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25.11.2005 | Von:
Herbert Wulf

Poker um Nordkoreas Atomprogramm

Die Krise im Jahr 1998

Die zweite Krise durchliefen die Beziehungen im Jahr 1998, als Nordkorea die weit reichende Mehrstufenrakete Taepo-dong-1 testete und über Japan hinweg in den Pazifischen Ozean schoss. Zuvor waren die amerikanisch-nordkoreanischen Gespräche in den Jahren 1996 und 1997 über die Beschränkungen des Exportes von Raketentechnologie in den Mittleren Osten und an Pakistan sowie über die Beendigung der Raketenentwicklung zu keinem befriedigenden Ergebnis gekommen. Die Regierung Kim Jong Il war nicht bereit, über ihr Raketenprogramm zu verhandeln, es sei denn, dies fände im Rahmen eines allgemeinen koreanischen Sicherheitsarrangements statt, und Nordkorea erhielte volle wirtschaftliche Kompensation für den Verzicht auf den Export. Dies wiederum verweigerten die USA. Nach monatelangen Verhandlungen stimmte Nordkorea schließlich im März 1999 zu, die umstrittenen unterirdischen Atomanlagen in Kumchang-ni inspizieren zu lassen. Ende Mai 1999 gab dann das amerikanische Außenministerium bekannt, dass die Installationen dieses Tunnelsystems nicht zur Herstellung von Atomwaffen geeignet seien. Im September 1999, nach der Zusage für weitere amerikanische Nahrungsmittellieferungen und nach Verabschiedung eines nordkoreanischen Testmoratoriums weit reichender Raketen, kam es zur zeitweisen Annäherung in den Beziehungen zwischen den USA und Nordkorea. Die US-Außenministerin Madeleine Albright besuchte Nordkorea. Der Export von Raketentechnologie ging jedoch weiter.

In dieser Zeit geriet die Clinton-Regierung innenpolitisch zunehmend unter Druck. Die Konservativen warfen ihr vor, erpresserisches Verhalten der Nordkoreaner mit wirtschaftlichen Geschenken zu belohnen.[3] Nach einer gründlichen Überprüfung der US-Politik gegenüber Nordkorea im Jahr 1999 blieb die US-Regierung bei ihrer ursprünglichen Politik, die Entwicklung von Atomwaffen in Nordkorea mit "Zuckerbrot und Peitsche" - wirtschaftliche Kooperation bei Zugeständnissen und Sanktionen bei Verweigerungen - zu verhindern.[4]


Fußnoten

3.
Vgl. IISS (Anm. 1), S. 16.
4.
Vgl. Donald G. Gross, Weapons of Mass Destruction and North Korea, in: Pughwash Newsletter, 39 (2002) 1, S. 67 - 73; Wade L. Huntley, Ostrich Engagement: The Bush Administration and the North Korea Nuclear Crisis, in: The Nonproliferation Review, 11 (2004) 2, S. 83.