APUZ Dossier Bild
1 | 2 | 3 | 4 | 5 Pfeil rechts

Ein Vierteljahrhundert Islamische Republik Iran


24.2.2004
Der Überblicksbeitrag kommt zu einem differenzierten Ergebnis in der Darstellung der drei Entwicklungsdekaden. Das politische System ist zwar stabil, aber die Versprechungen der Revolution warten auch nach 25 Jahren immer noch auf ihre Erfüllung.

Einleitung



Im Februar 2004 beging die Islamische Republik Iran im Rahmen ihrer alljährlichen Zehntagefeiern zum Sieg der Revolution den 25.Jahrestag der triumphalen Rückkehr des Revolutionsführers Ayatollah Ruhollah Khomeini, dem 2. Mio. Iraner bei seiner Ankunft in Teheran am 1. Februar 1979 einen begeisterten Empfang bereiteten. Der Schah hatte bereits am 16. Januar das Land verlassen. Die bislang schahtreuen Streitkräfte erklärten sich am 11. Februar für neutral,[1] woraufhin Shahpur Bakhtiyar, der letzte vom Schah eingesetzte Ministerpräsident den Machtkampf verloren gab und in den Untergrund abtauchte. Vierundzwanzig Stunden später beauftragte Khomeini den frommen liberal-islamischen Technokraten Mehdi Bazargan mit der Bildung einer provisorischen Revolutionsregierung, die einen Tag später von den USA und der UdSSR anerkannt wurde. In dem am 30. März 1979 abgehaltenen Referendum erklärten 97 Prozent der Teilnehmer ihre Zustimmung für eine Islamische Republik. Khomeini proklamierte daraufhin den 1. April "zum ersten Tag der Herrschaft Gottes" auf Erden.



Die Jahresfeiern der Revolution geben Anlass, eine vorläufige Bilanz der Politik der Islamischen Republik Iran zu ziehen, eines theokratisch-republikanisches Hybridsystems, das eine - gemessen an vielen Staaten des Nahen und Mittleren Ostens - beachtliche Stabilität gewahrt hat. Dies ist beileibe nicht selbstverständlich, schließlich leidet Irans System seit geraumer Zeit unter ideologischen Widersprüchen, einer bröckelnden Legitimationsbasis seines Revolutionsführers, heftigen Richtungskämpfen innerhalb seiner Machtelite und einer chronischen Wirtschaftskrise, die noch durch einseitige Handelsembargos der USA verstärkt wird. Dennoch hat Irans System bis zur Stunde die Kassandrarufe der Exilopposition, die seit 1979 seinen baldigen Untergang vorhersagen, widerlegt.

Um eine Bilanz von 25 Jahren Islamischer Republik zu ziehen, kommt man nicht umhin festzustellen, dass es neben einigen festen ideologisch-politischen Konstanten und Kontinuitäten auch bedeutsame, an bestimmte Persönlichkeiten und Ereignisse geknüpfte Umbrüche, Richtungswechsel und Akzentverschiebungen gegeben hat, die es erlauben, die gesamte Periode in drei Phasen einzuteilen. Angelehnt an Ebrahim Yazdi, Irans ersten Außenminister nach 1979,[2] kann man durchaus von drei Republiken sprechen, nämlich der Dekade des Revolutionsführers und Republikgründers Khomeini (1979 - 1989), der durch das Duumvirat aus Revolutionsführer Khamenei und Präsident Rafsanjani geprägten Phase der "Zweiten Republik" (1989 - 1997) und zuletzt der mit der Wahl Khatamis 1997 eingeleiteten und von einer islamischen Reformbewegung bestimmten "Dritten Republik".



Fußnoten

1.
Vgl. Ervand Abrahamian, Iran Between Two Revolutions, Princeton 1982, S. 529.
2.
Yazdi nennt die mit der Präsidentschaft Mohammad Khatamis beginnende Phase die "Dritte Republik". Vgl. ausführlich zu den Definitionen Ebrahim Yazdi, Se Jomhuriye ("Drei Republiken), Teheran 2001, S. 341 - 352.