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12.12.2005 | Von:
Harald Schoen
Jürgen W. Falter

Die Linkspartei und ihre Wähler

Die Linkspartei erzielte bei der Wahl 2005 ein herausragendes Ergebnis. Sie konnte verstärkt Schichten ansprechen, in denen sie vorher relativ wenig Rückhalt gefunden hatte.

Einleitung

In mindestens einer Hinsicht hat die Wiedervereinigung der FDP in Form der PDS eine ernsthafte Konkurrentin beschert. Zwar trennen beide Parteien programmatisch Welten, doch wie der FDP schon seit Jahrzehnten immer wieder das Sterbeglöcklein geläutet wird, spekulieren Beobachter seit 1990 in ähnlicher Regelmäßigkeit über das politische Ende der PDS.


So konnte die neue Konjunktur pessimistischer Zukunftsprognosen nach dem Scheitern der PDS bei der Bundestagswahl 2002 nicht erstaunen.[1] Nur wenige Autoren verwiesen zur Erklärung des Resultats auf situative Einflüsse, wie das Fehlen eines überzeugenden Personalangebots und die Themen des Wahljahres 2002, die das PDS-Debakel als einmaligen Ausrutscher erscheinen lassen konnten. Eine Mehrheit führte Argumente ins Feld, die dafür sprachen, das schlechte Abschneiden 2002 als Anfang vom Ende der PDS als bundespolitischer Kraft zu betrachten.


Ihre Regierungsbeteiligungen auf Landesebene hätten der PDS harte Kompromisse abgefordert und ihr programmatische Kontur und Glaubwürdigkeit geraubt. Die relativ seniorenlastige Mitgliederstruktur ließ die langfristigen Zukunftschancen der Partei ebenfalls eher düster erscheinen. Auch wurden die Chancen der PDS, in den alten Bundesländern Fuß zu fassen, skeptisch beurteilt. Die PDS schien sich also spätestens seit 2002 im Abstieg zu befinden.

Wie bereits in den neunziger Jahren erwiesen sich auch diesmal derartige Spekulationen über das nahe Ende der PDS als verfrüht. In Linkspartei umbenannt, erzielte sie am 18. September 2005 mit 8,7 Prozent ihr mit Abstand bestes Ergebnis bei Bundestagswahlen. Sie erscheint an den Wahlurnen als vitaler denn je. Wie die skeptischen Urteile nach der Wahl 2002 könnte freilich auch dieser Eindruck täuschen. Wir wollen in diesem Beitrag das Abschneiden der Linkspartei bei der Bundestagswahl 2005 genauer untersuchen. Dazu werden wir zunächst knapp die Entwicklung von der PDS zur Linkspartei darstellen. Anschließend werden wir das Wahlverhalten zugunsten der Linkspartei bei der Bundestagswahl 2005 untersuchen und daraus Schlussfolgerungen für die weitere Zukunft der Partei ableiten.


Fußnoten

1.
Vgl. Richard Hilmer, Bundestagswahl 2002: eine zweite Chance für Rot-Grün, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen (ZParl), 34 (2003), S. 210; Eckhard Jesse, Das Abschneiden der PDS und der Rechtsparteien bei der Bundestagswahl 2002, in: Zeitschrift für Politik, 50(2003), S. 23 - 28; Dieter Roth/Matthias Jung, Ablösung der Regierung vertagt: Eine Analyse der Bundestagswahl 2002, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), (2002) 49 - 50, S. 17; Katja Neller/S. Isabell Thaidigsmann, Wer wählt die PDS? Ein Vergleich von Stamm- und Wechselwählern bei den Bundestagswahlen 1994 - 2002, in: Frank Brettschneider/Jan van Deth/Edeltraud Roller (Hrsg.), Die Bundestagswahl 2002. Analysen der Wahlergebnisse und des Wahlkampfes, Wiesbaden 2004, S. 185 - 218.