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Männerparteien

Geschlechterpolitische Strategien im österreichischen und schweizerischen Rechtspopulismus


3.11.2004
Der Beitrag setzt sich mit der Geschlechterpolitik zweier mehrheitlich von Männern gewählten und dominierten Parteien auseinander: der Schweizerischen Volkspartei und der Freiheitlichen Partei Österreichs.

Einleitung



Im Politikbetrieb hat sich in den letzten Jahrzehnten ein tief greifender Wandel vollzogen. Zwar wird er nach wie vor in weiten Teilen von Männern geprägt, aber diese sind längst nicht mehr unter sich - auch nicht in den Führungsgremien von Parteien. Die Ausweitung von Partizipation und Repräsentation von Frauen wurde durch eine Vielzahl von Einflussfaktoren bestimmt: durch einen latenten gesellschaftlichen Druck, die Festschreibung von Quoten und Quoren in Parteistatuten, das zunehmende Umwerben von Frauen als spezifischer Wählergruppe sowie durch die Implementierung von frauen- bzw. gleichstellungspolitischen Maßnahmen. Diese Entwicklung ist gegenwärtig in allen europäischen Staaten zubeobachten, wenn auch in unterschiedlichen Ausmaßen. Und bei aller Skepsis, die unter nicht wenigen Politikern auch heute noch anzutreffen ist, finden sich doch kaum noch Spitzenpolitiker, die so weit gehen würden, das Ziel der Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit offensiv und medienöffentlich in Frage zu stellen- mit allerdings bemerkenswerten Ausnahmen.




Diese Ausnahmen finden sich in einer Parteienfamilie, die seit den achtziger Jahren in einer Vielzahl europäischer Demokratien mit spektakulären Wahlerfolgen für zum Teil erhebliche Verwerfungen gesorgt hat: der des Rechtspopulismus. In den entsprechenden Organisationen, etwa der italienischen Lega Nord, dem französischen Front National oder dem belgischen Vlaams Blok, sind Männer weitgehend unter sich. Die unangefochten agierenden Parteiführer sind männlichen Geschlechts, die Frauenanteile in den Parteigremien, unter den Mandatsträgern sowie innerhalb der Mitgliedschaft liegen zumeist weit unter dem Durchschnitt der jeweiligen Länder. Zugleich erhalten rechtspopulistische Parteien ihre Stimmen mehrheitlich von Männern. Deren Anteil an der Wählerschaft liegt nicht selten bei 60 Prozent und darüber. Häufig werden rechtspopulistische Formationen deshalb auch als "Männerparteien" bezeichnet.

Wie äußern sich nun Parteien, die auf Männer offenkundig eine besondere Anziehungskraft ausüben, zu geschlechterpolitischen Fragestellungen? Welches Wissen über das Geschlechterverhältnis bringen sie in Umlauf? Dies soll im Folgenden anhand der Politik der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) und der Schweizerischen Volkspartei (SVP) betrachtet werden. Beide Parteien zählen zu den erfolgreichsten rechtspopulistischen Formationen Europas, ist es ihnen doch gelungen, ihre Wahlerfolge in Regierungsbeteiligungen auf nationaler Ebene münden zu lassen. Zwar vertreten beide Parteien ein relativ traditionelles, allenfalls vorsichtig modernisiertes Geschlechterrollenverständnis, aufgrund deutlich differierender strategischer Gesamtkonzeptionen unterscheiden sich ihre inhaltlichen Detailpositionen sowie ihr Umgang mit dem Themenkomplex aber zum Teil fundamental.