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6.5.2003 | Von:
Hartmut Kaelble

Die sozialen und kulturellen Beziehungen Frankreichs und Deutschlands seit 1945

Die Gesellschaften beider Länder haben sich seit dem Zweiten Weltkrieg in vergleichbarer Weise verändert. Dadurch haben sie auf vielen Feldern Interessengemeinschaften im europäischen Rahmen gebildet.

Einleitung

Der Elysée-Vertrag von 1963 ist das Ergebnis einer politischen Entscheidung. Das Vertragswerk sollte vor allem den Rahmen für die damals neuartige französisch-deutsche Partnerschaft bilden. Im Elysée-Vertrag ging es im Kern nicht um soziale und kulturelle Beziehungen, aber sie spielten doch eine sichtbare Rolle. Erziehung, Sprachen, Familie und Jugend wurden Teil des ständigen Konsultationsprogramms der beiden Regierungen, das Deutsch-Französische Jugendwerk wurde eingerichtet. Eine Vision der gesellschaftlichen und kulturellen Annäherung enthielt der Vertragstext sicher nicht. Trotzdem ist er Teil einer französisch-deutschen Geschichte der großen gesellschaftlichen und kulturellen Divergenzen und Blockaden unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg und der langsamen, schwierigen Annäherung seit den sechziger Jahren.

Im Folgenden wird zunächst die Situation vor Abschluss des Vertrages skizziert. Danach sollen die Veränderungen in den Beziehungen beider Länder seit den sechziger Jahren geschildert werden - die Abmilderung der gesellschaftlichen und kulturellen Unterschiede zwischen Frankreich und Deutschland einerseits und die Intensivierung der Kooperation zwischen beiden Ländern andererseits. Der Elysée-Vertrag hat an diesem ganz erstaunlichen Prozess seinen Anteil und ist gleichzeitig Ausdruck dieser Entwicklung.[1]



Fußnoten

1.
Da es sich um einen Vertrag zwischen Frankreich und der alten Bundesrepublik handelte, wird auf die DDR im Folgenden nur am Rande eingegangen. Man sollte sie freilich nicht völlig herauslassen, da sie Teil der deutschen Geschichte ist.