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23.7.2004 | Von:
Vera Hewener

Geschlechtsspezifische Unterschiede im Umgang mit der Zeit

Frauen nehmen Zeit intensiver wahr und gestalten sie bewusster als Männer. Diese werten sie stärker als Produktionsgröße; der metaphysische Aspekt der Zeit ist bei ihnen weniger stark ausgeprägt als bei den Frauen.

Gesellschaftliche Zeitstrukturen

Die Vorstellungen von und die Wahrnehmung der Zeit haben sich in einem langen geschichtlichen Prozess entwickelt. Der Umgang mit ihr ist das Ergebnis des jeweils herrschenden gesellschaftlichen Zeitempfindens, das sich aus der kulturellen Überformung vergangener Zeitbedeutungen speist. In welcher Weise eine Gesellschaft die Zeit zum Gegenstand ihrer Organisation macht, beeinflusst auch den individuellen und sozialen Umgang mit ihr. Die gesellschaftlichen Probleme des aktuellen Zeitstrukturwandels sind offenkundig: Flexibilisierungen der Arbeits- und Betriebszeiten haben zu sozialer Desynchronisation geführt, etwa mit der Folge, dass sich Fahrgemeinschaften auflösen, der Energieverbrauch in privaten Haushalten durch unterschiedliche Aktivitätszeiten ansteigt und es zu einem Verlust an Kontinuität und Stabilität in den zwischenmenschlichen Beziehungen kommt, deutlich zu erkennen an den steigenden Scheidungsraten.




Inwieweit Zeitstrukturen die soziale Existenz und die Gesundheit beeinträchtigen, hat Jürgen Rinderspacher untersucht.[1] Er ist zum Ergebnis gekommen, dass die zeitliche Normierung von Tätigkeiten und Bedürfnissen unter der Bedingung beschleunigter Handlungen und Prozesse im Widerspruch zum biologisch-sozialen Rhythmus der Personen stehen kann. Dieser Widerspruch stelle eine permanente Belastung dar, die pathogene Züge trage.

Wie wirkt sich nun die aktuelle Zeitstrukturierung unserer Gesellschaft aus, gibt es Unterschiede in der Zeitbedeutung und der Zeitwahrnehmung zwischen den Geschlechtern, und hat sich die sozialstrukturelle Ungleichheit zwischen Mann und Frau gewandelt?

Dies waren die zentralen Fragen einer Bevölkerungsbefragung (n = 150) des Gesundheitsamtes des Stadtverbandes Saarbrücken im März 2002 anlässlich des Gesundheitstages "Zeit(t)räume". Sie erfolgte anonym mittels eines standardisierten Fragebogens. Im vorliegenden Beitrag sollen die wichtigsten Ergebnisse referiert werden.


Fußnoten

1.
Vgl. Jürgen Rinderspacher, Gesellschaft ohne Zeit. Individuelle Zeitverwendung und soziale Organisation der Arbeit, Frankfurt/M. 1985.