Staats- und Regierungschefs gedenken des Endes des Ersten Weltkrieges in Paris, 11.09.2018.

Nation und Nationalismus

Nationen seien "vorgestellte Gemeinschaften", so der Nationalismusforscher Bendedict Anderson. Wie ein Blick in die Geschichte zeigt, bedurfte es großer Anstrengungen und teilweise auch Gewalt, um diese Vorstellung zu formen und das Konzept vom Nationalstaat in die Realität umzusetzen. Vorstellungen aber sind veränderbar, und somit wären auch andere Formen der Gemeinschaftsbildung jenseits der Nation zumindest denkbar. Angesichts einer weltweit wahrzunehmenden Rückbesinnung auf die Nation und ihre Interessen, mithin nationalistischer Töne, scheinen solche Visionen zurzeit weit davon entfernt, Wirklichkeit zu werden. Und ist die Forderung, die Zeit der Nationalstaaten endlich und endgültig hinter uns zu lassen, angesichts der offensichtlichen geschichtlichen Wirkmächtigkeit der Idee "Nation" und der Verbindung auch mit Demokratie, mit Rechts- und Sozialstaatlichkeit, nicht allzu voreilig oder sogar elitär?

Anne Seibring

Editorial

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Christian Geulen

Zur "Wiederkehr" des Nationalismus - Essay

Der Nationalismus kehrt wieder. Diese oft gestellte Diagnose nimmt zugleich an, dass er einmal überwunden schien. Und ist nicht vielmehr ein neuer Nationalismus am Werk, der mit dem "alten" nicht viel gemeinsam hat? Was ist wiedergekehrt und was nicht?

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Julia Angster

Nationalgeschichte und Globalgeschichte. Wege zu einer "Denationalisierung" des historischen Blicks

Nationalgeschichte ist aus der Mode gekommen. Stattdessen boomen globalgeschichtliche Ansätze. Wie kann der nationale Denkrahmen in der Geschichtsschreibung überwunden werden, ohne die nationale Ebene und ihre Themenfelder aufzugeben?

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Cornelia Koppetsch

In Deutschland daheim, in der Welt zu Hause? Der Heimat-Diskurs und die Transnationalisierung von Klassenstrukturen

Während die einen Heimat als Schicksal betrachten, gehen die anderen von der Möglichkeit einer (immer wieder neu) gewählten Heimat aus. Die unterschiedlichen Konzepte von "Heimat" sind Ausdruck neuartiger Spaltungen innerhalb einer sich transnationalisierenden Gesellschaft.

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Sina Arnold, Sebastian Bischoff, Jana König

Postnationale Potenziale. Praktiken jenseits der Nation

Weltweit ist derzeit eine Renationalisierung zu beobachten. Doch es wird auch über postnationale Formen von Gesellschaft nachgedacht und diese in Ansätzen praktiziert, bewusst und unbewusst. Theorie wie Praxis weisen allerdings auch Leerstellen auf.

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Pierre Gottschlich

Hindu-Nationalismus. Indien auf dem Weg in einen Hindu-Staat?

Der Hindu-Nationalismus in Indien hat eine jahrzehntelange politische Tradition. Die amtierende Regierung unter Premierminister Narendra Modi versucht weniger politisch-institutionell als vielmehr gesellschaftlich-kulturell, Indien zu einem Hindu-Staat zu formen.

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Nino Löffler

Von der autonomen Gemeinschaft zur unabhängigen Nation? Separatismus in Katalonien

Der Konflikt um den Status Kataloniens schwelt schon lange. Mit der Eskalation um das Unabhängigkeitsreferendum 2017 und der Festnahme des katalanischen Regionalpräsidenten in Deutschland 2018 ist dieser auch im europäischen Bewusstsein angekommen.

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Sezer İdİl Göğüş

Die neue Diasporapolitik der Türkei und Türkeistämmige in Deutschland

Seit 2008 politisiert sich das Engagement der AKP-Regierung(en) gegenüber der türkeistämmigen Bevölkerung im Ausland deutlich. Diese werden als "Diaspora" angesprochen und sollen als solche für (innen)politische Interessen mobilisiert werden.

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