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90 Jahre Erster Weltkrieg

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    Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs zerbrach die bürgerliche Gesellschaft des 19. Jahrhunderts. Die Staats- und Gesellschaftsordnungen der kriegführenden Länder erfuhren revolutionäre Umwälzungen. Neuartige Waffen wie Giftgas, Panzer, Bomberflugzeuge und Maschinengewehre forderten Millionen Opfer. Der Anfang vom Ende der europäischen Dominanz in der Welt war eingeleitet. Der Erste Weltkrieg, den George F. Kennan "the great seminal catastrophe" des Jahrhunderts nannte, barg den Samen des zweiten, noch fürchterlicheren globalen Krieges bereits in sich. 90 Jahre nach dem Kriegsbeginn am 1. August 1914 gibt es keine Zeitzeugen mehr. Statt dessen lässt sich anhand von Alltagsdokumenten die kollektive Erfahrung rekonstruieren: Feldpostbriefe, Tagebücher, Fotoalben künden vom Grauen des Massenschlachtens. Die Forschung befindet sich auf dem Weg zu einer "Europäischen Kulturgeschichte des Ersten Weltkriegs". Dabei sollten Ansätze einer interdisziplinären Alltags- und Mentalitätsgeschichte mit traditionellen Forschungsthemen der Politikgeschichte verknüpft werden. Auch die lange "vergessenen" Kriegsschauplätze in Ost- und Südosteuropa rücken in den Blickpunkt. Die EU-Erweiterung begünstigt die Entwicklung eines gesamteuropäischen Geschichtsbewusstseins.

       
  • Hans-Georg Golz

    Editorial

    Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs zerbrach die bürgerliche Gesellschaft des 19. Jahrhunderts. Die historische Forschung befindet sich auf dem Weg zu einer "Europäischen Kulturgeschichte des Ersten Weltkriegs". Weiter...

    Gerhard Hirschfeld

    Der Erste Weltkrieg in der deutschen und internationalen Geschichtsschreibung

    Für die deutschen Historiker hatte der Erste Weltkrieg nie seine zentrale Rolle in der modernen Geschichte verloren. Ansätze einer Alltags- und Erinnerungsgeschichte gestatten es, traditionelle Themen mit aktuellen historiographischen Konzepten zu verbinden. Weiter...

    Mark Connelly

    "Never Such Innocence Again"

    Die britischen Wahrnehmungen des Jahres 1914 sind geteilt. Auf der einen Seite stehen die Historiker, welche vor einfachen Interpretationen der Auswirkungen des Krieges auf die Nation warnen. Auf der anderen Seite stehen die Mythen der Populärkultur. Weiter...

    Laurence van Ypersele

    Belgien im "Grande Guerre"

    Noch vor Kriegsende wurde das "heroische" Belgien in Gestalt des Frontkämpfers und das Martyrium des Landes in Gestalt der Zivilisten in den besetzten Gebieten glorifiziert. Den idealisierten Darstellungen steht das Grauen der erlebten Wirklichkeit gegenüber. Weiter...

    Aribert Reimann

    Der Erste Weltkrieg - Urkatastrophe oder Katalysator?

    Als "Urkatastrophe" erscheint der Erste Weltkrieg, wenn die Periodisierung auf den Kriegsausbruch verlegt wird oder sich die Perspektive auf die deutsche Geschichte verengt. Eine differenzierte Deutung wird den Krieg als Chiffre der "Krise der klassischen Moderne" würdigen. Weiter...