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17.6.2004 | Von:
Ilse Hartmann-Tews

Sportentwicklung in Europa unter Einbeziehung von Frauen

Die historische Entwicklung anderer Sportarten wie Turnen und Sport unter Einschluss von Frauen widmet sich der Beitrag von Ilse Hartmann-Tews. Daneben wird nach der Rolle von Frauen als Repräsentantinnen in Führungspositionen gefragt.

Einleitung

Der Sport, wie wir ihn heutzutage kennen, entwickelte sich europaweit mit ersten Konturen als eigenständiges gesellschaftliches Teilsystem im ausgehenden 18. Jahrhundert. Hier wurden eine Vielzahl von volkstümlichen Festen, Spielen, Bewegungen, spielerischen körperlichen Auseinandersetzungen und Wettstreiten zu einem gesellschaftlichen Bereich, der sich durch eigene Organisationen (u.a. Vereine, Wettbüros, Turnplätze), spezifische Rollen (Vorturner, Schiedsrichter, drill master) und vor allem durch ein spezifisches Sinngefüge von anderen gesellschaftlichen Bereichen absetzte. Im ausgehenden 19. Jahrhundert hatte sich ein eigenständiges gesellschaftliches Teilsystem etabliert, dessen zentrale Handlungsorientierung sich als körperbezogene Leistung und Leistungssteigerung beschreiben lässt. Jegliches sportbezogene Handeln hat die körperliche Leistungsfähigkeit zum Mittelpunkt und richtet sich darauf, sie zu demonstrieren, sie auszutesten, sie zu steigern oder auch sie zu erhalten.[1]




Die Frage, der hier nachgegangen werden soll, ist, inwieweit die Sportentwicklung in Europa und die immer umfangreichere Einbeziehung der Bevölkerung in die jeweiligen Sportsysteme mit Fragen der Geschlechtszugehörigkeit verknüpft ist. Dies soll in zwei Schritten erfolgen: zum einen mit Blick auf die Ausdifferenzierung von Turnen und Sport im 18. Jahrhundert in Deutschland, Frankreich und England,[2] zum anderen mit Blick auf die aktuelle Situation der Einbeziehung der Bevölkerung in verschiedenen Ländern Europas.[3]


Fußnoten

1.
Vgl. Rudolph Stichweh, Sport - Ausdifferenzierung, Funktion, Code, in: Sportwissenschaft, 20 (1990) 4, S. 373 - 389.
2.
Vgl. Ilse Hartmann-Tews, Sport für alle!?, Schorndorf 1996.
3.
Die Länder, auf die sich diese Ausführungen beziehen, sind insbesondere Norwegen, Schweden, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Tschechien und Spanien. Vgl. Ilse Hartmann-Tews/Gertrud Pfister (Hrsg.), Sport and Women. Social Issues in international Perspective, London 2003. Vgl. auch Ilse Hartmann-Tews u.a., The Challenge of Change. Frauen in Führungspositionen des Sports. Ein internationaler Vergleich, Duisburg 2002.