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26.10.2004 | Von:
Wolfgang Hetzer

Europäische Strategien gegen Geldwäsche und Terror

"Weiche" Ziele und "weiche" Waffen

Die Terroristen wissen, dass ein Sieg der USA oder "des Westens" in einem antiislamischen Ideologiekampf ausgeschlossen ist. Sie wollen ihren menschenverachtenden Nihilismus zu einem Religionskrieg stilisieren. Allein die Zahl der Selbstmordattentate zeigt, wie viel religiöser "Brennstoff" ihnen zu Verfügung steht. Das "alte Europa" hat die traurige Kunst erst erlernen müssen, Religionskriege zu beenden, nicht nur die Konfessionskriege der Neuzeit, sondern auch die Frontstellung zwischen Religion und Liberalismus, die sich seit der Französischen Revolution herausgebildet hatte.

Nach den terroristischen Attacken von Madrid wurde von einem Angriff auf die "Seele Europas" gesprochen. Angst sei im Kalkül der Terroristen die zentrale Waffe, mit der sie auf die Lähmung des öffentlichen Lebens abzielten. "Harte" Abwehr des Staates allein wird die "weichen" Ziele, also das Leben der gewöhnlichen Bürger, jedoch nicht hinreichend schützen können. Erforderlich sind auch "weiche" Waffen: Zivilcourage, Gelassenheit, Beharrlichkeit, Selbstvertrauen und auch Trotz. Vielleicht geht es sogar um eine Art von psychologischer Kriegführung: "Eine Gesellschaft, die sich nicht einschüchtern lässt, die Opfer aushält und ihr offenes Leben weiterlebt, ist vom Terror nicht zu besiegen."[10]

Gleichwohl wird man in den Mitgliedstaaten der EU und auf gesamteuropäischer Ebene weitere Erfolg versprechende Ansätze zur Terrorismusbekämpfung entwickeln müssen. Verhütung und Verfolgung von Geldwäsche haben dabei größte strategische Bedeutung. Ihr praktischer Nutzen wird sehr viel höher sein als der gegenwärtige "Krieg gegen Terror".


Fußnoten

10.
Volker Ulrich, in: Süddeutsche Zeitung vom 5.4.2004, S. 4.