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25.11.2005 | Von:
Herbert Wulf

Poker um Nordkoreas Atomprogramm

Die Optionen der USA und ihrer Verbündeten

Gegenüber Nordkorea werden kooperative wie auch konfrontative und militärische Optionen erwogen. Die Zeit spricht nicht für die Verbesserung der Optionen. Je weiter fortgeschritten das nordkoreanische Programm ist, umso schwieriger wird dessen Reversion.

Erstens: Nordkorea wäre eigentlich ein Fall für die militärische Abschreckung durch die National Security Strategy der USA vom 28.September 2002, in der mit "Präemption" gedroht wird. "Schurkenstaaten" sollen demnach durch die Androhung von Atomschlägen abgeschreckt werden, selbst Atomwaffen zu entwickeln. Doch die nordkoreanische Regierung zeigt sich resistent gegen militärische Drohungen.

Zweitens: Die Bombardierung des nordkoreanischen Nuklearkomplexes wurde bereits vor 1994 von der Clinton-Regierung erwogen und verworfen. Abgesehen von den völkerrechtlichen Bedenken einer derartigen Vorgehensweise sprechen militärische Gründe dagegen. Die Bush-Regierung kam zu dem Ergebnis, dass es zwar militärische Optionen gibt, "aber keine guten".[24] Da nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann, dass Nordkorea im Besitz von Atomsprengköpfen ist, könnte sich die Option, mit militärischen Mitteln das Atompotenzial zu zerstören, als verheerend erweisen.

Drittens: Auch ein Krieg mit konventionellen Waffen auf der koreanischen Halbinsel wäre fatal, da Nordkorea im Falle eines Angriffes große Teile Südkoreas zerstören könnte.

Viertens: Nordkorea weiterhin als "Schurkenstaat" zu ächten und völlig zu isolieren, bedeutet das Ende jeglicher Kommunikation. Diese Strategie setzt jedoch die rückhaltlose Zustimmung Chinas und Südkoreas voraus. Die Atom- und Raketenprogramme Nordkoreas würden in diesem Fall voraussichtlich weitergeführt oder gar beschleunigt.

Fünftens: Die vermutlich einzig realistische Politik, die sich jetzt auch durchzusetzen scheint, besteht darin, den schwierigen Dialog mit "Zuckerbrot und Peitsche", aber auch mit ernsthafter Kooperation wieder aufzunehmen. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Nordkoreas berücksichtigend, können die USA, ihre Verbündeten und die asiatischen Nachbarn Nordkorea zu Zugeständnissen bewegen. Der nordkoreanischen Führung muss glaubhaft signalisiert werden, dass sie für die Aufgabe ihres Atomprogramms tatsächlich substantielle, völkerrechtlich verbindliche Sicherheitsgarantien der USA - abgesichert von China, Russland, Japan und Südkorea - und wirtschaftliche Unterstützung erhält.


Fußnoten

24.
Zit. in Phillip C. Saunders, Military Options for Dealing with North Korea's Nuclear Program, in: www.cns.miis.edu (27. 1. 2003).