diese vielfach auf die Anerkennung von Abschlüssen, die berufsbezogene Ausbildung, Kontakte zwischen Bildungseinrichtungen sowie auf Austausch- und Sprachunterrichtsprogramme. Die Entwicklung und der Inhalt von Lehrplänen werden noch immer hartnäckig durch die Nationalstaaten überwacht, trotz der EU-Resolutionen zu "europäischen Inhalten/der europäischen Dimension" in schulischen Lehrplänen. Wissenschaftler kritisieren, dass die Versuche der Kommission, die Bildung zu europäisieren, begrenzt bleiben und nicht wirksam sind.[9]

Dennoch gibt es auf der europäischen Ebene eine enorme Aktivität, die in ihrer Gesamtheit zur Schaffung eines affektiven "Europäischseins" im Bildungsbereich beiträgt: Netzwerke und Interessengruppen, Lehrervereinigungen und -verbände, zumeist unter der Schirmherrschaft von UNESCO, Europarat und anderen inter- und transnationalen Organen. Darüber hinaus gibt es eine wachsende Zahl von beratenden Komitees, die sich aus wissenschaftlichen Experten und Technokraten zusammensetzen, welche die Regierungspolitik über verschiedene Kanäle beeinflussen. Ihre Aktivitäten werden durch europäische Netzwerke sowohl organisatorisch als auch symbolisch ausgeweitet; sie erleichtern ein Klima des "Europäischseins" sowie die Förderung europäischer Bildung und Werte.

Zu den wichtigsten Aktivitäten gehören die Tätigkeiten internationaler Komitees und Organisationen, die sich an der Überarbeitung von Geschichtslehrbüchern beteiligen und umstrittene Geschichtsdarstellungen korrigieren. Verschiedene solcher Initiativen lassen sich aufzählen, zum Beispiel das gemeinsame Komitee von Deutschland, Frankreich, Polen, der Tschechischen Republik und zuletzt von Griechenland und der Türkei. Diese Komitees arbeiten daran, die Lerninhalte über die historischen Beziehungen zwischen Nachbarstaaten aufeinander abzustimmen, umstrittene Geschichtsdarstellungen zu überarbeiten und eine Annäherung zwischen "ehemaligen Feinden" herbeizuführen. Die Vereinigung europäischer Geschichtslehrer organisiert Workshops, um die Darstellung umstrittener historischer Ereignisse und Persönlichkeiten der europäischen Geschichte zu debattieren. Das Problem von Kompromissen ist allerdings die Vermeidung von Konflikten: Bei solchen Konferenzen wurden die Wikinger von rohen Kriegern nun zu beherzten Händlern, die weite Strecken zurücklegten. Spanische, niederländische, portugiesische und englische Geschichtslehrer kamen in Toledo zusammen und diskutierten die "kontroverse Persönlichkeit" Philipps II. und seine Zeit - und formten sein Vermächtnis um zu einem, das eher im Fortschritt in Kunst und Literatur liegt als in der gewaltsamen Verwurzelung des Katholizismus in Europa. Dies alles sind Bemühungen, um die "einzigartigen nationalen Helden und Feinde" zu rehabilitieren sowie ein europäisches Erbe neu zu schaffen, das nicht aus Kriegen und Konflikten besteht, sondern aus einer positiven gemeinsamen Vergangenheit.

Eine andere wirksame Form, ein affektives "Europäischsein" zu schaffen, ist die Etablierung von europäischen Bildungsstatistiken, die sozial und politisch einen Bildungsraum umfassen. Diese Statistiken machen abstrakte Vorstellungen vom europäischen Raum "greifbar", indem eine gemeinsame Sprache geschaffen und formale Wege des Verstehens und der Erfolgsmessung für ganz Europa standardisiert werden.[10]

Alle diese Versuche, bisherige Geschichtsdarstellungen zu überdenken und standardisierte, allgemeine Messverfahren zu schaffen, sind der Auftakt zu einer koordinierten Entwicklung von Unterricht und Lehrplänen sowie zu gemeinsamen Bildungszielen und -ergebnissen. Dies sind Bewegungen in Richtung dessen, was Laura Cram vielleicht zu kritisch als die Banalisierung Europas bezeichnet - ein Europa, das "Teil der alltäglichen Routine"[11] wird, Europa als Selbstverständlichkeit, als tägliche Realität.

Genau hier aber geschieht die gewünschte Europäisierung (die Schaffung Europas, wenn man so will) und entwickelt sich der europäische Raum: hauptsächlich außerhalb intergouvernementaler Strukturen und formaler EU-Institutionen, durch informelle institutionelle Prozesse, zumal im Erziehungs- und Bildungsbereich.

Zugegebenermaßen beruhen die hier vorgebrachten Argumente auf einer bestimmten Darstellung Europas, wie sie in Schulbüchern und Lehrplänen sowie in Bildungskreisen praktiziert wird. Diese Schilderung Europas mag als begrenzt und eingeschränkt kritisiert werden. Aber Schulbücher und Lehrpläne sind nicht als Texte selbst wichtig, sondern wegen der sozialen und politischen Debatten, Kämpfe und Orientierungen, die dahinter stehen. Schulbücher und Lehrpläne spiegeln die offiziellen und kodifizierten Sichtweisen Europas wider, doch diese sind auch zunehmend Produkte der Arbeit eines effektiven Netzwerks von Akteuren, die sich intensiv am Diskurs über Europa beteiligen. Durch ihre Aktivitäten wird die Wahrnehmung, das Bild Europas ständig anders betrachtet, revidiert und neu vermessen.

Europa ist ein strittiges und unfertiges Projekt, offen für Modifikationen und neue Entwicklungen. Doch was noch wichtiger ist: Es sollte niemals mit einer schlüssigen und einheitlichen Darstellung enden. Denn nur in dieser Art Europa (und der Art von pluraler Identität, die es ermöglicht) finden sowohl der Osten und der Westen als auch der Süden und der Norden ihren Platz und werden somit Bestandteil eines vielfältigen kulturellen Europas.

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Fußnoten

1.
Übersetzung aus dem Englischen von Dr. Dagmar Schittly, Bonn. 1Dieser Beitrag basiert auf dem Projekt "Das Überdenken nationalstaatlicher Identitäten in einem neuen Europa", gefördert von dem Programm "Ein Europa oder mehrere?" des Wirtschafts- und Sozialforschungsrats der EU sowie zusätzlichen Mitteln aus dem Fuller Bequest Fund, der Universität Essex, dem Leverhulme Trust und der British Academy.
2.
Identität wird hier als zu erklärende Kategorie verstanden, nicht als analytisch oder soziologisch aus sich selbst heraus entstanden.
3.
In dem Projekt wird die Neudefinition von Europa, Nation und Staatsbürgerschaft in der politischen Bildung im Verhältnis zur Konsolidierung Europas als transnationale Einheit erläutert. Diese Untersuchung wird als eine nationenübergreifende Längsschnittanalyse nationaler Lehrpläne und Schulbücher weiterführender Schulen der Fächer Geschichte und Staatsbürgerkunde durchgeführt. Die Datenreihe des Projekts entstammt Stichproben aus Geschichts- und Staatsbürgerkundebüchern von vier Staaten (Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die Türkei) zu drei Zeitpunkten - 1950, 1970 und 1990.
4.
Sicherlich gibt es Versuche, symbolisch Amerika als das Andere zu definieren: bei der Bedeutung von Kultur (z.B. der Widerstand gegenüber McDonalds durch die Förderung der regionalen Küche), bei der Definition von Gerechtigkeit (z.B. die Verurteilung der Todesstrafe und der Schusswaffenregelung), bei den Vorstellungen von sozialer Gleichheit (z.B. die Rolle von Staat vs. Markt bei der Sorge für die soziale Gleichheit und den Lebensstandard). Hier kann Europa, trotz all der bestehenden Varianten in den Mitgliedstaaten, eine Sache noch immer für sich reklamieren: den Wohlfahrtsstaat und ein gewisses Verständnis des solidarisch Sozialen. Jedoch wird dies zunehmend durch den Diskurs über liberale Markttheorien untergraben, die derzeit von den meisten europäischen Regierungen bevorzugt werden.
5.
Dies ist für Frankreich bemerkenswert, da hier Regionen immer zugunsten des Zentrums schwächer sind, im Gegensatz zu Deutschland oder Spanien, wo die regionale Vielfalt aufgrund der föderalistischen Strukturen gewollt ist.
6.
Vgl. J. H. H. Weiler, The constitution of Europe, Cambridge 1999.
7.
"Fuzzy Statehood" lautet der Titel eines Forschungsprojekts zur Europäischen Integration in Mittel- und Osteuropa. Vgl. www.bham.ac.uk/crees/statehood.
8.
Generaldirektion XXII für Bildung und Kultur.
9.
Vgl. T. Theiler, The European Union and the 'European Dimension` in Schools: Theory and Evidence, in: European Integration, 21 (1999), S. 307 - 341, für eine umfassende Untersuchung der EU-Aktivitäten auf dem Gebiet der Bildung.
10.
Vgl. C. Shore, Building Europa: The Cultural Politics of European Integration, Routledge 2000.
11.
L. Cram, Imagining the Union: the Case of Banal Europeanism?, in: H. Wallace (Hrsg.), Whose Europe: Interlocking Dimension of European Integration, London 2001.